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Der Norden Schwitzen mit Wumbo: So hart ist die Arbeit als Maskottchen im Freizeitpark
Nachrichten Der Norden Schwitzen mit Wumbo: So hart ist die Arbeit als Maskottchen im Freizeitpark
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19:32 09.07.2019
Haben viel Spaß mit Wumbo: Die Geschwister Lena (12) und Theo (11) Stürken aus Bremen treffen mit Cousin Thore (11, rechts) auf das Maskottchen des Heide-Parks. Quelle: Carolin George
Soltau

Sobald der braune Plüschkopf mit der roten Mütze korrekt sitzt und per Klettverschluss hinten am Hals festgemacht ist, heißt es: Ruhe bewahren. Nicht niesen, nicht husten – und auf keinen Fall lachen oder sprechen. Wer seinen Job als Riesenbär Wumbo, also als Maskottchen des Heide-Parks in Soltau, ernst nimmt, darf nichts davon preisgeben, dass in der plüschigen Hülle in Wirklichkeit ein Mensch steckt. Und wer glaubt, dass überdimensionale, lebendige Fantasiefiguren in Zeiten von Smartphones ihre Faszination verloren haben, dem sei gesagt: Wumbo hat nicht nur seinen eigenen Instagram-Account. Er ist schlicht der Popstar des Parks.

Schon in der dritten Saison als Wumbo unterwegs

Christian Struck, 21 Jahre alt, verwandelt sich heute zu dem Bären mit Schuhgröße unendlich. Dafür muss er raus aus seiner Jeans und seinem Hemd. Zum Umziehen nutzt er die Maske im Hinterbau der großen Bühne, wo sich auch die Piraten für ihre Shows im Heide-Park zurechtmachen. T-Shirt und Sporthose zieht Struck dann an, bevor er zum Bären wird, denn: „Das Kostüm direkt auf der Haut zu tragen und in den Stoff hinein zu schwitzen ist erstens nicht so angenehm und zweitens nicht so schön für die Kollegen“, erklärt der Maskottchen-Profi. Christian Struck gibt schon in der dritten Saison den Wumbo, weil er während seiner schulischen Ausbildung zum Erzieher nichts verdient.

Alles passt: Timo Maaß schließt den Klettverschluss am Hinterkopf von Wumbo, in dem der angehende Erzieher Christian Struck steckt. Quelle: Carolin George

Struck lebt in Soltau, sein bester Freund jobbte bereits im Heide-Park und gab ihm den Tipp. Da gebe es Geld zu verdienen, und man könne Kinder zum Lächeln bringen. Und was passt besser zu einem Erzieher-Azubi? Der Freund behielt Recht, und Struck weiß schon, dass er auch als fertiger Erzieher im Nebenjob weiter als Wumbo arbeiten möchte, am Wochenende oder nach Feierabend. „Es macht einfach Spaß.“ Mittlerweile stört ihn auch der Schweiß seiner Vorgänger nicht mehr. Den zu riechen, lässt sich in dem überdimensionalen Kopf gar nicht vermeiden. „Aber da muss man durch – beziehungsweise rein“, sagt der 21-Jährige und lacht. „Man gewöhnt sich daran.“ Er ist in erster Linie froh, dass die Kostüme mittlerweile anders geschnitten sind als vor einigen Jahren. „Damals konnten wir nicht allein aufstehen, falls wir mal hingefallen sind. Die Bäuche waren wie Tonnen geformt, wir hatten keine Chance.“

Wumbo ist niemals allein unterwegs

Auch wenn das jetzt anders ist: Allein geht Wumbo niemals auf Tour durch den Park, es kommt immer ein Kollege im Heide-Park-Shirt mit. Denn zu schwierig ist es im Bärenkostüm zu erkennen, ob vielleicht gerade ein Junge hinter dem riesigen Popo steht oder ein kleines Mädchen sich eine Umarmung wünscht. „Gucken wir durch die Augen, sehen wir den Himmel“, erklärt Struck. „Gucken wir durch den Mund, sehen wir den Boden. Wir müssen also ständig den Kopf bewegen, um einigermaßen alles mitzubekommen, was um uns herum passiert.“ Heute ist es Timo Maaß, mit dem zusammen Struck zum Walk-Act wird. Er hat gerade in Schneverdingen sein Abitur gemacht und jobbt in der zweiten Saison als Maskottchen. „Der Heide-Park ist extrem beliebt bei Schülern für Ferienjobs. Klar, dass auch ich mich hier gemeldet habe.“

Wumbo zu mimen, gefällt ihm sehr gut: „Wenn ich überlege, was meine Freunde im Supermarkt schleppen oder beim Kellnern ... Ich finde, das hier ist mit Abstand der allerbeste Job, den man sich vorstellen kann. Man muss halt nur der Typ dafür sein – offen und lustig.“ Trotzdem ist es in diesem Jahr seine letzte Saison als Wumbo: Ab August macht der 19-Jährige eine Ausbildung zum Elektroniker bei Lufthansa-Technik in Hamburg. „Das schaffe ich dann nicht mehr. Das ist echt schade.“ Über ihr Salär dürfen die beiden zwar nicht sprechen – aber es liege über dem Mindestlohn.

Alle mögen Wumbo: Birgit Wiegmann aus Seelze mit ihren Söhnen Moritz (10) und Jakob (5), der sich lieber hinter seiner Mutter versteckt. Quelle: Carolin George

„Sitzt alles?“, fragt Maaß, der Mensch, den mittlerweile fertigen Bären neben sich. Der hebt die Tatze, mit nach oben gestrecktem Daumen. „Okay, let’s fetz!“ Der Bär und der junge Mann machen sich auf den Weg, hinaus aus der Maske unter dem Piratenschiff, hinein in die Welt des Parks. Das ist die Welt, in der es Christian Struck, 21 Jahre alt und Erzieher-Azubi, nicht mehr gibt. Hier gibt es nur noch Wumbo. Wumbo, der die Füße beim Gehen viel höher hebt als im echten Leben und die Hände viel fröhlicher und höher nach vorne schwingt, als es ein Mensch normalerweise tut. Warum, erklärt Wumbos Partner: „Wenn ich in dem Kostüm ganz normal gehe und die Arme hängen lasse, wirkt es wie ein Roboter und kann sogar gruselig aussehen.“

Ein Foto jagt das nächste

Sobald der lächelnde Riese mit der roten Mütze den Weg vom Piratenschiff in Richtung See betritt, wird der Asphalt im Heide-Park zur Bühne. Wumbo muss noch nicht einmal winken, da stoppt schon die erste Familie: Moritz (10) aus Seelze läuft auf den Bären zu, lässt sich umarmen, und Mutter Birgit Wiegmann schießt ein Foto. Nur Jakob (5) ist das Riesenfelltier nicht ganz geheuer, er versteckt sich lieber hinter Mamis Bein. Und dann folgt Foto auf Foto: Erwachsene Männer und Frauen, Jugendliche, coole Jungs und kichernde Mädchen – alle wollen sich mit Wumbo auf ihrem Smartphone verewigen. Kaum tippt sich der Bär mit der Plüschtatze auf seine Wange, bekommt er ein Küsschen, und sobald er seine Arme ausbreitet, läuft ein Kind hinein.

Nach einer halben Stunde ist Pause

„Schön lächeln, Bär!“, sagt ein Mann, als er seine Tochter mit dem Maskottchen zusammen fotografiert. Dabei kann Wumbo ja gar nichts anderes. „Na, ist da eine Klimaanlage eingebaut?“, fragt eine Frau und lacht. Nein, ist sie nicht. Deshalb dauert ein Spaziergang von Wumbo auch nie länger als eine halbe Stunde. Dann braucht der Plüschriese eine Pause. Und wenn der Mensch im Bär doch einmal husten muss? „Dann frage ich Wumbo, ob er Hunger hat“, erzählt sein Begleiter Maaß und lacht. „Irgendetwas fällt uns immer ein, um die Situation zu retten. Die Hauptsache ist, dass die Kinder nichts merken.“

Kommunikation funktioniert ohne Worte

Für die mitunter doch notwendige Kommunikation zwischen Wumbo und seinem Begleiter haben sich die beiden jungen Männer ein paar Tricks ohne Worte überlegt. Maaß’ Hand auf Wumbos Schulter heißt: „Bleib stehen, hinter dir wuselt ein Kind herum.“ Wenn er Wumbo fragt, ob es ihm gut geht, heißt Daumen hoch: „Klar, alles in Ordnung.“ Schlackert er mit seiner Hand, bedeutet das: „Noch fünf Minuten, dann brauche ich eine Pause.“ Und zwei Hände gerade nach vorn gestreckt sind für das Duo das Zeichen für „Nichts geht mehr“. Doch gleich, wie sehr der Schweiß im Auge brennt, die Blase drückt oder der Hals vor Durst kratzt – so lange noch irgendein Kind Wumbo entdecken kann, gilt es, den Husten hinunterzuschlucken, das Brennen zu ertragen, die Blase zu ignorieren. Denn es geht darum, den Zauber zu erhalten.

Doch hinter dem Tor zum Betriebshof kann Struck sich für eine Weile von seinem zweiten Kopf befreien. Seine Haare sind nass, Stirn und Hals sind es ebenfalls. Maaß reicht seinem Kollegen ein paar trockene Tücher. Wumbos Tatze greift danach, und Struck wischt sich damit den Schweiß aus dem Gesicht. „Nach jeder Saison wiege ich ungefähr fünf Kilogramm weniger“, sagt der 21-Jährige. „Das ist kein Witz.“ Nur Wumbo, der bleibt so rund, wie er ist.

„Kaffee?“, fragt Maaß. „Bloß nicht“, antwortet sein Kollege. „Wasser! Und einen Stuhl.“ Einer mit Armlehnen darf es allerdings nicht sein. Da passt der Popo von Wumbo nicht hinein.

Das ist der Heide-Park

Gegründet 1978 von dem Schausteller Hans-Jürgen Tiemann als Vergnügungspark mit sechs Fahrgeschäften, zog der Heide-Park bereits im ersten Jahr 600.000 Besucher an – viel mehr als von der Gründerfamilie erwartet. Heute kommen jährlich um die 1,5 Millionen Menschen. Der Freizeitpark gehört zur Gruppe Merlin Entertainments und nennt sich Heide Park Resort. Längst ist der Heide-Park kein reiner Vergnügungspark mehr, sondern es gehören ein sogenanntes Abenteuerhotel und ein „Holiday Camp“ dazu. Dort übernachten die Besucher in umgebauten Bullis, also VW-Bussen der Reihe T2. In dieser Saison fährt die höchste Holzachterbahn Europas, genannt „Colossos“, nach dreijähriger, 12 Millionen Euro teurer Renovierung wieder.

Der Park zählt insgesamt mehr als 40 Fahrgeschäfte und Shows für Gäste ab drei Jahren, es gibt 16 Restaurants. Mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt das Resort ganzjährig, in der Saison wächst das Team auf 850. Rund 250 Stellen davon sind für Schüler als Ferienjobs geeignet.

Ein Tagesticket kostet an der Kasse 49 Euro, beim Kauf per Internet ist es günstiger. Es gibt zudem Saisonpässe und Jahreskarten.

Von Carolin George

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