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Der Norden Hochwasser 2017 in Hildesheim: Die Folgen sind noch immer spürbar
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Hochwasser 2017 in Hildesheim: Die Folgen sind noch immer spürbar

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19:11 20.07.2020
Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Bündnis90/Die Grünen) (M.) informiert sich zusammen mit Uni-Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich (r) und dem Uni-Baudezernenten Thomas Hanold (l) auf dem gefluteten Gelände der Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim im Hildesheimer Stadtteil Itzum (Niedersachsen) über die Hochwasserschäden. Quelle: picture alliance / Holger Hollem
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Hildesheim

Das Hochwasser 2017 richtete am Kulturcampus der Universität Hildesheim auf der denkmalgeschützten Burganlage Domäne Marienburg massive Schäden an. Stefan Krankenhagen ist Professor für Kulturwissenschaft. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht er über die dramatische Situation, schnelle Hilfe und die Lehren aus der Katastrophe.

Wie erinnern Sie sich an den Sommer 2017?

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Wir waren in der vorlesungsfreien Zeit, einige im Urlaub. Die Domäne war relativ leer, wie das in den Semesterferien so ist. Über die Medien bekamen wir furchtbare Bilder zugespielt, die zeigten, wie das Hochwasser in Hildesheim und speziell auf der Domäne Marienburg, unserem Kulturcampus, zu weitreichenden Überschwemmungen geführt hat. Als ich vier Tage später nach Hildesheim kam, bot sich wirklich ein furchtbares Bild. Das Burgtheater war vollständig aufgerissen. Es war fast schon ein pittoreskes Bild, wenn es nicht so furchtbar gewesen wäre. Der Domänenpark war ein riesiges Schwimmbad, der Hof war überschwemmt, sämtliche Gebäude im Erdgeschoss waren zerstört.

Vom Wasser der Innerste geflutet ist am 28.07.2017 der Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim im Hildesheimer Stadtteil Itzum (Niedersachsen). Quelle: dpa

Was bedeutete das?

Zerstörte Druckwerkstätten, Seminarräume, Büros, Galerieräume, Kunsträume: Uns ist damals wirklich die Grundlage für die Lehre entzogen worden. Es hat gut zwei Jahre gedauert, bis wir die Domäne mithilfe des Landes wieder auf den Stand bringen konnten, auf dem sie war. Mit den entsprechenden Hochwasserschutzmaßnahmen sind wir seit einem Jahr da, wo wir zuvor waren.

Wie groß war der Aufwand?

Es gab einen grandiosen Einsatz sowohl unseres Personals vor Ort als auch von Studierenden, die noch in der Nacht an die Domäne gekommen sind. Die Überschwemmung kam ja zwischen 6 und 7 Uhr. Ich glaube es waren etwa 15 Studierende, die geholfen haben, das was ging aus dem Erdgeschoss in die oberen Geschosse zu tragen. Sie haben damit wirklich wertvolle Hardware, Computer, Bürostühle, Schreibtische und so weiter gerettet.

„Wir fürchten natürlich, dass es wieder passieren kann“

Sind die Schäden alle beseitigt?

Das Hofcafé hat auch massiv Schaden genommen, was am Anfang noch nicht sichtbar war. Es konnte zunächst weiter betrieben werden und wird jetzt im Herbst für ein knappes Jahr geschlossen. Der Pächter zieht um ins Zentrum der Stadt Hildesheim und das Hofcafé wird saniert.

Gibt es nun ständig die Angst, dass sich so etwas wiederholt?

Wir fürchten natürlich, dass es wieder passieren kann. Das kann es ja auf jeden Fall. Ein Hochwasser kann Hildesheim und die Gebiete des Vorharzes erreichen, keine Frage. Die Sanierung ist so gewesen, das sie hochwassertauglich war. Das heißt, dass keine technischen Leitungen mehr im Boden verlegt wurden. Es wurde darauf geachtet, dass der Denkmalschutz, der für dieses Ensemble aus dem 15. Jahrhundert wichtig ist, in Einklang gebracht wird mit dem Hochwasserschutz und den Bedürfnissen einer modernen Universität. Insofern sind wir da besser vorbereitet. Wir können das Hochwasser nicht stoppen. Aber wir erwarten nicht dieselben Schäden, sollte es noch einmal so kommen. Auch im Umfeld der Domäne wird an langfristigen Hochwasserschutzkonzepten gearbeitet.

Zur Person

Stefan Krankenhagen ist seit 2011 Professor für Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Populäre Kultur an der Stiftung Universität Hildesheim. Nach dem Studium in Hildesheim promovierte er dort und in Washington. Er ist Herausgeber mehrerer Bücher, unter anderem von „Die Poesie des Fußballs“.

Von RND/lni