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Der Norden „Wir benötigen eine Landarztquote“
Nachrichten Der Norden „Wir benötigen eine Landarztquote“
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18:19 03.05.2019
In Niedersachsen fehlen besonders in ländlichen Regionen noch Hausärzte. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
Hannover

Die Versorgung mit Hausärzten ist in Niedersachsen schlechter als in vielen anderen Bundesländern. 355 Hausarztsitze sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) unbesetzt, vor allem in ländlichen Regionen. Mit 65,7 niedergelassenen Hausärzten pro 100.000 Einwohner nahm das Land Ende 2018 einen hinteren Platz ein. Noch weniger waren es nur in den Arztbezirken Westfalen-Lippe, Hessen und Sachsen-Anhalt, etwa gleich viele in Brandenburg und Baden-Württemberg. Die höchste Hausarztdichte gab es in den Stadtstaaten Hamburg (74,1), Berlin und Bremen sowie in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

„Der größte Nachwuchsbedarf steht noch bevor“, sagte ein KVN-Sprecher am Freitag in Hannover. Innerhalb der kommenden Jahre würden sehr viele Hausärzte „mit einem Schlag“ in den Ruhestand gehen. Die Kassenärzte und Teile der Landesregierung sehen eine zukünftige Landarztquote für Medizinstudenten als Möglichkeit, wirksam gegenzusteuern. „Wir benötigen eine Landarztquote“, bekräftigte KVN-Sprecher Detlef Haffke die Forderung der KVN. Nur so könne ausreichend Nachwuchs gesichert werden. Bei einer Quote vergibt das Land zehn Prozent der Medizinstudienplätze an Bewerber, die sich zu einer späteren Niederlassung als Hausarzt in einem unterversorgten ländlichen Gebiet verpflichten.

„Als Gesundheitsministerin befürworte ich die Landarztquote als zusätzliches Instrument, um einer Unterversorgung bei der hausärztlichen Versorgung auf dem Land entgegen zu wirken“, sagte Carola Reimann (SPD) der HAZ. „Sie kann die vielfältigen Maßnahmen flankieren, die in Niedersachsen zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung gestartet wurden.“

Mehr Medizinstudienplätze

Schon vor zwei Jahren hatte sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) für eine solche Quote ausgesprochen. Zehn Prozent der Studienplätze sollten künftig an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, anschließend für zehn Jahre als Allgemeinmediziner im unterversorgten Raum zu arbeiten. Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hält dagegen. Er bezeichnete die Quote gegenüber der HAZ als „nicht zielführend“: „Der Bedarf an Medizinern bezieht sich nicht allein auf Hausärzte, sondern auf die gesamte Versorgungslinie im ländlichen Raum, das betrifft Fachärzte gleichermaßen.“ Förderinstrumente sollten Ansicht des Ministers in einer späteren Phase der Ausbildung ansetzen: „Die Studierenden müssen Erfahrungen sammeln und sich aus Überzeugung für eine Tätigkeit als Hausarzt in den ländlichen Regionen entscheiden.“ Die Niedersächsische Ärztekammer hat wiederholt gefordert, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens 200 zu erhöhen. Das Land hat bereits eine deutliche Aufstockung angekündigt.

Die Landesregierung hat sich zudem darauf verständigt, nach der Hälfte der Legislaturperiode im kommenden Jahr zu überprüfen, wie viel die bisherigen Maßnahmen gebracht haben. Reimann verweist unter anderem auf ein Ende 2016 vom Land aufgelegtes Stipendienprogramm – rund ein Drittel der 60 Plätze ist nach KVN-Angaben allerdings bisher unbesetzt. Darüber hinaus bietet die Kassenärztliche Vereinigung Patenschaften von Hausärzten für Studierende an. KVN und Krankenkassen fördern dringend zu besetzende Hausarztstellen mit einem Investitionskostenzuschuss von bis zu 60000 Euro, in einigen Regionen gibt es auch eine Umsatzgarantie. Der Einsatz von Telemedizin und die verstärkte Unterstützung durch Pflegekräfte soll Allgemeinmediziner zusätzlich entlasten. Die Maßnahmen zeigen nach Einschätzung der KVN bereits Wirkung, brauchen aber nicht zuletzt wegen des langen Medizinstudiums ihre Zeit.

„Allgemein ist die Arztdichte in den Städten besser, mit Ausnahme von Wolfsburg“, heißt es beim Verband der Kassenärzte. Besonders schwierig sei es zurzeit beispielsweise in Stadthagen, im nördlichen Landkreis Celle sowie in der Küstenregion.

Förderprogramme greifen

Bundesweit gab es am Stichtag 31. Dezember 2018 insgesamt rund 148.600 Ärzte und 26.700 Psychotherapeuten, die mit einer Zulassung Kassenpatienten versorgten. Das war ein Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings werden immer mehr Mediziner benötigt, weil weit mehr Ärzte als früher Teilzeit arbeiten. Hintergrund ist laut Haffke auch der höhere Anteil an Frauen. „Wir haben in Niedersachsen knapp 70 Prozent weibliche Medizinstudierende“, sagte er. „Zukünftig brauchen wir noch mehr Ärztinnen und Ärzte, um den Standard zu halten.“

Insgesamt hat sich die hausärztliche Versorgung zwischen Harz und Nordsee allerdings verbessert. Mit Hilfe von diversen Förderprogrammen konnten laut KVN seit 2015 jährlich etwa 25 Hausarztsitze wieder besetzt werden, die teils lange vakant waren. Wie aus den neuen Daten der Ärztestatistik weiter hervorgeht, sind 15,6 Prozent der Hausärzte in Niedersachsen älter als 65 Jahre. Viele finden keinen Praxisnachfolger und arbeiten deshalb auch noch im Rentenalter, um ihre Patienten nicht im Stich zu lassen.

Einige Gemeinden in Niedersachsen haben auch zur Eigeninitiative gegriffen und selbst einen Hausarzt gesucht – wie etwa Rastede im Ammerland, das mit einem Facebook-Video einen Nachfolger für eine geschlossene Arztpraxis suchte.

Von Gabriele Schulte und Christina Sticht

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