Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Der Norden „Liebe Maskenmuffel ... ihr nervt!“ Polizei wendet sich mit deutlichen Worten an Maskenverweigerer
Nachrichten Der Norden

„Liebe Maskenmuffel ... ihr nervt!“ Bundespolizei wendet sich an Maskenverweigerer

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:30 13.12.2021
Alltägliche Situation im Hauptbahnhof: Die Bundespolizei kontrolliert die Einhaltung der Maskenpflicht.
Alltägliche Situation im Hauptbahnhof: Die Bundespolizei kontrolliert die Einhaltung der Maskenpflicht. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

In der Regel sind Pressemitteilungen der Polizei eine sachliche Angelegenheit. Wer hat wann und wo etwas verbrochen – das wird meist recht nüchtern zusammengefasst. Eine ungewohnt emotionale Meldung hat die Bundespolizeidirektion in Hannover, die für Hamburg, Niedersachsen und Bremen zuständig ist, am Sonntag veröffentlicht. Darin richtet sie sich explizit an Maskenverweigerer in Bahnhöfen und Zügen. Die Überschrift setzt einen unmissverständlichen Tenor: „Liebe Maskenmuffel ... ihr nervt!“

Entsprechend deutlich geht es dann auch weiter. „Wir diskutieren nicht mit euch. Und eure Meinung interessiert uns auch nicht! Bei Verstößen gegen die Corona-Schutzvorschriften erfolgt eine sofortige Anzeige! Setzt einfach eure Maske auf und erspart uns euren Wohlstandstrotz. Wir haben schon genug zu tun!“, schreibt Martin Ackert, Sprecher der Bundespolizeidirektion.

57 Verstöße gegen die Maskenpflicht

Auf Anfrage berichtet Ackert nun, wie es zur deutlichen Ansage in Richtung der Maskenmuffel kam. „Wir leben seit fast zwei Jahren mit der Pandemie, kein Thema ist derzeit wissenschaftlich so erörtert“, sagt er. „Und trotzdem hält sich eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen nicht an die Regeln. Die Kolleginnen und Kollegen sind sehr genervt.“

Auf Kontrollen reagieren die Personen mit Unmutsbekundungen aber auch mit „rustikalen Widerstandshandlungen“, heißt es in der Pressemitteilung. Unter anderem legte sich ein 22-jähriger Wunstorfer mit der Bundespolizei im Hauptbahnhof an. Er wehrte sich derart, dass ihn die Beamtinnen und Beamten mit auf die Wache nehmen mussten.

Verstoß gegen Maskenpflicht kostet zwischen 100 und 150 Euro

Das Einsatzgebiet der Bundespolizeidirektion Hannover ist groß. Es umfasst eine Gesamtfläche von 48.800 Quadratkilometern, 4.900 Kilometer Streckennetz, 560 Bahnhöfe, aber auch die Flughäfen Hannover und Hamburg. Dem Bahnpersonal helfen die Polizistinnen und Polizisten zudem bei der Durchsetzung des Hausrechts, auch in Zügen.

Ackert berichtet, dass das Aufkommen von Maskenmuffeln im Bereich um den hannoverschen Hauptbahnhof im Vergleich zu anderen Stationen, etwa Bremen, Hamburg oder Osnabrück, deutlich höher sei. Woran das liegt, dafür hat Ackert allerdings keine Erklärung. Unter der Woche kämen täglich Anzeigen im unteren zweistelligen Bereich zusammen, am Wochenende im oberen zweistelligen Bereich. Dabei droht jeweils ein Bußgeld zwischen 100 und 150 Euro.

„Maskenmuffel unterscheiden sich in drei Gruppen“

„Maskenmuffel unterscheiden sich in drei Gruppen“, sagt Ackert. Da seien zum einen diejenigen, die beim Betreten der Bahnhöfe vergessen, ihren Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen. „Das kann mal passieren und eine Ansage reicht meist aus“, sagt Ackert. Problematischer seien die anderen beiden Gruppen. „Da sind auch Menschen mit ihrem Wohlstandstrotz. Die denken, dass sie machen können, was sie wollen. Alkohol verstärkt diese Denk- und Verhaltensmuster zusätzlich“, so Ackert. Und dann seien da noch die „Unbelehrbaren“: „Wir haben es auch mit radikalen Verweigerern zu tun, die für keine Ansprache zugänglich sind und jegliche staatliche Autorität ablehnen.“

Das Unverständnis der Bundespolizei für Maskenverweigerer wird deutlich. „Die Kolleginnen und Kollegen sind es leid, in Vorwürfe und Diskussionen verwickelt zu werden“, sagt Ackert. Letztendlich sei die Maskenpflicht eine Lappalie. „Es ist schwer nachvollziehbar, wie man deswegen so ausrasten kann, dass es zur Zwangsanwendung kommt.“

10.000 Straftaten im Hauptbahnhof Hannover

Etwa 10.000 Straftaten verzeichnet die Bundespolizei im Bereich des Hauptbahnhofs in Hannover jährlich, sagt Ackert. Die Kontrolle der Maskenpflicht kommt dazu und kostet Zeit. Denn neben jeder einzelnen Aufnahme kommt noch die Papierarbeit dazu. „Jeder uneinsichtige oder aggressive Maskenmuffel hält uns von der Arbeit ab“, so Ackert.

Die ungewöhnliche Pressemitteilung in voller Länge

Liebe Maskenmuffel ... ihr nervt!

Wir diskutieren nicht mit euch. Und eure Meinung interessiert uns auch nicht! Bei Verstößen gegen die Corona-Schutzvorschriften erfolgt eine sofortige Anzeige! Setzt einfach eure Maske auf und erspart uns euren Wohlstandstrotz. Wir haben schon genug zu tun!

In der vergangenen Nacht zählte die Bundespolizei 57 Verstöße gegen die Maskenpflicht hauptsächlich im Hauptbahnhof Hannover. Immer wieder gibt es bei den Kontrollen Ärger. Der reicht von Unmutsbekundungen bis hin zu rustikalen Widerstandshandlungen.

Kurz nach Mitternacht hielt sich ein junger Mann (22) ohne Maske im Hauptbahnhof auf. Der Wunstorfer war aufgebracht, diskutierfreudig und fiel den Beamten ständig ins Wort. Mit der Kontrolle war er nicht einverstanden und zur Wache wollte er auch nicht mit. Letztlich leistete der Mann erheblichen Widerstand und wurde zwangsweise mitgenommen.

Ein ungeimpfter Schwarzfahrer (24) trug im ICE keine Maske. Der Bulgare beleidigte Mitarbeiter der Bahnsicherheit und folgte den Weisungen nicht. Bundespolizisten holten den Mann aus dem Zug.

Ein 53-jähriger Mann aus Hainholz wurde im Hauptbahnhof sofort aggressiv. Er beleidigte die Beamten und drohte ihnen mit dem Tod.

Am frühen Morgen musste ein 32-jähriger Ronneberger aus der S-Bahn geholt werden. Er leistet erheblichen Widerstand und hatte 3,08 Promille. Er musste mehrere Stunden ausnüchtern.

Bundespolizeiinspektion Hannover

Von Manuel Behrens