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Der Norden Darum sollten noch mehr Pendler aufs Rad umsatteln
Nachrichten Der Norden Darum sollten noch mehr Pendler aufs Rad umsatteln
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08:25 21.08.2019
Erledigt viele Strecken mit dem Fahrrad: Pastor Matthias Neumann von der Friedenskirche wirbt für die Aktion Stadtradeln, damit noch mehr Gifhorner beim Pendeln umsatteln. Quelle: Cagla Canidar
Gifhorn

Immer mehr Städte machen beim Stadtradeln mit. Die Aktion soll Pendler motivieren, aufs Fahrrad umzusteigen – mindestens für die drei Wochen, am besten noch darüber hinaus. Matthias Neumann aus Gifhorn muss erst gar nicht umsatteln.

Neumann fährt fast jeden Sonntag zum Gottesdienst mit dem Fahrrad. Nein, verteufeln will der Pastor der Friedenskirche am Brandweg das Auto nicht. Er hat ja selbst eines. Das nutze er aber nur, wenn es nicht anders gehe.

Geboren und groß geworden ist der 48-Jährige in Kempten im Allgäu. „Ich bin ohne Auto aufgewachsen.“ So etwas hatten seine Eltern nicht. Während seiner Studienzeit in Hamburg und Berlin hat er auch alles mit dem Fahrrad erledigt. Was sich in den beiden Großstädten bewährt habe. Das erste eigene Auto hatte er erst ab Ende 20.

Während seiner Zeit in Holzminden von 2003 bis 2016 schaffte er sich sein erstes Mountainbike an. Die Touren führten ihn bald nicht nur durch das Weserbergland. Es wurde noch mehr draus für den Mann, der zu seinen Hobbys vor allem sportliche Aktivitäten wie Bergwandern und Volleyball zählt. Radtouren stehen für ihn dabei an erster Stelle. „Unter Gottes freiem Himmel.“

So geht Stadtradeln

Das Stadtradeln 2019 findet bundesweit vom 24. August bis 13. September statt. Die Teilnehmer sollen möglichst viele Kilometer – egal ob beruflich oder privat – erradeln. Sie können dabei Preise gewinnen.

Interessierte können sich unter www.stadtradeln.de registrieren. Sie bilden entweder ein Team aus mindestens zwei Leuten oder treten einem Team bei – in Gifhorn zum Beispiel dem Offenen Team Gifhorn. Per GPS können Route und Kilometer erfasst werden, Teilnehmer können – auf Ehrlichkeit und Vertrauen – ihre Kilometer auch selbst auf der Homepage eintragen.

Auch ohne App oder Internet ist eine Teilnahme möglich, die Stadt bietet ein Faltblatt an, in dem für jeden der 21 Tage die Anzahl der Kilometer eingetragen wird. Das Faltblatt kann im Fachbereich Stadtplanung abgegeben werden.

Weitere Infos gibt es unter www.stadtradeln.de.

Neumann macht im Jahr etwa 2500 Kilometer. Der Vergleich zum zu Fuß Gehen? „Man ist mit dem Fahrrad viel beweglicher.“ Und zum Auto? „Man sieht viel mehr. Mit dem Auto rauscht man nur vorbei.“ Was fasziniert den gebürtigen Allgäuer so sehr am Fahrradfahren? „Vor allem die Freiheit. Den Körper zu spüren.“

Da kommt es ihm sehr gelegen, dass seine Gemeinde eine Männer-Fahrradgruppe hat – nicht von ihm ins Leben gerufen, die existiere schon seit 25 Jahren. Jedes Jahr gibt es eine große Tour, voriges Jahr zum Beispiel ins sächsische Muldetal. Zum Abschluss des Stadtradelns in Gifhorn, an dem Neumann auch teilnehmen wird, hält er einen Open-Air-Gedenkgottesdienst am Brandweg. Ähnlich wie bei Motorrad-Gottesdiensten will er dabei an im Straßenverkehr verunglückte Radfahrer erinnern.

Rauf aufs Rad und los: Mit der Aktion Stadtradeln wollen Wolfsburg und Gifhorn die Verkehrswende in Fahrt bringen. Quelle: dpa

Auch seine Töchter (9 und 16) und sein Sohn (11) wachsen mit dem Fahrrad auf, radeln zur Schule. Bei ihnen hat es also schon geklappt. Neumann hofft, dass unter anderem durch die dreiwöchige Aktion Stadtradeln noch mehr Menschen dauerhaft aufs Fahrrad umsteigen. „Ich gönne den Menschen die Freude daran.“ Damit der Umstieg gelingt, müssen seiner Ansicht nach alle Seiten in die Pedale treten. Auch die Stadt als Institution selbst. „Gifhorn hat ein Potenzial wie Münster.“ Doch das werde noch lange nicht ausgeschöpft, zum Beispiel was die Infrastruktur angehe. „Bei den Radwegen müsste man noch etwas Gas geben.“

Stadtradeln in Gifhorn, Wolfsburg und Peine

In die Pedale treten für die Verkehrswende: In der Region sind Wolfsburg und Gifhorn beim Stadtradeln dabei. Das Ziel: Mehr Pendler sollen vom Auto auf das Fahrrad umsteigen, um die Straßen und die Luft zu entlasten.

Die Stadt des Autobauers VW ist schon ein alter Hase, was das dreiwöchige Stadtradeln angeht. Sie beteiligt sich zum achten Mal. „Ziel des Stadtradelns ist die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen, indem Wege, die sonst mit dem Auto zurückgelegt würden, mit dem Fahrrad geradelt werden“, sagt Pressesprecher Ralf Schmidt. „Als Pendlerstadt und Arbeitsplatzstandort hat Wolfsburg ein besonderes Interesse daran, insbesondere den täglichen Weg zur Arbeit zunehmend für Radfahrende attraktiv zu machen.“ Die VW-Stadt brauche die Verkehrswende, um Herausforderungen durch steigende Einwohnerzahlen und wachsende Mobilität zu meistern.

Die Teilnahme an den Aktionen schwanke von Jahr zu Jahr, so Schmidt. Im vorigen Jahr schafften die Teilnehmer 227 111 Kilometer. In den vergangenen fünf Jahren habe Wolfsburg mit 1,12 Millionen Stadtradeln-Kilometern 161 Tonnen Kohlendioxid vermieden. Davon ist Gifhorn noch weit weg. Doch immerhin gab es bei den ersten drei Teilnahmen eine kontinuierliche Steigerung, so Bürgermeister Matthias Nerlich. 2016 erradelten 269 Teilnehmer mehr als 50 000 Kilometer, 2017 schafften 283 Radler 67 000 Kilometer und im vergangenen Jahr 424 Radler fast 85 000 Kilometer. Ziel der Gifhorner für 2019: „Die Zahl von 500 Teilnehmern überbieten.“

Die Stadt Peine ist bislang nicht dabei. Doch das könnte sich mit der Nachfrage von PAZ und AZ/WAZ ändern, räumt Sprecherin Petra Neumann ein. „Ihre Anfrage nehmen wir allerdings gerne als Anregung wahr, die Teilnahme für Folgejahre zu prüfen.“ Dabei sind auch für die Peiner Initiativen rund ums Fahrrad nichts Unbekanntes. „So hat der Personalrat der Stadt Peine die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Peine in den vergangenen Jahren dazu aufgerufen, an der Gemeinschaftsaktion zwischen dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club und der AOK Initiative ,Mit dem Rad zur Arbeit’ teilzunehmen.“

Von Dirk Reitmeister

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