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Der Norden Feinstaub aus dem Stall
Nachrichten Der Norden Feinstaub aus dem Stall
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20:49 18.01.2019
Was tun mit der Gülle? In neu gebaute große Mastställe müssen seit mehreren Jahren Filter eingesetzt werden. Quelle: Jochen Tack/dpa
Hannover

Durch Feinstaub sterben in Deutschland deutlich mehr Menschen als bislang angenommen. Die Landwirtschaft soll für einen großen Teil der Belastung verantwortlich sein. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts (MPI) für Chemie in Mainz. In Niedersachsen werden die Grenzwerte danach vor allem in der von Massentierhaltung geprägten Region Südoldenburg überschritten. Das Problem sei bekannt, heißt es im Agrarministerium und beim Landvolk. Filter in den Ställen und schnellere Gülleverarbeitung sollen helfen.

Problem Ammoniak

Nach den noch nicht veröffentlichten Untersuchungen des Instituts kommen in Deutschland rund 120.000 Menschen pro Jahr wegen Feinstaub vorzeitig ums Leben, Die Zahl ist fast doppelt so hoch wie Angaben der Europäischen Umweltagentur EEA aus dem Jahr 2017. Die Experten waren von 66.000 vorzeitigen Todesfällen in Deutschland ausgegangen. Jos Lelieveld, Direktor der Abteilung Atmosphärenchemie am MPI, hatte für den Bericht Daten von 40 internationalen Studien aus 16 Ländern ausgewertet. Die Landwirtschaft ist demnach für rund 45 Prozent der Feinstaub-Belastung verantwortlich. Ammoniak-Ausgasungen würden sich in der Atmosphäre mit anderen Gasen zu Feinstaub verbinden, sagte die Sprecherin des Max-Planck-Instituts, Susanne Benner, der HAZ. „Und der verteilt sich durch den Wind über das ganze Land.“

Lelieveld hatte bereits 2017 in einer Studie darauf hingewiesen, dass öffentlich vor allem die Feinstaubbelastung durch den Verkehr diskutiert werde, andere Quellen wie die Landwirtschaft dabei vernachlässigt“ würden.

In Niedersachsen ist der genaue Inhalt der Untersuchungen nicht bekannt, die Botschaft überrascht aber nicht. „Wir haben das Thema schon lange auf dem Schirm“, sagte die Sprecherin des Agrarministeriums, Natascha Manski. Seit 2013 gebe es in Niedersachsen einen Erlass, der vorschreibe, dass Filter in neu gebauten Mastställen ab einer bestimmten Größe (zum Beispiel ab 2.000 Mastschweinen) verbindlich eingesetzt werden müssten. Die Filter erreichten „Minderungsraten zwischen 70 und 90 Prozent bei Ammoniak und von 90 Prozent bei Staub“. Zudem müsse die Gülle bodennah ausgebracht und innerhalb von vier Stunden eingearbeitet werden, erklärte Manski. Über eine weitere Verkürzung auf eine Stunde werde diskutiert. Die Studie liege aber nicht vor. „Wir können Zahlen und Zusammenhänge nicht bewerten.“

Nach Angaben des Umweltministeriums werden die Feinstaubgrenzwerte in Niedersachsen seit Jahren eingehalten. 2018 sei an der Messstation in Südoldenburg der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter sechs Mal überschritten worden, erklärte Ministeriumssprecherin Sabine Schlemmer-Kaune. Erlaubt seien 35 Überschreitungen im Jahr. Der zulässige Jahresmittelwert betrage 40 Mikrogramm. Zum Vergleich: In Hannover lag der Jahresmittelwert für Feinstaub 2017 nach Angaben der Stadt bei 15 Mikrogramm. Der Grenzwert wurde acht mal überschritten.

Was tun bei Weidehaltung?

„Das Ammoniak-Problem ist uns bewusst“, sagte die Sprecherin des Landvolks in Niedersachsen, Gaby von der Brelie. Vor allem in der Rinderhaltung sei das ein wichtiges Thema. „Wir sind dran, Ammoniak zu reduzieren. Von der Brelie verwies darauf, dass der Einbau von Filtern in Ställe für viele kleinere Landwirte kaum zu leisten sei. „Das erfordert hohe Investitionen und Aufwand.“ Ein weiteres Problem aus der Sicht des Landvolks: Die Weidehaltung führe zu mehr Emissionen, in den Stall sollen die Rinder wegen des Tierwohls aber auch nicht. Von der Brelie zweifelt die in der Untersuchung genannten Sterberaten an. „Wie definiere ich vorzeitige Todesfälle?“

Wie Feinstaub entsteht

Als eine Ursache für die Luftbelastung, speziell in weiten Teilen Europas, haben Wissenschaftler die Freisetzung von Ammoniak aus Viehzucht und Düngung identifiziert. Zwar ist der in der Gülle enthaltene Stickstoff ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen. Ammoniak entweicht jedoch durch die Zersetzung von Gülle sowohl im Stall als auch bei der Düngung von Nutzpflanzen in die Atmosphäre und reagiert dort mit anderen anorganischen Stoffen wie Schwefel- und Salpetersäure zu Ammoniumsulfat und Nitratsalzen. Hieraus wiederum entstehen Feinstaubpartikel. Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besonders gesundheitsschädlich.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, formulierte seine Kritik an den wissenschaftlichen Ergebnissen noch etwas deutlicher: „Feinstaub hat es in der Landwirtschaft immer schon gegeben, den wird es auch zukünftig geben.“ Die Studie müsse noch bewertet werden. „Was ich aber wirklich kritisiere, das sind die Rückschlüsse, die gezogen werden“, sagte Rukwied. Die dort enthaltene „Todesfall-Statistik“ halte er für „hochgradig unseriös“ und für „ein Stück weit unmoralisch“.

Die Grünen fordern eine intensive Beschäftigung der Politik mit der Studie. „Die Ergebnisse sind ein weiterer dringender Grund die Tierbestände in den Problemgebieten Niedersachsens zu reduzieren, nur so können wir die dramatischen Ammoniak-Werte reduzieren“, sagte die Grünen-Fraktionsvize im Landtag, Miriam Staudte. „Neben der Feinstoff-Problematik versauert Ammoniak unsere Böden, trägt zum Klimawandel und zur Überdüngung von Gewässern bei. Wir haben dringenden Handlungsbedarf bei der Ammoniakreduzierung.“

Von Marco Seng

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