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Der Norden Schluss mit dem Kükentöten? Niedersachsen zögert noch
Nachrichten Der Norden Schluss mit dem Kükentöten? Niedersachsen zögert noch
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00:18 19.05.2019
Bis zu 45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr in Deutschland getötet, weil sie nicht gebraucht werden. Quelle: Jens Wolf/dpa
Leipzig/Hannover

Der lange Streit um das massenhafte Töten männlicher Küken steht kurz vor einer Entscheidung. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig will am kommenden Donnerstag bekannt geben, ob die in der Legehennenzucht übliche Praxis mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist.

Das Land Niedersachsen möchte das Kükentöten im Prinzip beenden, zögert aber noch mit der Umsetzung. Rund ein Drittel der mehr als 45.000 Legehennen stehen hier in den Ställen.

Keine Eier mehr im Supermarktregal?

Der Verband der Geflügelwirtschaft warnt für den Fall eines Verbots vor leeren Eierregalen in den Geschäften. „Wenn hierzulande die Brütereien dichtmachen, wird es eine echte Versorgungslücke geben“, sagte der Verbandsvorsitzende Friedrich-Otto Ripke der HAZ.

Mitglieder der Tierschutzorganisation Peta protestieren vor dem Bundesverwaltungsgericht.  Quelle: dpa

Legehennen sind darauf gezüchtet, viele Eier zu legen. Sie setzen aber kaum Fleisch an, die männlichen Tiere gelten deshalb als unwirtschaftlich. Die Küken werden am ersten Lebenstag direkt nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast.

Nach Angaben von Ripke werden in den 30 Brütereien in Niedersachsen jährlich mehr als 10 Millionen männliche Küken getötet. In ganz Deutschland sind es demnach mehr als 30 Millionen Tiere. Das Bundeslandwirtschaftsministerium nennt sogar noch höhere Zahlen – demnach müssen jährlich 45 Millionen Tiere sterben.

Geschlecht kann schon im Ei bestimmt werden

Auch der Geflügelwirtschaftsverband fordert ein schnelles Ende dieser Praxis. Allerdings seien alternative Methoden noch nicht einsatzfähig. Ripke bezieht sich auf ein Verfahren, bei dem das Geschlecht der Tiere schon vor dem Schlüpfen bestimmt wird. Ausgebrütet werden dann nur die Weibchen. Für die Anschaffung solcher Geräte bräuchten kleine Brütereien zudem staatliche Unterstützung, so Ripke.

Verhandlung ging es am Donnerstag um zwei Klagen von Brütereien aus Nordrhein-Westfalen.

Ist es mit dem Tierschutzgesetz vereinbar, dass massenhaft Küken getötet werden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig muss darüber entscheiden. Quelle: dpa

Auch Niedersachsen fordert einen baldigen Ausstieg aus dem Kükentöten. Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) sagte der HAZ: „Wir möchten, dass so zeitnah wie möglich eine Methode zur Geschlechtererkennung im Ei zur Verfügung steht, die flächendeckend eingesetzt werden kann.“ Dabei gehe es nicht nur darum, früh das Ei zu untersuchen, sondern auch eine Trefferquote zu erzielen, die an 100 Prozent grenzt. Otte-Kinast hatte ursprünglich schon für Anfang dieses Jahres angekündigt, das Kükentöten beenden zu wollen. Ihre Ministerkollegin im Bund, Julia Klöckner (CDU), rechnet mit einer Serienreife der Geschlechtsbestimmung im Ei für 2020. Das besonders umstrittene Schreddern von Küken ist in Niedersachsen seit 2011 verboten. Die Tiere werden hier auch nicht mehr entsorgt, sondern in Zoos und Greifvogelgehegen verfüttert.

Der Tierschutzbund kämpft seit Langem gegen das Töten von Küken aus wirtschaftlichen Gründen. Auch Miriam Staudte von den Grünen im Landtag sagte der HAZ: „Dass jährlich Millionen von Küken in Niedersachsen vergast werden, ist nicht weiter hinnehmbar.“ Ihre Fraktion halte Zweinutzungshühner für die beste Lösung: Auch die Geschlechtsbestimmung vor dem Schlüpfen ist ihrer Ansicht nach bereits praxistauglich, wie zwei Supermarktketten in Berlin zeigten.

Alternativen zum Töten

Schon jetzt gibt es Alternativen zum Töten von Eintagsküken. So finanzieren Initiativen wie Bruderhahn die Aufzucht der männlichen Tiere durch einen Preisaufschlag von rund 4 Cent pro Ei. Erzeuger und Discounter bieten verschiedene, zum Teil regional begrenzte Programme an.

Zudem gibt es sogenannte Zweinutzungsrassen. Statt jeweils eigens gezüchteter Tiere für die Ei- und Fleischproduktion legen die Weibchen hier Eier, die Männchen werden gemästet.

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