Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Der Norden Die HAZ trauert um Rudolf Strauch
Nachrichten Der Norden Die HAZ trauert um Rudolf Strauch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:55 01.04.2019
Rudolf Strauch (1929–2019). Quelle: HAZ
Anzeige
Hannover

Unter ihm wäre diese Unterzeile nicht erschienen. „Vize“, „Ex“, „TV“ – mit den schnellen Abkürzungen der modernen, oft auch nur modernistischen Medienwelt wollte Rudolf Strauch nichts anfangen. Er war ein Sprachwächter eigener Größe – und konnte dabei ebenso pedantisch wie rheinisch-gelassen sein. Strauch agierte in vielerlei Hinsicht als ein Bonner; er lebte nicht nur die längste Zeit seines Lebens in der Bundeshauptstadt der Westdeutschen – er war dort auch zu Hause.

Nach Ausbildung und Studium, das mit der Promotion endete, kam er von den „Ruhr-Nachrichten“ über Hamburg nach Bonn, zunächst für Axel Springers „Welt“, 1972 wechselte er als Hauptstadtchef zur HAZ. Damals war er 43. Erfahren genug, um zu wissen, worum es ging – und jung genug, um mit Kraft die Zeiten von Willy Brandt, Helmut Schmidt und nicht zuletzt Helmut Kohl zu begleiten. Der Korrespondent Strauch war dabei kein eitler Schönschreiber, er analysierte klar, aber nie verletzend, war gut informiert, aber nicht schwatzhaft.

Anzeige

Wer so agiert, machte auch in Bonn Karriere. 1981 übernahm Strauch den Chefposten in der Bundespressekonferenz – war also wesentlich dafür verantwortlich, wer vor der legendären holzgetäfelten Wand in Bonn sitzen und sprechen durfte. Acht Jahre hatte er das Amt inne und gab es nur auf, weil sein Freund und Bonner Kollege Wolfgang Mauersberg inzwischen HAZ-Chefredakteur in Hannover geworden war und Strauch gern als Stellvertreter an seiner Seite haben wollte.

So übernahm der 1985 mit dem Theodor-Wolff-Preis geehrte Rheinländer mit 60 Jahren noch einmal eine neue Rolle. Bis 1993 blieb er in Hannover, prägte das Sprachverständnis der Redaktion nachhaltig – und war im Grunde schon zu Amtszeiten legendär. Um das zu erkennen, hätte es das Niedersächsische Verdienstkreuz (natürlich „1. Klasse“) nicht gebraucht, er bekam es 1994 dennoch. Und nahm es mit schmunzelnder Genugtuung. Nun ist Rudolf Strauch mit 89 Jahren gestorben. Wir denken an ihn.

Von Hendrik Brandt