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Der Norden In Sankt Andreasberg kommen Besucher den Sternen nah
Nachrichten Der Norden In Sankt Andreasberg kommen Besucher den Sternen nah
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19:40 23.12.2018
Von der Sternwarte Sankt Andreasberg aus ist die Milchstraße häufig sehr gut zu sehen. Quelle: Frank Klauenberg
Sankt Andreasberg

Dieser Ort ist so dunkel, dass man die Sterne hervorragend sieht – jedenfalls in sehr vielen Nächten. So locken die Himmelsbilder, die von keiner Stadtbeleuchtung gestört werden, Sternenpilger aus nah und fern in den Oberharz. „Hier muss eine Sternwarte hin“, meinte vor Jahren ein begeisterter Harzbesucher aus Duisburg. Direkt am Nationalpark, drei Kilometer außerhalb des Städtchens Sankt Andreasberg, haben Amateurastronomen daraufhin tatsächlich ein Beobachtungszentrum für Himmelskörper geschaffen. „Hier heißt es: in die Ferne sehen statt Fernsehen“, sagt Reinhard Görke. Der frühere Elektroingenieur aus Clausthal gehört zu den sieben Engagierten, die sich 2008 zusammentaten, um dies über Eigenbau und in Eigenregie möglich zu machen.

Betonsockel für Teleskope

Rund ein Dutzend Interessierte sind an diesem Dezemberabend bei Neumond über schneematschglatte Harzkurven zur Sternwarte gekommen. Dunkel ist es zweifellos. Doch Regenwolken versperren die Sicht, der Wetterdienst lag mit seiner Vorhersage richtig. Die Besucher aus Ostwestfalen und der Region Hannover hat das nicht abgeschreckt. Sie können zwar diesmal die fünf Betonsockel mit Stromanschluss und Datenübertragung neben dem Gebäude nicht nutzen, auf die sonst Teleskope montiert werden. Doch von fünf Vereinsmitgliedern betreut, inklusive alkoholfreiem Punsch und selbst gebackenem Kuchen, lassen sich die jungen Leute drinnen anhand von Filmen und Projektionen Sonne, Mond und Sterne erklären. „Cool“, ist mehrfach als Reaktion aus den Vorführräumen zu hören.

Der Verein Sternwarte Sankt Andreasberg hat sich in den zehn Jahren seines Bestehens auf mehr als 120 Vereinsmitglieder erweitert. Viele sind berufstätig und stecken etliche Stunden ihrer Freizeit in das Projekt. Nicht nur der Ehrenamtlichen wegen ist diese Sternwarte, die sich recht unscheinbar hinter dem Bildungszentrum Haus Sonnenberg fast versteckt, etwas Besonderes. Sie ist auf 710 Meter Höhe nicht nur die höchstgelegene in Norddeutschland. Sie ist auch die erste barrierefreie Sternwarte in Deutschland. Und sie kostet keinen Eintritt; es reicht eine milde Gabe. Erst im August 2014 eröffnet, gehört sie schon jetzt zu den beliebtesten Ausflugszielen des Harzes. „Bei unserem Voting-Wettbewerb ,Ihre Besten im Harz´, der 2015 und 2017 durchgeführt worden ist, erlangte die Sternwarte beide Mal den ersten Platz in der Kategorie Natur pur", sagt eine Sprecherin des Tourismusverbandes.

Maßgeblich am Erfolg beteiligt ist Utz Schmidtko aus Burgwedel (Region Hannover); dem Förderschullehrer lag nicht zuletzt die weltweit erste audio-taktile Himmelsscheibe am Herzen, anhand derer nicht Sehende wechselnde Sternenkonstellationen – je nach eingestelltem Datum - ertasten und mithilfe von Blindenschrift einordnen können. Drückt man auf einen Punkt der in sich drehbaren Scheibe, nennt der Stern quasi selbst seinen Namen und das dazugehörige Sternbild. Die sprechende Scheibe verblüfft auch Besucher, die sehen können. „Wir wollen allen Menschen den Himmel nah bringen und astronomische Kenntnisse vermitteln“, sagt Schmidtko. Auch Blinde sind dem Verein beigetreten.

Stern von Bethlehem zeigt den Weg

In der Vorweihnachtszeit stößt der „Stern von Bethlehem“ bei den Besuchern auf besonders großes Interesse. Einige drängen sich unter einer Planetariumskuppel von nur 1,70 Metern Durchmesser und recken die Hälse Richtung Projektionsfläche. Vereinsmitglied Hendrik Millner, ein Maschinenbauingenieur, versetzt die Gruppe anschaulich auf den Ölberg. „Wir schreiben den 17. April im Jahr 6 vor Christus“, sagt der 40-Jährige. An dem Tag hätten sich die Planeten Jupiter, Saturn und Venus ausnahmsweise in einer Linie am Himmel bewegt, was damalige Astronomen als „Königsmacher“-Dreigestirn deuteten – so jedenfalls eine Theorie, nach der man Christi Geburtsjahr vordatieren müsste. Gleichzeitig sei wahrscheinlich am südsüdwestlichen Himmel ein Komet mit seinem charakteristischen Schweif aus Gas und Sternenstaub zu sehen gewiesen. „Der wies den Weisen den Weg nach Bethlehem“, erzählt Millner. Oder wie es im Matthäusevangelium heißt: „Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“

Draußen über der Sternwarte Sankt Andreasberg wäre an diesem Dezemberabend bei klarem Wetter unter anderem der Orionnebel am Himmel zu sehen gewesen. Vereinsmitglied Millner zeigt ihn nach dem Bethlehem-Exkurs ersatzweise auf der Projektionsfläche. „Der ist hier oft mit bloßem Auge zu erkennen“, erzählt der 40-Jährige, der auch passionierter Sternenfotograf ist. Gleiches gelte dank der Dunkelheit und der trübungsarmen Luft über dem Harz auch für die Milchstraße, die im Übrigen aus weit über 100 Milliarden Sternen bestehe. Vereinsmitgründer Reinhard Görke erzählt: „Viele unserer Besucher haben die Milchstraße vorher noch nie bewusst gesehen und kennen die Ringe des Saturn nur aus der Werbung.“

Astrotage im August

Dem 69-Jährigen lauschen die Besucher, darunter eine Gruppe junger Dachdecker, gebannt, als er von den unvorstellbaren Wegen zwischen Erde, Sonne und Sternen berichtet. Demnach beträgt die Entfernung bis zum Zentrum unseres Milchstraßensystems mehr als 27 000 Lichtjahre. Das Milchstraßensystem ist wiederum nur eine von Milliarden Galaxien. „Da können einem unsere Probleme hier richtig klein vorkommen“, meint Zuhörer René Koza aus Bennemühlen (Region Hannover). Zusammen mit seiner Partnerin Michelle Queren, einer Bäckereiverkäuferin aus Garbsen, will der 26 Jahre alte Elektroniker auf jeden Fall nochmal zur Sternwarte kommen und draußen durch ein Teleskop gucken – dann bei guter Sicht.

Geht es nach dem Verein, wird die Sternwarte in einigen Jahren über eine „richtige“, große Sternwartenkuppel verfügen und vorher schon über einen fest angestellten Betriebsleiter, der Öffnungszeiten auch während der Woche ermöglicht. Die Stunden, die die Ehrenamtlichen zurzeit in ihr Projekt stecken, sind kaum noch zu zählen. Wenn das Wetter mitspielt, gerät die Sternwarte auch mal an Kapazitätsgrenzen. Beim „Blutmond“ Ende Juli dieses Jahres seien mehr als 500 Besucher gekommen, erzählt Millner: „Der schiere Wahnsinn, die haben die Straße auf beiden Seiten zugeparkt.“ Der Verein habe deshalb nun Angebote für einen Shuttleservice zu besonderen Veranstaltungen eingeholt. Voll wird es auch bei den „Astrotagen“ jedes Jahr im August. Dann bauen Astronomie-Interessierte aus ganz Deutschland ihre Teleskope im Harz auf und tauschen sich über ihre Beobachtungen und Erkenntnisse aus. Zwar sind die Nächte im Sommer vergleichsweise kurz. Dafür müssen sich die Sternengucker dann aber nicht so warm anziehen.

Sternenpfad soll Harz vernetzen

Besucher sollen im Harz zusätzlich zur Sternwarte in den nächsten Jahren einen „Sternenpfad“ vorfinden. An sieben Standorten in der Region Sankt Andreasberg würden dann Installationen den Blick gen Himmel lenken, kündigen die Betreiber der Sternwarte an: „Der Sternenpfad verbindet Natur, Kultur, Wissenschaft und Bewegung.“ In der nächsten Phase sollen insgesamt etwa 20 barrierefreie Installationen über den gesamten Harz verteilt Interessierten astronomische Einblicke ermöglichen. Zentrum des „astronomischen Netzes“ ist die Sternwarte Sankt Andreasberg.

Ein Sternenpark ist ebenfalls in der Diskussion. Als solcher können Regionen zertifiziert werden, in denen die Sterne besonders hell leuchten – weil keine störenden Lichtquellen etwa aus Leuchtreklamen umliegender Städte oder von flutlichtbestrahlten Sportplätzen den Blick auf sie trüben. Ein Problem im Harz könnte aber die Beleuchtung der Skipisten sein. In Deutschland hat die International Dark Sky Association, die sich gegen Lichtverschmutzung einsetzt, bisher Gebiete im Havelland, in der Eifel und in der Rhön mit dem Prädikat ausgezeichnet. In Niedersachsen bemüht sich eine Initiative auch um einen Sternenpark Wendland.

In der Sternwarte Sankt Andreasberg finden an jedem ersten Freitag im Monat „Astroabende“ mit Vorträgen und Sternenbeobachtung statt, am folgenden Sonnabend Beobachtungsabende und flexible astronomische Vortragsangebote. Gruppen können gesonderte Termine vereinbaren. Weitere Informationen und Anmeldungen im Internet unter www.sternwarte-sankt-andreasberg.de.

Von Gabriele Schulte

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