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Der Norden Sie nennen ihn „Kerze“ – wie ein Weihnachtsmarkthändler über die Runden kommt
Nachrichten Der Norden Sie nennen ihn „Kerze“ – wie ein Weihnachtsmarkthändler über die Runden kommt
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13:57 19.12.2019
Drachen, Eulen und Wölfe im Sortiment: Eberhard Schlabach verkauft seit 40 Jahren selbst gefertigte Kerzen. Quelle: Carolin George
Lüneburg

Dieses Jahr sind es die Schindeln auf dem Dach. Einige Tausend Euro hat die Investition in seinen Stand gekostet. Doch wer wie Eberhard Schlabach mit seiner Ware auf dem bekannten Weihnachtsmarkt vor dem Lüneburger Rathaus präsent sein will, muss sich jedes Jahr neu ins Zeug legen, um mit seiner Bewerbung einen der begehrten Plätze zu ergattern. Selbst, wenn er bereits seit Jahrzehnten im Geschäft ist.

„Ich habe Glück“, sagt „Kerze“, wie seine Freunde Eberhard Schlabach nennen. „Ich kriege meinen Stand bisher jedes Jahr wieder.“ Der 64-Jährige zählt zu den Dinosauriern im Kunsthandwerkergewerbe Norddeutschlands. Seit 40 Jahren verkauft er seine handgemachten Kerzen auf niedersächsischen Weihnachtsmärkten, früher zählten ein Dutzend Stände zu seinem Betrieb. Seit einigen Jahren schafft er nur noch zwei: einen in Lüneburg und einen in Goslar.

Das Rathaus entscheidet über die Standvergabe

„Es kommen Mütter mit ihren Kindern zu mir, die schon als kleine Mädchen mit ihren Eltern in meiner Werkstatt gewesen sind“, erzählt der gelernte Kunstschmied. Trotzdem: Wie jeder andere auch muss Schlabach jedes Jahr bis zum 28. Februar seine Bewerbung im Lüneburger Rathaus eingereicht haben. Zwei Mitarbeiter prüfen die Interessenten unabhängig voneinander, und wer die meisten Punkte gemäß den Vergaberichtlinien der Weihnachtsmarktsatzung bekommt, gewinnt. Seit Einführung eines Punktekataloges im Jahr 2010 werden die Richtlinien immer weiter konkretisiert, man könnte auch sagen: strenger ausgelegt.

Kerzen in Tierform sind bei besonders bei Kindern beliebt. Quelle: Carolin George

In fünf Wochen das Geld fürs ganze Jahr

Die Betreiber passen sich an. Auch „Kerze“. Denn einmal nicht das Los zu ziehen, wäre für den Kleinunternehmer ein Desaster. Die vier bis fünf Wochen ab Ende November sind schließlich die einzigen Wochen im Jahr, in denen er Geld verdient. „Im Sommer kann ich meine Kerzen nicht verkaufen“, sagt der 64-Jährige. „Da ist es einfach zu warm.“ Und etwas anderes als Kerzen verkauft „Kerze“ eben nicht.

Sein Geschäft funktioniert so: Im April muss Schlabach entscheiden, was er bei den Großhändlern einkauft, um es im Dezember zu verkaufen. Denn ausschließlich mit selbst gemachten Kerzen lässt sich nach seinen Angaben nicht wirtschaften bei Lohnkosten von 11 Euro pro Stunde für die Verkäufer, einigen Tausend Euro für Auf- und Abbau sowie Standgebühren, ein paar Hundert Euro für Strom und den Tausender an den Schaustellerverband.

Den Sommer verbringt „Kerze“ unter der Woche in seiner Werkstatt und am Wochenende bei seinem Segelverein auf Fehmarn, und Ende Oktober müssen alle Kerzen, alle bestellten Leuchtgläser und Porzellan-Windlichter gepackt sein. Ende November beginnt der Aufbau, der Dezember besteht dann aus 15-Stunden-Tagen. In der Zeit sitzt Schlabach auf einem Kredit für die Händlerware in Höhe von mehreren 10.000 Euro. Den zahlt er im Januar zurück.

Der Weihnachtsmarkt in Lüneburg. Quelle: Philipp Schulze/dpa

„Leben in Niedersachsen kann ich mir nicht leisten“

Der Januar geht für Papierkram drauf, die Gewinn- und Verlustrechnung, die Lohnbuchhaltung. „Im Januar sehe ich, wie viel Geld ich habe. Das muss ich mir dann eisern für das Jahr aufteilen“, sagt Schlabach. „Ich arbeite das ganze Jahr für diese vier Wochen.“ Sein Konzept, gibt er zu, geht nur deshalb auf, weil er auf einem günstig erworbenen Resthof in Salzwedel, Sachsen-Anhalt, lebt und genug Fläche für Werkstatt und Lager hat. „In Niedersachsen zu leben, könnte ich mir nicht leisten.“

Strenge Regeln in Lüneburg

Die Weihnachtsmarktsatzung in Lüneburg macht klare Vorgaben: Wer Lauf- oder Blinklichter an seinem Stand haben möchte, braucht sich gar nicht erst zu bewerben. Eiszapfen, Winterzweige oder Schneeflocken aus Kunststoff, Schaumstoff oder Fließ sind ebenfalls verboten. Werbung für Rabattaktionen: verboten. Schriftzüge auf Planen oder Anbauschürzen: verboten. Fahnen oder Banner: verboten. Bunte Beleuchtungen sind allein den Kinderfahrgeschäften erlaubt.

Pluspunkte dagegen bringt die Dekoration mit mindestens drei verschiedenen Weihnachtsschmuckelementen wie etwa Kugeln, Tannenzapfen, Schleifen und Sterne, aber bitte nur in den Farben Gold, Silber und maximal einer dritten Farbe. Besonders gern sieht es die Stadtverwaltung, wenn die Preisschilder im selben Braunton wie die Außenfassade gehalten sind.

Seine Angestellten sind gegen Arbeitsunfälle versichert, er selbst nicht. „Ist mir zu teuer.“ Ihm gehört noch eine Wiese, aus der er Pachteinnahmen erzielt, und was er übers Jahr durchschnittlich im Monat zur Verfügung hat, rechnet „Kerze“ eigentlich nie aus. Um die 2.000 Euro, schätzt er, dürften das sein.

Angst hat „Kerze“, Alt-Hippie und Freiheitsliebhaber, nach 40 Jahren Weihnachtsmarktgeschäft und nur vier Wochen geregeltem Alltag im Jahr, aber nur vor einem: dass ein Betreiber einen Stand ergattert, der ganz ähnliche Produkte anbietet wie er. Ansonsten ist er froh, wenn die Organisation der Weihnachtsmärkte in den Händen der Städte liegt: „Die sind nicht gewinnorientiert.“

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Von Carolin George

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