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Der Norden Warum ist der Rodewalder Problemwolf noch nicht abgeschossen worden, Herr Lies?
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09:51 01.05.2019
Olaf Lies äußert sich in einem Interview zur schwierigen Suche nach einem Problemwolf. Quelle: dpa/Julian Stratenschulte/Holger Hollemann/RND-Montage
Hannover

Bereits seit Monaten wird ein Problemwolf im Landkreis Nienburg mit Hochdruck gesucht. Am Dienstag verlängerte das niedersächsische Umweltministerium die Abschussgenehmigung für den Rüden um einen weiteren Monat. Minister Olaf Lies (SPD) hält zukünftig sogar Abschussgenehmigungen für ganze Wolfsrudel für denkbar.

Weiterlesen: Wolfsexperte: „Einfach drauflosschießen funktioniert nicht“

Naturschützer fordern stattdessen mehr wolfssichere Zäune, anstatt den Leitwolf zu töten. Sie sorgen sich zudem um die Welpen des Rüden mit der Kennung GW717m. Lies sieht dagegen keine Alternativen zum Abschuss. „Es geht am Ende um den Schutz des ganzen Rudels“, betonte der SPD-Politiker im Interview.

Zur Person: Olaf Lies

Olaf Lies (51) ist seit November 2017 niedersächsischer Umweltminister. Gemeinsam mit Brandenburg und Sachsen hat er eine Bundesratsinitiative zum Umgang mit dem Wolf gestartet. Unter anderem soll das Töten von Problemtieren erleichtert werden.

Frage: Warum ist der Problemwolf noch nicht abgeschossen worden?

Olaf Lies: Wir haben es mit einem bis zu 600 Quadratkilometer großen Streifgebiet zu tun. Das ist das größte Problem. Um zu sehen, wo der Wolf aktuell ist, muss man die Spuren lesen. Dafür ist es mal zu nass und mal zu trocken. Dazu kommen noch diejenigen, die als Störer vor Ort sind. Das Gebiet besteht aus über 170 Jagdrevieren. Wir sind quasi allein unterwegs, um den Wolf zu lokalisieren. Es wäre einfacher, wenn wir Partner hätten, die in jedem Revier parallel mitbeobachten würden.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung von den Jägern vor Ort?

Wir merken jetzt, wie schwierig die Umsetzung ist, weil wir fast niemanden finden, der sagt: Wir unterstützen euch. Alle haben die Sorge, sich in irgendeiner Form öffentlichen Beleidigungen oder sonstigen Dingen ausgesetzt sehen. Das ist ein erschreckendes Bild. Wir brauchen eine Grundlage dafür, dass uns die Revierinhaber, die Jagdpächter, die Jäger vor Ort als Partner zur Verfügung stehen. Deshalb werden wir nicht drum herumkommen zu prüfen, inwieweit wir rechtliche Möglichkeiten haben, die Jäger in diese Rolle zu versetzen.

„Wolf bleibt streng geschützte Art“

Heißt das, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen? Beim letzten behördlich genehmigten Abschusses eines Problemwolfes in Niedersachsen 2016 unterstützte Sie die Polizei.

Beim Jagdrecht denkt jeder ans Jagen, der Begriff hat bezogen auf eine geschützte Tierart einen negativen Touch. Ich möchte den Wolf nicht bejagen. Ich möchte, dass wir rechtssicher in der Lage sind, einzelne problematische Wölfe zu töten - dort wo es notwendig und auf rechtsstaatlicher Basis entschieden worden ist.

Muss der Abschuss von Problemwölfen leichter werden?

Der Wolf ist und bleibt auf lange Zeit eine streng geschützte Art. Wir werden immer mit der Ausnahme arbeiten müssen. Es wird eine spannende Frage sein, ob sich eine Einzelfallentscheidung immer auf ein einzelnes Tier beschränken muss. Ein spezifisches Tier zu identifizieren ist oft kaum möglich. Ich könnte mir vorstellen zu sagen: In dieser Region gibt es Risse, für die ein Rudel verantwortlich ist. Es geht nicht darum, das ganze Rudel auf einmal zu entnehmen, sondern einzelne Tiere, um danach zu sehen, ob sich die Situation damit verbessert. Das wird aber immer eine Entscheidung sein, die die zuständige Behörde trifft, nicht der Jäger vor Ort.

Problemwolf: „Welpen nicht gefährdet“

Hat denn der Rodewalder Leitwolf in letzter Zeit überhaupt wieder zugeschlagen? Nach meinem Eindruck ist es ruhiger geworden.

Wir haben aktuell zwei Rissvorfälle, bei denen wir nicht zuordnen können, welches Tier es war. Wir sind jetzt in einer Phase, wo relativ viel Wild da ist, damit gibt es weniger Nutztierrisse. Das ist in jedem Jahr ähnlich.

Wie viel kostet es, dem Rodewalder Wolf hinterher zu jagen?

Wenn es erledigt ist, werden wir sagen, wie viele Kosten entstanden sind. Wir dokumentieren nicht nach außen, wie wir vorgehen, um die Entnahme nicht noch schwieriger zu machen.

„Welpen sollen sich nicht falsch entwickeln“

Wolfsschützer kritisieren, die Verlängerung der Abschussgenehmigung, weil die Fähe des Rudels bald Welpen erwarte.

Die Welpen sind nicht gefährdet. Das ist eine Situation, die sonst auch eintreten könnte – zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall. Da sind noch das Muttertier und die älteren Geschwister aus dem letzten Jahr. Mit dem Abschuss geht es darum, dass sich Welpen nicht falsch entwickeln, dass sie gar nicht erst lernen, wie man geschützte Nutztiere reißt. Es geht um den Schutz des Rudels. Wenn es sich falsch entwickelt, muss man nicht nur ein Tier, sondern am Ende möglicherweise eine größere Gruppe entnehmen. Und das wollen wir verhindern.

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Von RND/dpa/Christina Sticht