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Der Norden Wie der Heide-Park Erschrecker für Halloween sucht
Nachrichten Der Norden Wie der Heide-Park Erschrecker für Halloween sucht
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20:00 10.09.2019
Sie spielen Horrorclowns und irre Messerwerfer: Die Mitglieder der Boo-Crew wollen Heide-Park-Besucher an sechs Tagen im Oktober gehörig erschrecken. Quelle: Boo Crew
Soltau

Um anderen Angst einzujagen, dürfen sie schreien, die Zähne fletschen und mit den Augen rollen. Zwei Dinge aber dürfen sie nicht, die Frauen und Männer, die Erschrecker im Freizeitpark werden wollen: Sie dürfen die Besucher niemals berühren oder beleidigen. Diese Grundregel lernen die Freiwilligen schon, bevor sie überhaupt Teil des Teams werden, das Besuchern des Heide-Parks Soltau an sechs Tagen im Oktober das Gruseln lehren soll.

Das Lachen muss sadistisch klingen

Ein Garant für Gänsehaut ist eine möglichst fiese Lache, erklärt Marco Schuldt den neun Horror­aspiranten, die zum Erschrecker-Casting des Vereins Boo-Crew in den Freizeitpark in der Lüneburger Heide gekommen sind. Bei den Männern und Frauen ist da noch Luft nach oben, wie eine Lachübung zeigt. „Soooo, und jetzt versuchen wir das Ganze noch ein wenig sadistischer“, sagt Schuldt.

Bei der Auswahl neuer Erschrecker will die Boo-Crew nun einmal nicht jeden nehmen, der einfach nur Spaß daran hat, wie in Kindheitstagen hinter einer Wand hervorzuspringen und „Buh“ zu schreien, während die Eltern mit Oma und Opa am Kaffeetisch sitzen.

„Wir wollen ein tolles Erlebnis bieten“

„Wir achten sehr auf die Mimik, aber auch darauf, dass der gesamte Körper im Einsatz ist“, erklärt Schuldt. Das Credo der Boo-Crew kann der 40-Jährige aus Hamburg, im Hauptberuf Techniker, klar umreißen: „Wir stehen auf Horror, wir lieben den Grusel und das Erschrecken. Wir wollen den Gästen ein tolles Erlebnis bieten, deswegen achten wir sehr auf Qualität.“

130 Erschrecker gehören zur Boo-Crew

Und das, obwohl die Boo-Crew für die Gruseleinsätze ihre Freizeit opfert – unentgeltlich. Das Team besteht, anders als bei den Heide-Park-Maskottchen, nicht aus Angestellten des Freizeitparks, sondern aus Privatpersonen. Das Erschrecken ist für sie ein Ehrenamt. „Wir sind mit viel Zeit, Liebe und Herzblut dabei“, sagt Schuldt. Vor 15 Jahren gab es den ersten Einsatz, seit 2010 ist das Team ein eingetragener Verein. Mittlerweile zählt die Boo-Crew rund 130 Mitglieder in ganz Deutschland, etwa 80 Prozent wohnen zwischen Soltau und Hamburg.

Voller Körpereinsatz: Die Show der Erschrecker muss überzeugend sein – deshalb schaut die Boo-Crew beim Casting genau hin, wie sich die Kandidaten anstellen. Quelle: Carolin George

Wer zur Gruselgruppe gehören will, muss beim Casting nicht nur sein sadistisches Lachen, sondern auch ein gewisses schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Zum Beispiel beim sogenannten „Sudden Outburst“: Bei dieser Übung geht es darum, zunächst ganz leise und ruhig zu reden, dann plötzlich laut und wie wahnsinnig herauszuplatzen und anschließend wieder genauso leise und ruhig weiterzureden, wie zuvor.

„Das ist eine echte Herausforderung, die Rolle weiterzuspielen nach dem Horrormoment“, erklärt Schuldt seinen Erschrecker-Eleven. Und er schärft ihnen ein: „Nicht aufhören! Und schon gar nicht loslachen!“ Aus der Rolle zu fallen ist genauso tabu, wie einen Gast zu beleidigen.

Boo-Crew gestaltet drei Grusellabyrinthe

Die Boo-Crew stellt nicht nur die Erschrecker, sie gestaltet auch die drei Grusellabyrinthe, die im Oktober schon vor Halloween im Freizeitpark öffnen: Im Obscuria tummeln sich Horror-Clowns, irre Messerwerfer und grausame Gewichtheber, in der neuen Attraktion Subterra können Besucher auf der Suche nach Nervenkitzel einen vergessenen U-Bahn-Schacht erkunden.

Das Horrorhaus Grand Hotel Morton öffnet am 3. Oktober

Nahe der Bobbahn öffnet das Grand Hotel Morton, das an Bate’s Motel aus dem Hitchcock-Klassiker „Psycho“ erinnert. Eigentümer Frank Morton, so das Konzept der Boo-Crew, hat dort vor vielen Jahren eine Kiste geöffnet, die er nicht hätte öffnen dürfen – und seither passieren immer wieder grausame Dinge im Hotel.

Wer diesen Frank Morton spielt, muss mehr können als ein bisschen zu erschrecken: Denn er ist nicht einfach nur böse. Immer wieder treibt ihn das schlechte Gewissen um, wenn er merkt, was für ein Mensch er geworden ist, seit er die verbotene Kiste geöffnet hatte. Keine leichte Aufgabe beim Horrorvorsprechen.

„Leute zu erschrecken macht einfach Freude“

Und so sind die Probanden an diesem Nachmittag angemessen erschöpft, nachdem sie die letzte Übung absolviert haben und auf das Ergebnis der Jury warten. „Das war wirklich anstrengend“, sagt Janet Attula, 42. Sie arbeitet bei einer Versicherung in Hamburg. „Aber es hat total viel Spaß gemacht. Ich mag Horror und diese düstere Stimmung, ich mag verrückte Sachen. Ich verkleide mich gern und schlüpfe in eine andere Rolle. Und Leute zu erschrecken macht einfach Freude, denn sie mögen das total.“

So fies wie möglich und so verängstigt wie möglich: Janet Attula und Daniel Khan beim Erschrecker-Casting im Heide-Park Soltau. Quelle: Carolin George

Erschreckerkandidat Daniel Khan, Metallgestalter aus Hannover, hat schon immer gerne Horrorfilme geguckt und sich mit der Geschichte des Horrors intensiv beschäftigt. „Horror ist immer ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt der 35-Jährige. „Er steht für kollektive Ängste, ob vor Voodoo, Atomunfällen oder Viren. Horror wird die Menschen immer reizen.“

Sechs Halloween-Events im Oktober: Heide-Park öffnet länger

Das hofft auch der Heide-Park, der die drei Horrorattraktionen erstmals am 3. Oktober öffnet. Auch an den folgenden vier Sonnabenden sowie zu Halloween am 31. Oktober ist der Park für Gruselfans bis 22 Uhr geöffnet.

Der Casting-Tag hat sich für die Boo-Crew gelohnt: Sechs neue Mitglieder hat der Erschreckerverein gewonnen – darunter auch Janet und Daniel.

Zweites Erschrecker-Casting am 29. September

Für die Halloween-Aktionen am 3., 5., 12., 19., 26. und 31. Oktober im Heide-Park sucht die „Boo-Crew“ noch Unterstützung und bietet am Sonntag, 29. September, ein weiteres Casting an.

Wer Erschrecker werden will, muss in den Verein eintreten. Die Aufnahmegebühr beträgt 5 Euro, der Jahresbeitrag 36 Euro. Der Verein erstattet den Mitgliedern die Fahrtkosten zu Erschreckerveranstaltungen und sorgt für Verpflegung. Weitere Informationen gibt es auf www.boo-crew.de.

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