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Der Norden Spielsüchtiger Schulleiter begleicht Schulden vom Schulkonto
Nachrichten Der Norden Spielsüchtiger Schulleiter begleicht Schulden vom Schulkonto
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18:13 29.10.2019
Ein wegen Betrugs und Untreue angeklagter ehemaliger Schulleiter (l), und sein Anwalt Andreas Zott stehen vor Prozessbeginn im Gerichtssaal. Der ehemaliger Schulleiter soll sich zwischen 2013 und 2016 durch Zugriff auf Konten der Schule bereichert haben. Quelle: Sina Schuldt/dpa
Braunschweig

Unter der Last von rund 300 000 Euro Spielschulden hat ein Schulleiter aus Salzgitter auch Konten seiner eigenen Schule geplündert. „An manchen Tagen habe ich bis zu 20 000 Euro verloren“, sagte der 53-Jährige am Dienstag im Braunschweiger Landgericht. Der Ex-Rektor einer Hauptschule muss sich wegen Betrugs und Untreue in 326 Fällen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Pädagogen vor, mehr als 170 000 Euro unter anderem auf das Konto seiner Frau umgeleitet zu haben. Abrechnungen von Reisekosten und Leistungen des Jobcenters sollen ebenfalls unsauber gelaufen sein.

In dem Prozess geht um Hunderte Fälle von Veruntreuung

Die Liste der Taten schien vor Gericht endlos. Monoton trug Staatsanwältin Sonja Walther jeden Fall einzeln vor, am Ende dauerte die Verlesung der Anklageschrift fast ein Stunde.

Der Verteidiger trat danach trat die Flucht nach vorne an und kündigte ein umfassendes Geständnis seines Mandanten an. Auch der Ehefrau wird Beihilfe zur Untreue in 254 Fällen zur Last gelegt - sie will von der Spielsucht ihres Mannes aber nichts gewusst haben.

Die genaue Schadenssumme lässt sich nicht beziffern, einen Teil des Geldes soll der Ex-Schulleiter auch bereits zurücküberwiesen haben. Nachdem das Ausmaß der Taten vor Gericht annähernd geklärt war, gab der Angeklagte einen Blick auf sein jahrelanges Doppelleben - sowohl in der Schule als auch zu Hause bei Frau und Tochter.

Tagsüber Rektor und Familienvater – nachts gnadenloser Zocker

Das Unglück begann seiner Erinnerung nach 2009 - damals fand er bei der Rückkehr aus dem Urlaub einen Gutschein zum Online-Spielen im Briefkasten. „Ich habe direkt 1000 Euro gewonnen“, erinnerte sich der Angeklagte. Was folgte, war eine Abwärtsspirale in die Spielsucht.

Wenn seine Frau schlief oder einkaufte, zockte der Lehrer teilweise die komplette Nacht hindurch - bis er wieder zur Schule musste. „Zum Schluss hatte ich neun Kreditkarten und unser Haus mit 130 000 Euro belastet“, bilanzierte der 53-Jährige. Auf die Frage des Richters, ob es denn beim Online-Spielen kein Limit gebe, antwortet der Angeklagte mit einem klaren Nein.

Überall hatte er die Hand drauf – und flog so nicht auf

Zu Hause flog der Mann seinem eigenen Bericht zufolge nicht auf, weil er für das Geld zuständig war. Konten, Buchführung, Steuererklärung - alles lag in seiner Hand. Dass er irgendwann auch Geld von Schulkonten abzweigen konnte, lag nach seiner Schilderung an fehlender Kontrolle. Ein vorgeschriebenes Vier-Augen-Prinzip umging er einfach. 2016 kam dann doch alles heraus - seitdem ist der Lehrer suspendiert.

Der Prozess am Landgericht Braunschweig wird mit Zeugenbefragungen fortgesetzt - ob das Geständnis das Verfahren beschleunigt, blieb zunächst unklar. Eine zweijährige Therapie wegen seiner Spielsucht hat der Angeklagte bereits abgeschlossen.

Von RND/dpa

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