Lehrer- und Elternverbände Niedersachsens streiten um Schulstart am 10. Januar
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Der Norden Präsenzunterricht um jeden Preis? Lehrer- und Elternverbände streiten um Schulstart
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Lehrer- und Elternverbände Niedersachsens streiten um Schulstart am 10. Januar

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20:18 03.01.2022
Schulstart nur mit Schnelltests und Maske? Kann Niedersachsen nächste Woche wieder seine Schulen öffnen, auch wenn die Omikron-Welle kommt?
Schulstart nur mit Schnelltests und Maske? Kann Niedersachsen nächste Woche wieder seine Schulen öffnen, auch wenn die Omikron-Welle kommt? Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Hannover

Während in einigen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Hamburg bereits in dieser Woche die Schule wieder beginnt, enden die Weihnachtsferien in Niedersachsen erst am 7. Januar. Doch kann der Unterricht am Montag nächster Woche angesichts der gefürchteten Omikron-Welle wirklich wie geplant im Präsenzbetrieb starten? Bislang sind nur eine umfassende Maskenpflicht auch für Kinder unter 14 Jahren und eine Sicherheitswoche mit täglichen Selbsttests vorgesehen, von denen genesene und vollständig geimpfte Schülerinnen und Schüler allerdings ausgenommen sind.

Philologenverband warnt: „Kein Unterricht um jeden Preis“

Franz-Josef Meyer vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) warnt davor, Präsenzunterricht unter allen Umständen aufrechtzuerhalten, solange Klassenzimmer nicht so pandemiesicher seien wie Geschäfte und öffentliche Gebäude. Luftfilter und Plexiglastrennscheiben fehlten in den Schulen immer noch. Horst Audritz vom Philologenverband betont, dass Gesundheitsschutz über allem stehen müsse. Dagegen fordern Eltern- und Schülervertreter, Schulschließungen unbedingt zu vermeiden.

Regionselternrat: „Hauptsache kein Homeschooling mehr“

„Hauptsache Schule und kein Homeschooling mehr“, sagt der Vorsitzende des hannoverschen Regionselternrats, Oliver Röttger. Sonja Memenga-Nicksch, selbst Ärztin und Elternvertreterin im Schulausschuss der Stadt Hannover, meint, sie finde es unerklärlich, dass immer wieder über Einschränkungen für Kinder geredet werde. Stattdessen sollten sich lieber ungeimpfte Erwachsene zurückhalten oder geimpfte in ihrer Freiheit beschnitten werden. Auch der Verband der Elternräte der Gymnasien befürwortet Präsenzunterricht, „solange die Inzidenzzahlen an den Schulen überschaubar und beherrschbar bleiben“.

Am 10. Januar ist eine medizinische Maske auch für Kinder unter 14 Jahren in Niedersachsen Pflicht. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Landesschülerrat: Mehr Spielraum für die Länder

Der Vorsitzende des Landesschülerrates, Justus Scheper, meint, Niedersachsen sollte auf alle Fälle im Regelbetrieb starten. Falls die Infektionszahlen rasant ansteigen sollten, müsse man dann eben in zwei oder drei Wochen nach pragmatischen Lösungen suchen. Wünschenswert findet er zudem, den einzelnen Ländern einen ausreichenden Entscheidungsspielraum zu geben. Das steht im Widerspruch zur häufig geforderten bundesweiten Einheitlichkeit der Regeln.

„Entweder auf oder zu“

Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte plädiert für ein klares „Auf oder Zu“. Auf keinen Fall sollten die Eltern wie an den letzten drei Schultagen vor den Weihnachtsferien wieder selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht: „Das bringt überhaupt nichts“. Wenn die Schulen aus Infektionsschutzgründen geschlossen werden müssten, dann nur kurzfristig. Die negativen Folgen des monatelangen Distanzunterrichts hätten sich im vergangenen Jahr gezeigt: Nach den Sommerferien seien viele Schüler mit erheblichen Problemen in die Schulen zurückgekehrt. 

PCR-Pool-Tests statt Antigen-Schnelltests gefordert

Ziel müsse eine langfristige Sicherung des Präsenzbetriebs sein, sagt Audritz, kein „Präsenzunterricht in Stücken“. Wenn zu viele erkrankten, könne man nicht am Regelbetrieb festhalten. „Ohne Lehrer gibt es keine Schule und ohne Schüler auch nicht“, sagte er. Tägliche Selbsttests dürfte es nicht nur in der ersten Schulwoche geben, findet Audritz, sondern mindestens den gesamten Januar über. Und noch besser als Antigen-Schnelltests seien Pool-PCR-Tests für alle Gruppen, auch für die Geimpften, Geboosterten und Genesenen.

„Erhebliche Infektionsgefahr für Kinder“

Meyer vom VBE warnt, dass die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen doppelt bis dreimal hoch seien wie bei Erwachsenen, dabei seien gerade einmal 8 Prozent der Grundschulkinder und zwischen 50 und 60 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen voll geimpft. Präsenzunterricht setze Schülern einer erheblichen Infektionsgefahr aus. Das Land habe zudem auch eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Personal. Schulen in besonders betroffenen Regionen müssten in den Wechselunterricht gehen können. Die Bildungsverbände kritisieren übereinstimmend die Kurzfristigkeit der Entscheidung: Es könne nicht sein, dass die Ministerpräsidenten erst am Freitag bestimmten, wie der Unterricht ab Montag laufen solle.

Von Saskia Döhner