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Der Norden Gewalt unter Neuntklässlern nimmt zu
Nachrichten Der Norden Gewalt unter Neuntklässlern nimmt zu
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00:23 05.04.2019
Die Zahl der Neuntklässler, die Waffen tragen, nimmt zu. Quelle: dpa
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Hannover

Prügel, Mobbing, Waffeneinsatz – die Gewalt an niedersächsischen Schulen nimmt zu. Zu diesem Ergebnis kommt das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) in seiner neuen Studie „Jugendliche in Niedersachsen“. Es handelt sich um das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von fast 9000 Neuntklässlern im Jahr 2017, wie sie das Institut seit 2013 im Zwei-Jahres-Abstand anonym an allen Schultypen durchführt.

„Besonders auffällig ist diesmal die Trendumkehr bei der Jugenddelinquenz“, sagte Autorin Marie Bergmann in Hannover am Dienstag der HAZ. Insbesondere die Gewaltdelikte seien erstmals wieder gestiegen. Dazu zählten unter anderem Raub, Erpressung und insbesondere Körperverletzung, meist verübt von Jungen. Fast jeder fünfte Neuntklässler gab an, mindestens einmal Gewalt ausgeübt zu haben, ein Anstieg um rund drei Prozentpunkte.

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Gestiegen ist demnach auch die Bereitschaft der etwa 15-Jährigen, Waffen mit sich zu führen. „Das gilt sowohl für die Schule wie für die Freizeit“, erläuterte Bergmann. Dazu gehörten vor allem Pfefferspray, Tränengas sowie Messer. 7,3 Prozent der Befragten gaben an, ein Messer in der Schultasche mit sich zu führen. 20,8 Prozent tragen in der Freizeit eines bei sich. In beiden Bereichen ist seit 2013 ein kontinuierlicher Anstieg festzustellen. Zwar würden die Messer selten eingesetzt, sie dienten dem gestiegenen Bedürfnis, sich gegen potenzielle Gewalttäter zu wappnen.

Mehr Schulschwänzer

Als problematisch werten die Autoren die gleichzeitige deutliche Zunahme beim Schuleschwänzen. Waren es 2015 knapp über ein Fünftel (21,5 Prozent) der Befragten, die mindestens einmal geschwänzt haben, sind es nun knapp ein Viertel (24,8 Prozent). „Signifikant ist der Anstieg sowohl bei Mädchen wie bei Jungen, bei Schülern mit und ohne Migrationshintergrund und an mittleren wie hohen Schulformen“, heißt es. Für eine mögliche Ursache hält Bergmann, dass sich der Fokus der Präventionsarbeit in den Schulen mehr Richtung Umgang mit dem Internet verschoben habe und Themen wie das Fernbleiben von der Schule nun kürzer kämen.

Die Prävention gegen Cyber-Mobbing sei allerdings wichtig, denn in diesem Bereich werden immer mehr Schüler zu Opfern. „Hintergrund dürfte im Wesentlichen sein, dass die Jugendlichen mittlerweile noch mehr Zeit im Internet verbringen“, sagt Bergmann. Dort würden sie viel Persönliches preisgeben, das dann gegen sie verwendet werde.

Hatten 2015 noch 40 Prozent der Neuntklässler berichtet, Opfer von Anfeindungen im Internet geworden zu sein, war es nun mit 49,5 Prozent fast jeder zweite. Abgenommen haben Fälle selbst verletzenden Verhaltens und Suizidversuche. Rückläufig sind linksextreme Einstellungen, während das Vertrauen der Jugendlichen in die Polizei gestiegen ist.

Von Gabriele Schulte

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