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Corona: Lohnt sich die Luca-App für Niedersachsen überhaupt noch?

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08:04 15.01.2022
Die Luca-App kann auf Smartphones geladen werden und hilft bei einer Corona-Infektion bei der digitalen Nachverfolgung von Kontakten.
Die Luca-App kann auf Smartphones geladen werden und hilft bei einer Corona-Infektion bei der digitalen Nachverfolgung von Kontakten. Quelle: Christoph Soeder/dpa
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Hannover

Innerhalb den kommenden sechs Wochen muss die Landesregierung entscheiden, ob die Gesundheitsämter die umstrittene Luca-App für die Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen weiter nutzen sollen. Wenn nicht, müsste Ende Februar der Vertrag mit den Betreibern der App gekündigt werden. Immerhin 3 Millionen Euro hat die bis Ende März gültige Einjahreslizenz gekostet.

Ähnliche Überlegungen wie im Sozialministerium in Hannover finden derzeit in etwa einem Dutzend Bundesländer statt. Mit Schleswig-Holstein hat ein erstes Land den Vertrag gekündigt. Nach Angaben eines Sprechers von Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) hat Niedersachsen noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Aber: „Das Luca-System hat die Erwartungen des Landes Niedersachsens grundsätzlich erfüllt.“

Luca: Kontaktnachverfolgung ohne Zettelwirtschaft

Doch zahlen sich die Kosten von 3 Millionen Euro tatsächlich aus? Die Luca-App hilft Restaurantbesitzern und Veranstaltern dabei, die gesetzlich vorgeschriebene Erfassung der Kontakte der Besucher ohne Zettelwirtschaft zu erledigen. Auch die Gesundheitsämter profitieren nach Angaben einer Sprecherin der Region Hannover: Die App könne in der Kontaktnachverfolgung eine Zeitersparnis sein, „da die Daten der Kontaktpersonen bei der Luca-App maschinenlesbar übermittelt werden und direkt im System erfasst werden können“.

Das Gesundheitsamt der Region, für etwa 1,2 Millionen Menschen zuständig und damit mit das größte Gesundheitsamt in Niedersachsen, hat allerdings von Oktober bis Dezember 2021 nur 19-mal Kontaktlisten aus der App abgerufen. Man habe in den vergangenen Monaten „vereinzelt“ auf die App zurückgegriffen, sagte eine Sprecherin. Die Nutzung sei „wie in vielen anderen Gesundheitsämtern eher abnehmend“.

Luca-App bei Omikron nicht mehr wichtig

Nicht nur bei der Region Hannover kommen also Zweifel auf, ob die App in der vierten Welle der Corona-Pandemie überhaupt noch einen konkreten Nutzen hat. Vor einem Jahr noch, als das Land die App anschaffte, sei sie bei der Kontaktermittlung gegenüber der Papiererfassung eine große Hilfe gewesen, sagt der Geschäftsführer des niedersächsischen Landkreistags, Hubert Meyer. „Die Kontaktnachverfolgung spielt in der jetzigen Phase der Pandemie aber nicht mehr die Rolle wie in der ersten und zweiten Welle. Es ist bei den Krankheitsverläufen der Omikron-Variante weder sinnvoll noch möglich, alle Kontakte zu erfassen und zu informieren.“

„Derzeit wäre eine bessere personelle und finanzielle Unterstützung der Landkreise wertvoller als eine Verlängerung der Luca-Lizenz“: Hubert Meyer, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages. Quelle: Holger Hollemann/dpa

Tatsächlich hat auch die Region Hannover mittlerweile aufgegeben, die Kontakte von Infizierten zu ermitteln. Die Benachrichtigung sollen Infizierte nach einem positiven PCR-Test selbst übernehmen. „Die Gesundheitsämter haben angesichts der sich rasant entwickelnden Inzidenzen Mühe, die unmittelbar infizierten Personen zeitnah zu kontaktieren“, erklärt Meyer.

Die App habe daher „erheblich an Bedeutung verloren“, meint Meyer. Der Geschäftsführer des Landkreistages spricht sich daher für eine Abschaffung der Luca-App aus. „Derzeit wäre eine bessere personelle und finanzielle Unterstützung der Landkreise wertvoller als eine Verlängerung der Luca-Lizenz.“ Auch aus Sicht der Region Hannover hat sich die App „nicht flächendeckend durchsetzen können“.

Von Karl Doeleke