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Der Norden Corona-Testlauf an der Nordsee: So lief das „Watt en Schlick Festival“ ohne Abstandsregeln
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Corona-Modellprojekt in Dangast: So lief das „Watt en Schlick Festival“

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16:12 01.08.2021
Die Band Leoniden spielt auf dem Watt En Schlick-Festival am Kurhausstrand in Dangast.
Die Band Leoniden spielt auf dem Watt En Schlick-Festival am Kurhausstrand in Dangast. Quelle: Markus Hibbeler/dpa
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Dangast

Das „Watt en Schlick Festival“ hat am Wochenende mit Livemusik auf vier Bühnen, Lesungen, Tanzen am Strand und der traditionellen Deutschen Schlickrutsch-Meisterschaft Tausende Besucher angelockt. „Bei vielen flossen einfach Freudentränen, weil sie so erleichtert waren, dass man feiern konnte“, berichtete Festivalsprecherin Sofie Buchwald am Sonntag. Sie schätzte, dass etwa 5000 bis 6000 Besucher in Dangast waren.

Zahlreiche Bands traten auf, darunter auch das Pop-Duo Milky Chance und überraschend auch AnnenMayKatereit. Die Fans tanzten ausgelassen am Strand zur Musik. Die meisten Besucher kamen aus Niedersachsen - einige machten sich jedoch auch aus Düsseldorf, Berlin oder dem Ruhrgebiet auf den Weg.

Testpflicht auch für Genesene und Geimpfte

Das Fest galt als Art Testlauf in Corona-Zeiten. „Ob Besucher, Gastronomen, Künstler, Geimpfte oder Genesene - alle wurden jeden Tag getestet“, so Buchwald. Wissenschaftler der Jade Hochschule Wilhelmshaven begleiten die Veranstaltung. Insgesamt standen bei dem Festival am Weltkulturerbe Wattenmeer rund 50 Künstlerinnen und Künstler sowie Bands auf dem Programm.

Christian Koop aus Berlin fährt mit einem Schlickschlitten im Watt. Der gebürtige Vareler ist Deutscher Meister im Schlickrutschen. Quelle: Markus Hibbeler/dpa

Zudem gingen am Sonntag im Watt vor dem Kurhaus auch 14 Athleten - neun Männer, fünf Frauen - bei der Deutschen Meisterschaft im Schlickrutschen an den Start. Sie mussten mit speziellen Holzschlitten auf rund 150 Metern Schlick um die Wette fahren.

Abstandsregeln gelten nicht

Das Modellprojekt wurde vom Landkreis mit Zustimmung des Landes Niedersachsen genehmigt. Voraussetzung war ein striktes Test- und Hygienekonzept, wie der Kreis Friesland mitteilte. Dazu wurden Teststationen auf den Campingplätzen und vor dem Einlass eingerichtet. Vor den Bühnen gab es keine Maskenpflicht und auch Abstandsregeln gab es nicht.

Zahlreiche Menschen besuchen das «Watt en Schlick Festival» am Kurhausstrand. Bis zu 6.000 Menschen werden am Wochenende erwartet. Quelle: Markus Hibbeler

Wie das Gesundheitsministerium auf dpa-Anfrage mitteilte, sind neben dem „Watt en Schlick Festival“ bislang keine weiteren Modellprojekte für Open-Air-Festivals beantragt. Vor einer Zustimmung würden die Hygiene-, Test- und Nachverfolgungskonzepte der Veranstalter von dem örtlichen Gesundheitsamt geprüft. Jedes Konzept müsse auch eine Exit-Strategie enthalten - in den meisten Fällen sei dies ein Abbruch der Veranstaltung, teilte das Ministerium mit. Eine wissenschaftliche Begleitung sei erwünscht, aber keine zwingende Voraussetzung.

Modellprojekt auch schon in Hannover

Zuletzt wurde bei einem Modellprojekt in Hannover getestet, wie Tanzveranstaltungen unter freiem Himmel in der Pandemie aussehen konnten. In der Reihe „Back to Dance“ feierten an vier Terminen maximal 600 Menschen, zweimal mit und zweimal ohne Maske. Alle hatten einen maximal zwölf Stunden alten offiziellen Corona-Test vorlegen müssen. „Es gab keine Infektionen“, sagte der Festivalsprecher des Verbandes Klubnetz, Johannes Teller, der dpa. Eine ausführliche Auswertung dieses Modellprojektes wollen die Organisatoren Anfang August vorstellen.

Nach Tellers Einschätzung gab es in Niedersachsen während der Pandemie bisher kein Festival in ähnlicher Größenordnung wie das „Watt en Schlick“, in anderen Bundesländern wie Brandenburg aber schon. Eine ganze Reihe größerer Festivals wie etwa das Hurricane in Scheeßel oder das Deichbrand bei Cuxhaven wurden bereits vor Monaten für dieses Jahr abgesagt. Veranstalter kleinerer Festivals wollen Live-Erlebnisse in diesem Sommer dagegen ermöglichen.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus im Freien insgesamt geringer ist als drinnen - allerdings nehmen Experten auch an, dass die Wahrscheinlichkeit sich im Freien anzustecken mit der infektiöseren Delta-Variante steigt. Erst Mitte Juli war zum Beispiel bekannt geworden, dass sich bei einem Musikfestival in Utrecht in den Niederlanden mindestens rund 1000 Besucher mit dem Coronavirus infiziert haben. Etwa 20 000 Menschen hatten das zweitägige Open-Air-Festival Anfang des Monats besucht.

Von RND/dpa