Niedersachsens neue Corona-Regeln: Schnapsverbot und Urlaubsverbot
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Der Norden Schnapsverbot und Urlaubsverbot: Das sind Niedersachsens neue Corona-Regeln
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Niedersachsens neue Corona-Regeln: Schnapsverbot und Urlaubsverbot

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08:00 10.10.2020
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xxx. Quelle: Robert Michael/dpa
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Hannover

In Niedersachsen gilt ab sofort eine neue Corona-Verordnung. Wegen der steigenden Infektionszahlen gibt es in einigen Punkten Verschärfungen. Das betrifft vor allem den Tourismus. Urlauber aus Risikogebieten dürfen nicht mehr in Niedersachsen übernachten. Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie beschränkt die Landesregierung auch Treffen im Privaten.

Welche Reisebeschränkungen gelten in Niedersachsen?

Urlauber aus Corona-Risikogebieten in Deutschland dürfen von Sonnabend, 10. Oktober, an nicht mehr in Niedersachsen übernachten – allerdings gibt es eine Reihe von Ausnahmen. So will das Land jeden Herkunftsort einzeln prüfen. Wenn das Infektionsgeschehen dort klar begrenzt und kontrollierbar erscheint, komme es unter Umständen nicht auf die rote Liste, sagte die Vizeleiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, am Freitag. Auch beruflich oder medizinisch wichtige Reisen sowie private Reisen oder Besuche bleiben möglich. Wer einen höchstens zwei Tage alten negativen Corona-Test vorlegen kann, darf ohnehin in Niedersachsen urlauben. „Es geht uns darum, den touristischen Reiseverkehr einzuschränken“, erklärte Schröder.

Für wen gilt das Urlaubsverbot?

Die Liste der Kreise, für die das Verbot gilt, soll täglich im Internet auf www.niedersachsen.de veröffentlicht werden. Es gilt zunächst für die Kreise Cloppenburg und Wesermarsch sowie die Stadt Delmenhorst (alle Niedersachsen), die Stadt Bremen, das Land Berlin, die Städte Frankfurt am Main und Offenbach (beide Hessen), Hamm, Remscheid und Herne (alle NRW), Rosenheim (Bayern) und den Kreis Esslingen (Baden-Württemberg). Wer eine eigene oder „dauerhaft angemietete“ Ferienwohnung oder einen dauerhaft abgestellten Wohnwagen oder ein Wohnmobil hat, darf diese selbst nutzen. Das Gesundheitsamt am Reiseziel kann in „begründeten Fällen“ eine Ausnahmegenehmigung erteilen.

Reisende mit Koffern: Tagestouristen dürfen kommen. Quelle: Peter Steffen/dpa

Bekommen verhinderte Urlauber aus Hotspots ihr Geld zurück?

„Der bestehende Flickenteppich an Regelungen macht es Urlaubern sehr schwer“, sagt Tiana Preuschoff, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Einreise- und Beherbergungsverbot.“ Bei einem Beherbergungsverbot können Urlauber nach Auffassung der Verbraucherzentrale die Buchung kostenfrei stornieren, weil der Anbieter die vertraglich vereinbarte Leistung nicht erbringen darf. Ein solches Verbot stellt die niedersächsische Regelung dar: Die Einreise ist nicht beschränkt, Tagestouristen etwa dürfen kommen.

Was sagt die Tourismusbranche?

Der Tourismusverband Niedersachsen hatte eine bundesweit einheitliche Regelung gefordert – vergeblich. Aus Langeoog gibt es an der niedersächsischen Regelung bereits Kritik: „Zum einen werden Menschen aus einer Region unter Generalverdacht gestellt – zum anderen ist es nicht zu überprüfen, ob sich Wohn- und Arbeitsplatz an unterschiedlichen Orten befinden“, sagte Bürgermeisterin Heike Horn. Außerdem müsse die Verantwortung bei den Bürgern liegen, nicht bei den Betrieben. Doch das niedersächsische Beherbergungsverbot, das Bußgelder von bis zu 25.000 Euro vorsieht, richtet sich ausdrücklich an die Betreiber von Hotels und Co.

Was passiert, wenn man aus der Region Hannover in Risikogebiete fährt?

Das ist prinzipiell möglich. Wer sich allerdings mehr als 48 Stunden in einem Risikogebiet aufhält, muss bei der Rückkehr mit Quarantäne rechnen, sofern er kein negatives Testergebnis vorweisen kann.

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Was gilt bei privaten Feiern?

Drinnen dürfen sich nur bis zu 25 Menschen treffen, draußen auf privatem Gelände bis zu 50. Je nach Infektionsgeschehen können die Obergrenzen in den Landkreisen und kreisfreien Städten aber auch niedriger ausfallen. Steigt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche über 35, dürfen sich nur noch bis zu 25 Menschen treffen – egal ob innen oder außen. Bei mehr als 50 Neuinfektionen sind nur noch bis zu zehn Menschen auf privatem Grund erlaubt. Auch ein Zelt im Garten gilt demnach als geschlossener Raum.

Schnapsgläser auf dem Tablett: Kein Alkohol mehr ab 22 Uhr. Quelle: Axel Heimken/dpa

Wie ist es bei privaten Treffen in öffentlichen Räumen?

Dort sind bis zu 100 Teilnehmer erlaubt – etwa in der Gastronomie. Diese Obergrenze könnte den Richtwerten für die Neuinfektionen entsprechend zunächst auf 50 und dann auf 25 Gäste gesenkt werden. Während Zusammenkünften und Feiern, an denen mehr als 50 Personen teilnehmen, gilt ab 18 Uhr ein Verbot von Schnaps uns sonstigen Spirituosen. Ab 22 Uhr darf gar kein Alkohol angeboten oder konsumiert werden.

Was gilt für Messen oder Märkte?

Veranstaltungen wie Messen, Kongresse oder auch Weihnachtsmärkte, an denen das Publikum mindestens zeitweise steht, bedürfen unabhängig von der Zahl der Teilnehmer der vorherigen Zulassung. Es müssen Hygienekonzepte und Abstandsregelungen eingehalten werden. Darüber hinaus müssen die Infektionszahlen in den nächsten Wochen stabil bleiben. Für Veranstaltungen mit sitzendem Publikum, egal ob drinnen oder draußen, gilt eine Obergrenze von 500 Besuchern.

Welche weiteren neue Regelungen gibt es?

Beschäftigte im Einzelhandel müssen neuerdings auch eine Mund-Nasen-Bedeckung bei der Arbeit tragen. Bei sportlicher Betätigung wurde die maximal zulässige Größe der Gruppen von 50 auf 60 Menschen erhöht. Ein Alkoholverbot bei Sportveranstaltungen mit höchstens 50 Zuschauern, die mitunter stehen, wurde gestrichen.

Von Marco Seng und Christopher Weckwerth