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Der Norden Campingplatzbesitzer verunsichert - Wie sollen sie Ostern planen?
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Niedersachsen: Campingplatzbesitzer verunsichert - Wie sollen sie Ostern planen?

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09:01 11.02.2021
Die Dauercamperin Irene Sedlaczek (l) geht mit ihren beiden Enkelkindern zu ihrer Loggia auf dem Gelände vom Südsee-Camp. Im Winter herrscht wenig Betrieb auf Campingplätzen, nur vereinzelte Ganzjahresbucher sind anzutreffen.
Die Dauercamperin Irene Sedlaczek (l) geht mit ihren beiden Enkelkindern zu ihrer Loggia auf dem Gelände vom Südsee-Camp. Im Winter herrscht wenig Betrieb auf Campingplätzen, nur vereinzelte Ganzjahresbucher sind anzutreffen. Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Wietzendorf

Dauercamper Klaus-Dieter Hoppe hat einen Sahneplatz im Südsee-Camp erwischt: Unverstellten Blick auf den See, keine 100 Meter zum Waschhaus und kaum Nachbarn. Ideal in diesen Zeiten, in denen das Reisen streng eingeschränkt ist, ein Ausflug zum Ferienhaus oder Zweitwohnsitz aber geduldet wird. Tropisches Feeling kommt bei eisigen Temperaturen in Wietzendorf in der Lüneburger Heide allerdings nicht auf. „Wir sind Rentner und nutzen unseren Wohnwagen wie einen zweiten Wohnsitz“, erzählt Hoppe, der mit Frau und Hund für eine Woche aus Bramsche bei Osnabrück angereist ist. Er liebt die langen Spaziergänge und die Ruhe in der Natur.

Viele Betreiber - vor allem an der Nordsee - schließen ihre Anlagen im Winter, nur einige sind ganzjährig geöffnet. „Nach der aktuellen Corona-Verordnung sind touristische Übernachtungen momentan nicht erlaubt. Dauercamping ist aber nach wie vor möglich“, erklärt Julia Staarmann, 2. Vorsitzende des Verbandes der Campingplatzunternehmer Niedersachsen. Dauercamper werden wie Ferienhausbesitzer behandelt. Im Ferien- und Erlebnispark Alfsee im Landkreis Osnabrück, wo Staarmann arbeitet, sind etwa 380 von 750 Standplätzen ganzjährig vermietet. Von Kommune zu Kommune ist es unterschiedlich, ob Dauergäste nach der Bauordnung geduldet werden. Die Nachfrage nach Ganzjahresplätzen ist auf vielen Anlagen gestiegen.

WLAN reicht nicht für Homeschooling

Am Eingang des verschneiten, 90 Hektar großen Geländes in Wietzendorf sind die Schranken geschlossen, die Betreiber nehmen keine neuen Gäste auf. „Wir fahren alles auf Sparflamme, die wenigen Dauerbucher sind autark“, sagt Besitzerin Svenja Thiele-Naujok. 600 von 1300 Plätzen sind ganzjährig gebucht, Familien nutzen die Ausweichmöglichkeiten derzeit aber kaum. „Wir haben nicht das beste WLAN, das ist nicht gut genug für Homeschooling.“ Ein Großteil der Mitarbeiter ist in Kurzarbeit - so ist das Indoor-Schwimmbad geschlossen, die Renovierungen laufen weiter.

Bei der Saisonplanung sind die Campingplatzbetreiber in Niedersachsen stark verunsichert. „Wir setzen uns gerade mit der Thematik auseinander, wie es weitergeht. Wir haben eine große Planungsunsicherheit, ob wir Ostern wieder öffnen dürfen“, sagt Staarmann. Im vergangenen Jahr wurde eine 50-Prozent-Belegung im Mai erlaubt, das steigerte sich bis zur vollen Auslastung Ende Juni.

„Wir wollen auf gar keinen Fall zum Corona-Hotspot werden“

Im derzeit diskutierten Stufenplan ist eine vorsichtige Öffnung der Plätze mit Hygienekonzepten ab Stufe 3 - wenn die Inzidenz unter 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen sinkt - angedacht.

Das Dilemma der Betreiber: „Eigentlich freuen wir uns auf Ostern und unsere Gäste, aber dieses Jahr haben wir große Bedenken. Wir wollen auf gar keinen Fall zum Corona-Hotspot werden“, meint Liesel Thiele vom Südsee-Camp, die mit ihrer Tochter Svenja die Planungen vorantreibt. Wegen der Ungewissheit können Touristen bis auf Weiteres für die Saison frühzeitig buchen, bis zur Anreise aber kurzfristig stornieren.

„Wir hängen in der Luft, Anfragen für den Sommer konnte ich nicht verbindlich zusagen“, erzählt auch Marita Saß aus der Verwaltung des Platzes in Garlstorf in der Nordheide, wo bei eisigen Temperaturen nur vereinzelte Dauergäste sind. Im vergangenen Jahr seien schon die durchreisenden Skandinavier weggeblieben. „Ich befürchte schon, dass es nicht besser wird“.

Von RND/lni