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Der Norden Polizist missbraucht 14-Jährige – Sechs Monate Haft auf Bewährung
Nachrichten Der Norden Polizist missbraucht 14-Jährige – Sechs Monate Haft auf Bewährung
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17:23 22.07.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Neustadt

Ein Polizist ist wegen sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen in Neustadt verurteilt worden. Das Amtsgericht Neustadt sprach den ehemaligen Mitarbeiter der Polizeidirektion Hannover in der vergangenen Woche schuldig. Der 43-Jährige hat nach Auskunft des Gerichts als Fußballtrainer zu einer 14 Jahre alten Spielerin ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und sie dann missbraucht. Der Mann erhielt sechs Monate Haft auf Bewährung und muss eine Geldstrafe von 3000 Euro bezahlen. Davon soll das Mädchen 1500 Euro erhalten, weitere 1500 Euro fließen an die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Eltern kontaktieren den Verein

Bis zu den Vorgängen im April 2018 war der Verurteilte Fabian B. Trainer einer Mädchenmannschaft beim FC Wacker Neustadt. Dabei lernte er sein späteres Opfer kennen und überschüttete es förmlich mit Chat-Nachrichten, „die eindeutig eine Grenze überschritten haben“, wie Opfer-Anwältin Doris Kahle betont. Er sei dem Mädchen viel zu nahe gekommen. Die Mutter des Mädchens hatte schließlich die Nachrichten gelesen und ihre Tochter darauf angesprochen. Daraufhin habe sich die 14-Jährige ihren Eltern anvertraut und von dem Missbrauch berichtet. Die Familie erstattete Anzeige und benachrichtigte unverzüglich den Verein. Dieser habe schnell reagiert und sofort gehandelt, betont Kahle. „Wir haben den Trainer sofort entlassen und uns von ihm distanziert“, sagt Arne Wotrubez vom Vereinsvorstand. Fabian B. habe sich zuvor auf dem Platz immer unauffällig verhalten, ein Verdacht sei nie aufgekommen, betont er.

Keine weiteren Betroffenen bekannt

An einem Gesprächsabend habe der Verein die Eltern der Mädchen aus der Mannschaft informiert und sich klar positioniert, sagt Wotrubez. Mit Erleichterung habe der Vorstand zur Kenntnis genommen, dass sich die Mitspielerinnen geschlossen hinter das betroffene Mädchen gestellt hätten. „Manchmal gibt es in solchen Fällen auch noch Mobbing zulasten der Opfer.“ Auch haben sich keine weiteren Betroffenen gemeldet.

In langen Jahren des Ehrenamts sei ihm ein solcher Fall noch nicht untergekommen, sagt Wotrubez. „Wir haben es im Verein für uns geklärt, alles Weitere war dann Sache der Polizei.“ Die Ermittler hatten dann in der Wohnung des Mannes sein Smartphone mit den Chats zwischen ihm und dem Mädchen sichergestellt.

Polizist nach Urteil vom Dienst enthoben

Der Beamte ist am Tag der Verurteilung mit sofortiger Wirkung des Dienstes enthoben worden, wie die Polizeidirektion Hannover mitteilte. Er soll zunächst zur Autobahnpolizei versetzt worden sein. Schon vor Prozessbeginn war ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Fabian B. habe nicht in Neustadt gearbeitet, aber gewohnt, heißt es im dortigen Kommissariat.

Das inzwischen fast 16-jährige Mädchen leidet nach Auskunft ihrer Anwältin rund zwei Jahre nach der Tat weiterhin unter den Folgen des Missbrauchs, es habe sich von vielen und vielem zurückgezogen. „Für das Opfer ist es aber auch wichtig, dass der Prozess vorbei ist“, sagt Anwältin Kahle. Auch wenn das Strafmaß von den Angehörigen als zu gering erachtet werde. „Angesichts des eingeschränkten Strafrahmens von maximal drei Jahren bei sexuellem Missbrauch Jugendlicher ist das Urteil gerecht“, sagt Kahle. Für Juristen sei es in Ordnung, für Betroffene schwer. Sie persönlich hätte allerdings auch lieber eine Strafe von einem Jahr gesehen – schon allein, weil damit der Polizeidienst vorbei gewesen wäre. „Aber als Streife an der Autobahn wird er vermutlich keinen Kontakt zu Jugendlichen haben.“

Anderer Fall in Ronnenberg

Vor rund einem Monat war ein anderer Fall sexuellen Missbrauchs in der Region Hannover bekanntgeworden. Ein Betreuer, der an einer Schule in Ronnenberg eine Fußball-AG geleitet hat, soll bei angeblichen Gesundheitschecks acht Jungen unsittlich berührt haben. Die Behörden ermitteln wegen schweren sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und überprüfen, ob es weitere Opfer gibt. Nach einem Hinweis von Eltern war der 51-Jährige am 13. Juni festgenommen worden. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

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