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Der Norden Kripo will Kriminalität gegen Senioren besser bekämpfen
Nachrichten Der Norden Kripo will Kriminalität gegen Senioren besser bekämpfen
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09:15 15.11.2019
Symbolbild zum Enkeltrick Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Braunschweig

Enkeltrick, falsche Polizisten und betrügerische Gewinnversprechen - Kriminelle nehmen mit verschiedenen Methoden ältere Menschen ins Visier. In Braunschweig soll nun eine eigene Polizei-Einheit das Problem bekämpfen.

Was macht Kriminalität gegen ältere Menschen besonders?

Die Taten sind vielfältig, weil Betrüger kreativ agieren. Das ist ein Ergebnis eines Experten-Symposiums mit Vertreten von Geldinstituten, Pflegediensten und Seniorenverbänden im März dieses Jahres. Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger meist bei älteren und allein lebenden Menschen an und geben sich als Verwandte aus. Vereinsamung, Zerstreutheit und Demenz machen Senioren dem niedersächsischen Innenministerium zufolge oft zu leichten Opfern für eine vorgetäuschte finanzielle Notlage. Bei der Geldbeschaffung helfen die Täter demnach nicht selten sogar und bestellen etwa ein Taxi für den Weg zur Bank.

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Steigt die Zahl der Taten an?

Der sogenannte Enkeltrick und ähnliche Varianten werden nach Angaben des Innenministeriums in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht explizit erfasst, sondern tauchen in der Rubrik „Sonstige weitere Betrugsarten“ auf. Für das Beispiel der Inspektion Braunschweig nennt das Ministerium dabei in den vergangenen fünf Jahren aber immer deutlich mehr als 100 Fälle. Zuletzt sank die Zahl allerdings von 182 im Jahr 2017 auf 129 im vergangenen Jahr. Bei Gewalttaten zeigt die Statistik, dass ältere Menschen ab 60 Jahren verhältnismäßig selten Opfer werden. Rund 12.000 Opfer dieser Altersgruppe wurden 2018 bundesweit registriert.

Erbeuten die Täter viel Geld?

Der Schaden im Raum der Direktion Braunschweig wird allein im vergangen Jahr mit fast 1,7 Millionen Euro beziffert. Experten zufolge muss zudem davon ausgegangen werden, dass viele Straftaten gegen Ältere nicht angezeigt werden, weil die Opfer sich scheuten, zur Polizei zu gehen oder sich ihren Angehörigen anzuvertrauen

Welche Folgen haben die Taten für die Senioren?

Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) warnt davor, Straftaten gegen ältere Menschen zu verharmlosen. Vergleichsweise geringe Zahlen der Statistik nützten einzelnen Opfern nichts. Die Angst vor den Folgen von Gewalt könne bei Senioren schwerer wiegen als bei jüngeren Opfern. Eine konkrete eigene Erfahrung kann die altersbedingte Unsicherheit laut Beratungsstelle weiter verstärken.

Was soll die neue Polizei-Einheit erreichen?

Ein besonderes Problem liegt nach Auffassung des Innenministeriums darin, dass es den Betrügern trotz der Präventionsarbeit immer wieder gelingt, Straftaten gegen ältere Menschen zu begehen. Die neue zentrale Einheit soll beispielsweise die Ermittlungen bündeln und Präventionsmaßnahmen effektiver auf den Weg bringen.

Von RND/lni