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Der Norden Die Zeit drängt: Benjamin sucht einen Stammzellspender
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Leukämie: Benjamin (3) sucht einen Stammzellspender

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14:06 04.10.2020
Benjamin zu Beginn seiner Chemotherapie. Inzwischen hat er viele seiner Haare verloren. Quelle: privat
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Hannover

Die ersten Symptome waren unerklärlich. Es war Anfang Juli, als sich Benjamin, drei Jahre alt und eigentlich ein lebhaftes Kind, nicht gut fühlte. Seine Gelenke taten weh, und dann waren da noch diese auffällig vielen blauen Flecken am Körper. Ein Besuch beim Arzt brachte keine Erklärung. Zwei Wochen später verlor die Familie jede Hoffnung, dass sich alles schon auf harmlose Weise erklären würde. Ihr Junge wurde träger, hatte keine Lust zum Spielen, wurde sehr schlapp, bekam Fieber und wurde immer müder.

Eine Untersuchung im Krankenhaus brachte Gewissheit: Benjamin leidet an einer seltenen Form von Leukämie. Seine Blutwerte waren bereits so schlecht, dass sofort eine Transfusion nötig wurde. Einen Tag später bekam der kleine Patient seine erste Chemotherapie: Infusionen leiteten Medikamente in seinen Körper, um den Blutkrebs zu bekämpfen. Der folgende Aufenthalt im Krankenhaus in Bielefeld dauerte drei Wochen. Er war nur der Beginn seiner Behandlung. Seitdem muss Benjamin alle drei Wochen für weitere Chemotherapien jeweils fünf Tage in die Klinik. Drei davon musste er mittlerweile überstehen. In der Zwischenzeit fährt das Kind zwei mal in der Woche für einen Tag in eine 50 Kilometer entfernte Spezialklinik.

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DKMS: So können Sie Benjamin helfen

Hoffnung auf den Glücksfall

In Hannover sorgen sich Sebastian Glüer-Fuchs und seine Familie um den Neffen. Der Misburger ist selbst Mediziner und berichtet, dass sich die Zuversicht zu Beginn der Erkrankung nicht bewahrheitete. „Benjamin braucht bald eine Stammzelltransplantation. Jetzt muss unbedingt ein genetischer Zwilling gefunden werden.“ Seine Töchter suchen in sozialen Medien nach Spendern, sie wollen jede Chance nutzen, einen geeigneten Spender zu finden.

Die Chance, dass sich dieser Mensch, der genetische Zwilling, findet, ist sehr unwahrscheinlich, dennoch hoffen Benjamins Eltern, dass dieser Glücksfall eintritt. Ohne einen idealen Spender müssten Benjamin Stammzellen transplantiert werden, die nicht perfekt passen würden. Die Folge wäre, dass er lebenslang schwere Medikamente mit einer Reihe von Nebenwirkungen einnehmen müsste, damit seine Immunabwehr die fremden Zellen nicht abstößt. Doch selbst die Stammzellen seiner fünf Jahre alten Schwester sind für eine Übertragung nicht geeignet.

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Große seelische Belastung

Der Junge, sagt Sebastian Glüer-Fuchs, hat sich nach Monaten Krankheit, Chemotherapie und Krankenhausaufenthalten verändert. Die Infusionen schwächten ihn so sehr, dass er eine zeitlang kaum den Kopf heben konnte. Er erbrach sich, durch das in hohen Dosen verabreichte Kortison bekam er ein durch Wasseransammlungen aufgedunsenes Gesicht, mitunter konnte er kaum die Augen öffnen. „Benjamin war immer ein abenteuerlustiger kleiner Junge“, erzählt sein Onkel, „durch den Blutkrebs ist er jetzt schnell erschöpft und bei Konflikten schnell aufbrausend. Die seelische Belastung ist ihm deutlich anzumerken.“

Die gemeinnützige Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) sucht nun nach einem Stammzellspender für Benjamin. Wer sich registrieren lassen will, kann dies unter dkms.de/benjamin tun. Ob ein Mensch geeignet ist, lässt sich mit einem Wattebäuschchen und einem Abstrich aus der Wange schnell testen. Kommt ein Spender in Frage, werden die Stammzellen in etwa 80 Prozent der Fälle durch eine Blutentnahme gewonnen. Möglich ist jedoch auch eine operative Entnahme von Knochenmark.

Von Gunnar Menkens