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Der Norden Kinder aus Hartz-IV-Familien beantragen kaum Zuschüsse für Sportverein oder Musikschule
Nachrichten Der Norden Kinder aus Hartz-IV-Familien beantragen kaum Zuschüsse für Sportverein oder Musikschule
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18:57 08.10.2019
Über das Bildungs- und Teilhabepaket sollen sich auch arme Kinder die Mitgliedschaft in Sportvereinen leisten können, doch häufig erreicht die Hilfe nicht die Bedürftigen, kritisiert der Paritätische. Quelle: Florian Schuh/dpa (Symbolfoto)
Hannover/Bremen

Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Hartz-IV-Haushalten hat nach Berechnung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nichts vom soziokulturellen Angebot, das über das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket finanziert werden soll. Demnach profitiert in Niedersachsen und Bremen nur etwas mehr als jedes zehnte grundsätzlich berechtigte Kind von den Zuschüssen etwa für Sportverein, Musikschule oder Freizeiten.

Im Bundesdurchschnitt sieht es nur geringfügig besser aus, heißt es in einer Studie, die der Verband am Dienstag veröffentlicht hat. Die Teilhabequote von August 2017 bis Juli 2018 wurde dabei mit dem vorangegangenen Jahresabschnitt verglichen. Nur jeder siebte Sechs- bis unter 15-Jährige profitiere acht Jahre nach deren Einführung von den Teilhabeleistungen. In Niedersachsen betrug die Teilhabequote 11,7 Prozent (nach 11,5 Prozent im Zeitraum 2016/2017). In Bremen lag die Quote bei 12,9 Prozent (12,1 Prozent).

Zuschuss für Klassenfahrten kommt an, der für Sportvereine nicht

Grundsätzlich werden über das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder aus armen Familien zum einen Bildungsleistungen finanziert. Darunter fallen Ausflüge, Klassenfahrten, Nachhilfe, Schulbedarf, Schulessen und Schülerfahrkarten. Zum anderen werden Teilhabeleistungen bezahlt, das sind Beiträge für Sportvereine oder Musikschulunterricht. Während die Bildungsleistungen verstärkt ausgezahlt werden, kommt das Sport- und Kulturangebot bei den Hartz-IV-Familien kaum an. Der Paritätische plädiert deshalb dafür, das Verfahren zu vereinfachen und statt Gutscheinen einfach pauschal 15 Euro im Monat auszuzahlen. Überhaupt müsse der Rechtsanspruch für die Kinder nicht über die Grundsicherung, sondern über die Kinder- und Jugendhilfe abgedeckt sein.

Große Differenzen bei den Zahlen

Für die Untersuchung wurden Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Zu sehen sind große regionale Unterschiede: In Schleswig-Holstein (46,6 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (28,4 Prozent) ist die Quote demnach am höchsten, in Rheinland-Pfalz (7,8) und im Saarland (6,7 Prozent) am niedrigsten. Auch zwischen den Kommunen im gleichen Bundesland gibt es starke Unterschiede. In Verden etwa beträgt die Teilhabequote 94,1 Prozent, in Wolfsburg 55,2, in der Region Hannover 3,8 und in Lüneburg 2,9 Prozent.

82 Prozent der Berechtigten im Raum Hannover nutzen Zuschüsse – aber selten für Musikschule

Die Region Hannover verweist auf diametral andere Zahlen. Nach ihren Berechnungen nutzen bei den Sechs- bis 15-Jährigen rund 82 Prozent der Berechtigten auch tatsächlich das Bildungs- und Teilhabepaket. Gegenüber dem Vorjahr sei die Quote im Schnitt um rund 6,5 Prozent gestiegen. Diese Angaben beziehen sich allerdings auf das Gesamtpaket und nicht nur auf die reinen Teilhabeleistungen für Sportverein und Musikschule. Diese haben nach dem jüngsten Bericht der Region im Jahr 2017 auch nur 0,75 Prozent der Gesamtleistungen ausgemacht (0,67 Prozent im Jahr 2016).

Lernförderung ist größter Posten in Region Hannover

Insgesamt stiegen die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in der Region von 2016 auf 2017 um 35 Prozent auf 22,44 Millionen Euro, den größten Posten (12,4 Millionen) macht die Lernförderung aus.

Der große Unterschied zwischen den ermittelten Teilhabequoten könne eventuell auch darin liegen, dass die Region ein anderes Abrechnungsverfahren mit den Sportvereinen habe und der Arbeitsagentur möglicherweise die geförderten Kinder gar nicht bekannt seien, hieß es beim Paritätischen in Berlin.

Von Michael Evers und Saskia Döhner