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Der Norden Betrunkener Kapitän steuert Containerschiff gegen Brücke und geht über Bord
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Mittellandkanal bei Hannover: Containerschiff rammt Hausboot und Brücke

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19:47 12.01.2022
Ein Containerschiff ist auf dem Mittellandkanal erst gegen ein Hausboot und dann gegen eine Brücke gefahren.
Ein Containerschiff ist auf dem Mittellandkanal erst gegen ein Hausboot und dann gegen eine Brücke gefahren. Quelle: Frank Tunnat
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Hannover

Auf dem Mittellandkanal in Höhe des hannoverschen Stadtteils List hat sich am Dienstagabend ein spektakulärer Unfall ereignet. Der 22-jährige Kapitän eines 156 Meter langen Schubboots ist gegen 20.20 Uhr erst gegen ein Hausboot und dann gegen die Brücke der Tannenbergallee gesteuert. Der Schiffsführer erlitt leichte Verletzungen und landete im Wasser.

Wie die Polizei Hannover mitteilt, war das Schubboot mit Containern beladen und auf dem Mittellandkanal in Richtung Wolfsburg unterwegs. „Aufgrund vermeintlich entgegenkommenden Schiffsverkehrs steuerte der Schiffsführer in Höhe der Tannenbergallee so weit nach rechts, dass das Schiff mit dem Heck gegen ein am Ufer gelegenes Hausboot gedrückt wurde“, sagt Polizeisprecherin Natalia Shapovalova. Zeugen hätten drei entgegenkommende Schiffe gesehen.

Containerschiff kracht gegen Brücke

Mit dem Bug, dem vorderen Schiffsbereich, kollidierte das 156 Meter lange Schubboot mit der Ufermauer des Kanals. „Anschließend steuerte es auf eine über die Wasserstraße führende Brücke zu“, so Shapovalova. Weil die Besatzung das Führerhaus nicht mehr rechtzeitig absenken konnte, krachte das Schiff auch noch gegen eine Brücke.

Ein 156 Meter langes Schubboot ist auf dem Mittellandkanal erst gegen ein Hausboot und dann gegen eine Brücke gesteuert.

Der betrunkene Schiffsführer landete aus bislang ungeklärter Ursache im Kanal. Trotz der niedrigen Temperaturen konnte er sich eigenständig ans Ufer retten. An Bord blieben zwei weitere Besatzungsmitglieder (52 und 54 Jahre alt).

Betrunkener Kapitän hat 2,7 Promille im Blut

Ein Rettungswagen brachte den 22-jährigen Kapitän in eine Klinik. Dort wurde ihm eine Blutprobe entnommen. Das Ergebnis: 2,7 Promille. Die Polizei hat Ermittlungen gegen den jungen Mann eingeleitet. Sein Patent als Schiffsführer stellte die Behörde sicher. Der entstandene Gesamtschaden an Schiff, Hausboot, Ufermauer und Brücke ließ sich bislang noch nicht abschließend beziffern, so die Ermittler. Wie das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal/Elbe-Seitenkanal mitteilt, sei die Brücke an der Tannenbergallee allerdings weitgehend unversehrt geblieben.

Es streifte zunächst ein Hausboot, das dabei beschädigt wurde. Quelle: Frank Tunnat

Derweil trieb das beschädigte Containerschiff am Dienstagabend vorerst manövrierunfähig auf dem Mittellandkanal. „Um weitere Unfälle zu verhindern, wurde die vorübergehende Sperrung für den Schiffsverkehr veranlasst“, so Polizeisprecherin Shapovalova. Mithilfe von Tauen konnte das Schiff zunächst an Bäumen gesichert werden, bevor es ein Schlepper zur nächsten Anlegestelle am Yachthafen brachte. Die Ladung wurde von einem anderen Schiff aufgenommen und in Sicherheit gebracht.

Führerhaus ist schwer beschädigt

Das Schubboot selbst lag auch am Mittwoch noch an der Anlegestelle. Nach Angaben von Kai Römer, Fachbereichsleiter vom Schifffahrtsamt, sollen am Donnerstag Fachleute einer Werft den sogenannten Schuber untersuchen. Zum einen wurde das Führerhaus massiv beschädigt und lässt sich nicht mehr verstellen. Zum anderen liegt der Transporter derzeit auf freier Strecke. „Andere Schiffe müssen dort vorsichtig vorbeifahren“, so Römer. Regelmäßig werde der Standort des Schubers an andere Kapitäne per Funk durchgegeben.

Dann kollidierte das Führerhaus mit einer Brücke. Quelle: Frank Tunnat

Das Führerhaus eines Schubbootes lässt sich hydraulisch hoch- und runterfahren. Auf dem Mittellandkanal dürfen Schuber samt der sogenannten Leichter, auf denen das Transportgut geladen ist, bis zu 185 Meter lang sein. Durch diese enormen Längen entstehen große tote Winkel, die durch das Herauffahren des Führerhauses verkleinert werden sollen.

„Da muss man schon bei der Sache sein“

Das Problem: Gibt es – wie auf dem Mittellandkanal bei Hannover – viele und auch noch niedrige Brücken, muss das Führerhaus rechtzeitig wieder gesenkt werden. Wie Römer sagt, dauert das 20 bis 30 Sekunden. „Da muss man schon bei der Sache sein“, so der Fachbereichsleiter. Genau das war der betrunkene Kapitän am Dienstagabend augenscheinlich nicht.

Von Manuel Behrens