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Der Norden Fall Lügde: Vater von Missbrauchsopfer hatte kein Recht auf Information
Nachrichten Der Norden Fall Lügde: Vater von Missbrauchsopfer hatte kein Recht auf Information
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00:19 09.05.2019
Hier lebte der mutmaßliche Täter: Der Campingplatzbetreiber hat die Unterkunft des Dauercampers, der etliche Kinder missbraucht haben soll, inzwischen abreißen lassen. Quelle: Guido Kirchner/dpa
Hameln

Der Vater eines Opfers im Missbrauchsskandal von Lügde ist nach Darstellung des Landkreises Hameln-Pyrmont nicht über die Vorfälle informiert worden, weil er kein Sorgerecht hat. Der Mann habe deshalb kein Auskunftsrecht, sagte eine Sprecherin am Montag.

Der Mann, der zum Schutz seiner Tochter in der Öffentlichkeit anonym bleiben wollte, hatte seine Vorwürfe im NDR erhoben. Der Landkreis habe nicht auf seine wiederholten telefonischen Proteste gegen den verwahrlosten Aufenthaltsort seiner Tochter reagiert, nachdem er zufällig erfahren hatte, dass das Mädchen im Jahr 2016 in die Obhut des jetzigen Hauptverdächtigen gegeben worden war. Dieser Vorwurf werde noch überprüft, sagte die Sprecherin.

„Bankrotterklärung des Jugendamts“

Die FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag kritisierte die Kreisverwaltung. Es sei nicht nachvollziehbar, warum das Jugendamt auf die Hinweise des Vaters nicht reagiert habe, sagte die sozialpolitische Sprecherin Sylvia Bruns. „Dass der Vater weder kontaktiert noch über den sexuellen Missbrauch seiner Tochter informiert wurde, ist eine Bankrotterklärung.“

„Es ist unglaublich und nicht nachvollziehbar, was im Jugendamt von Hameln-Pyrmont vorgeht“, kritisierte auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Dirk Toepffer. Er machte sich weiterhin für die Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers stark.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Detmold wurden im nordrhein-westfälischen Lügde 41 Mädchen und Jungen zum Opfer schweren sexuellen Missbrauchs. Ein 56-jähriger Dauercamper auf dem Platz an der Landesgrenze zu Niedersachsen soll mit einem Komplizen (33) über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Männer sowie ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade sitzen in Untersuchungshaft.

Von Matthias Brunnert