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Der Norden Anrainer kämpfen gegen geplante Deponie im Ith
Nachrichten Der Norden Anrainer kämpfen gegen geplante Deponie im Ith
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15:29 12.07.2019
Der Steinbruch Bisperode, von einem Ballon aus fotografiert. Quelle: Ballonteam Rodewald/Coppenbrügge (Archiv)
Bisperode

Werner Anders ist Naturfreund, und der nördliche Ith, wo er lebt, begeistert ihn sehr. „Wenn die weißen Anemonen und der Lerchensporn blühen, ist das geradezu unwirklich schön“, sagt er, „wie in Herr der Ringe.“ Seit Kurzem ist der Sozialarbeiter Sprecher einer Bürgerinitiative, die sich um die Schönheit dieser ursprünglichen Landschaft sorgt. Denn in einem Steinbruch nah dem Naturschutzgebiet bei Coppenbrügge (Kreis Hameln-Pyrmont) will der Betreiber im großen Stil über die kommenden Jahrzehnte Schutt und Abfälle abkippen.

Die Kommunen auf beiden Seiten protestieren, die neue Initiative „Depo-NIE! Ith“ hat großen Zulauf von Engagierten sogar aus Hannover. Eine Onlinepetition gegen die Pläne hat bereits die Zahl von 5000 Unterstützern deutlich überschritten, die nötig sind, damit sich der Landtag mit den Plänen befasst.„Der Betreiber hat hier eine Industriemüllkippe geplant“, sagt Sprecher Anders. Es gehe um 3,5 Millionen Kubikmeter, die innerhalb von 30 Jahren auf eine Fläche von 21 Hektar Landschaft gefüllt werden sollen.

Deponie für nicht verwertbare Abfälle

Im Steinbruch Bisperode wurde seit 1937 Kalkstein abgebaut. Die Hannoverschen Basaltwerke haben den Betrieb Anfang der 1960er Jahre übernommen. „Der Stein hat sehr gute Qualität“, sagt Geschäftsführer Stefan Entrup. Wegen der Naturschutzgebiete ringsum sei der Abbau nun an Grenzen gestoßen. Das Unternehmen hat den Antrag gestellt, die Grube als sogenannte D-1-Deponie für nicht verwertbaren, schwach belasteten Abfall zu nutzen. „Solche Deponien werden bundesweit gebraucht, und Bisperode ist ein geeigneter Standort“, meint der Geschäftsführer.

Ausgerechnet im Ith? Die felsige Region mit ihren Kalkbuchenwäldern ist bei Wanderern und Kletterern sehr beliebt. Der Landkreis und die Gemeinden Salzhemmendorf und Coppenbrügge machen deutlich, dass sie von Lastwagen, die einer nach dem anderen Müll zur geplanten Deponie bringen, nichts halten. Der Schwerverkehr in den Orten sei jetzt schon eine enorme Belastung auch für die Bewohner. Sie sorgen sich zudem um die Qualität des Grundwassers. In der Nähe gebe es außerdem in Betheln (Kreis Hildesheim) eine große Deponie, die zusätzlich Schutt aus dem Kreis Hameln-Pyrmont aufnehmen könne.

„Kletterer könnten Steinbruch nutzen“

Die Gemeinden haben klare Stellungnahmen gegen den schon 2014 beim Gewerbeaufsichtsamt Hannover gestellten, aber zunächst jahrelang ruhenden Antrag der Basaltwerke verfasst. „Wir haben große Bedenken“, sagt Coppenbrügges Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka. „Es würde nicht zuletzt eine Chance für den Tourismus vertan.“ Besonders die extrem steile, an die 100 Meter hohe Abbruchwand im Steinbruch könnte seiner Ansicht nach mit einigem Aufwand für Kletterer zugänglich gemacht werden. Direkt oberhalb auf dem Kamm verläuft der Ith-Hils-Wanderweg.

Die Bürgerinitiative „Depo-NIE! Ith“ wurde Anfang Juli in Lauenstein gegründet. Quelle: Werner Anders

Kommt die Deponie, wird im Steinbruch Ton aufgetragen und Kunststofffolie als Untergrund für den Müll ausgelegt. Die Kritiker fürchten, neben mit Schwermetallen belasteten Schlacken aus der Industrie könnte der Schutt des nahen Atomkraftwerks Grohnde in dem Steinbruch landen – das Kraftwerk soll Ende 2021 abgeschaltet und danach abgebaut werden. Basaltwerke-Geschäftsführer Entrup versichert: „Das ist kein Thema bei uns.“ Doch die Menschen am Ith zeigen sich skeptisch. Schon jetzt lägen entgegen aller Zusicherungen Elektroschrott, Fenster und anderer Müll im Steinbruch, was nicht genehmigt sei. Und das Unternehmen habe sie in der Vergangenheit oft genug verschaukelt, unter anderem mit falschen Versprechen zur Renaturierung.

„Rettet den Ith“

Manche erinnern sich noch an einen Versuch des Betreibers vor rund vierzig Jahren, der um sich die Arbeit zu erleichtern, einfach einen Durchbruch durch den Ith-Höhenzug machen wollte. An dem Protest dagegen haben manche, die jetzt in der Bürgerinitiative aktiv sind, selbst teilgenommen – und wieder tragen sie Schilder „Rettet den Ith“. Der hannoversche Buchhändler Otto Stender gehörte damals dazu. „Man sorgte sich schon um den Natur- und Klimaschutz“, sagt er. Der Durchbruch hätte in dem Mittelgebirge unter anderem die Windverhältnisse verändert. Nun hoffe er sehr, sagt der 82-Jährige, dass die aktuellen Proteste gegen die Mülldeponie genauso erfolgreich sind.

Bi-Mitglieder demonstrieren vor einer Gemeinderatssitzung in Coppenbrügge. Quelle: Britta Kellermann

Stender war auch dabei, als 1981 auf dem Niedersachsentag in Hameln Ernst Albrecht 15.000 Unterschriften gegen den Gesteinsabbau im Ith überreicht wurden. Der Ministerpräsident sagte anschließend spontan in seiner Rede: „Kein Quadratmeter Staatsforstgebiet wird für den Gesteinsabbau im Ith freigegeben.“ Er hatte zuvor auf dem Weg zu den Protesten gegen das Atomkraftwerk Grohnde mehrfach den Steinbruch im Hubschrauber überflogen. Ein großer Bereich des Ith wurde dann auf Albrechts Betreiben unter Naturschutz gestellt.

Uhu und seltene Kröten im Steinbruch

Auch im Steinbruch Bisperode, den eine Forstgenossenschaft den Basaltwerken verpachtet, hat die Natur Nischen gefunden. An einer Felswand brütet seit vielen Jahren ein Uhu; sein Nistplatz soll laut Betreiber bei der Deponie ausgespart werden. Der Naturschutzbund Nabu hat auf dem Gelände zudem ein bedeutendes Vorkommen der seltenen Geburtshelferkröte nachgewiesen. Die Amphibien wurden vom Unternehmen allerdings kurzerhand in zwei Teiche außerhalb umgesiedelt – „in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde“, wie Entrup betont. Kritiker sagen, Behörden, nicht zuletzt das Gewerbeaufsichtsamt, hätten mehrfach versagt.

Wegen der Trinkwasserbrunnen in der Umgebung müsste sich nach Entrups Ansicht auch niemand Sorgen machen. Es werde trotz Deponie genauso viel sauberes Wasser geben wie jetzt. Sickerwasser aus der Deponie werde regelmäßig kontrolliert, wie vorgeschrieben und bereits in der bestehenden Deponie bei Helmstedt praktiziert: „Das hat Trinkwasserqualität.“ Und die von Anrainern gefürchteten Schwermetalle fänden sich in der Natur „in jedem Stein“.

Auch das Umweltministerium in Hannover beschäftigt sich mit dem geplanten Deponiegelände im Ith. „Im Rahmen eines Rechtsgutachtens ist untersucht worden, dass das Gebiet nicht aus dem Landschaftsschutzgebiet ,ausgelöst´werden muss“, sagt eine Sprecherin von Umweltminister Olaf Lies (SPD). Das bedeute, dass das Gewerbeaufsichtsamt grundsätzlich eine Deponiegenehmigung an dem Standort erteilen könnte. Die Einwendungsfrist endet am 4. August. Die Gegner wollen darüber hinaus einen langen Atem beweisen.

Das sind die Hannoverschen Basaltwerke

Die Hannoverschen Basaltwerke mit Sitz am Schiffgraben in der hannoverschen Innenstadt sind Teil der Unternehmensgruppe Wegener, einem inhabergeführten Familienunternehmen für Baustoffe und Bauleistungen. Der Steinsetzer Hermann Wegener gründete den Betrieb im Januar 1897 in Bremen als Straßenbauunternehmen. Zur Unternehmensgruppe gehören mittlerweile unter anderem ein Entsorgungsfachbetrieb sowie ein Unternehmen, das sich auf die Aufbereitung und Veredelung sowie Weiterverarbeitung von Natursteinen spezialisiert hat. In einem ehemaligen Steinbruch bei Helmstedt, 500 Meter hinter der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, betreibt die Gruppe seit 2011 eine sogenannte D-1-Deponie für laut Verordnung „nicht gefährliche Abfälle“, dazu gehören verbrannter oder gerotteter Haus- und Gewerbemüll und Industrieabfälle. Eine solche Deponie ist nun auch im Ith geplant.

In der Hermann Wegener GmbH, zu der die Hannoverschen Basaltwerke gehören, sind die Gewinnung und Aufbereitung von mineralischen Rohstoffen und ihre Veredelung etwa zu Asphalt oder Beton angesiedelt. Mit Steinbrüchen, Kieswerken und Asphaltmischwerken ist sie in Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und im Großraum Berlin vertreten. Außer Basalt werden Kalkstein, Sand und Kies abgebaut. Im Steinbruch Bisperode zwischen Coppenbrügge und Salzhemmendorf (Kreis Hameln-Pyrmont) wurde bis vor einem Jahr Kalkstein gefördert. Ein hinterer Teil fungierte bereits als Deponie für nicht weiter verwertbares Steinmaterial. Seit Oktober 2018 wird nach Angaben des Unternehmens in Bisperode „vorübergehend“ kein Bodenmaterial mehr angenommen.

Von Gabriele Schulte

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