Corona: Gewerkschaften: Lehrer und Erzieher sollen systemrelevante Berufe werden
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Der Norden Lehrer und Erzieher in Niedersachsen sind nicht systemrelevant – Kritik am Land
Nachrichten Der Norden Lehrer und Erzieher in Niedersachsen sind nicht systemrelevant – Kritik am Land
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19:52 20.04.2020
Am 27. April sollen die Schulen für die Abschlussjahrgänge in Niedersachsen wieder öffnen. Lehrer gehören bislang noch nicht zu den systemrelevanten Berufen.
Am 27. April sollen die Schulen für die Abschlussjahrgänge in Niedersachsen wieder öffnen. Lehrer gehören bislang noch nicht zu den systemrelevanten Berufen. Quelle: Jonas Güttler/dpa
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Hannover

Die für Lehrer und Erzieher zuständigen Gewerkschaften GEW und Verdi fordern von der niedersächsischen Landesregierung, die beiden Berufe als systemrelevant einzustufen. „Lehrkräfte und Schulbeschäftigte müssen in die Gruppe aufgenommen werden – mindestens in der Reihenfolge, wie sie in der Schule gebraucht werden“, sagte Laura Pooth, GEW-Landesvorsitzende in Niedersachsen. Es gebe sehr viele Anfragen von Lehrern, die nicht wüssten, wer ab dem 27. April ihre Kinder betreue. An dem Tag soll der Unterricht für die Abschlussjahrgänge wieder beginnen.

Lehrer sollen schrittweise als systemrelevant eingestuft werden

In der neuen Verordnung der Landesregierung gehörten Lehrer und Erzieher bislang ausdrücklich nicht zur Gruppe der Berufszweige von allgemeinem öffentlichen Interesse, wie der Begriff mittlerweile offiziell heißt. Sie dürfen damit auch ihre Kinder nicht pauschal in der Notbetreuung unterbringen. So funktioniere der Lehrbetrieb einfach nicht, sagt Pooth. Zum einen gebe es viele Lehrkräfte in der Risikogruppe, zum anderen einen hohen Anteil an Lehrkräften mit Kindern.

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Die Einstufung der Lehrer als systemrelevant stellt sich die Gewerkschaft so vor: In der Abfolge, in der die Lehrkräfte in die Schule zurückkehren, erhalten sie auch den Status. Explizit sollen auch alle weiteren Schulbeschäftigten wie etwa Hausmeister oder pädagogische Mitarbeiter, sofern sie für den Ablauf des Schulbetriebs von Nöten sind, nach dem selben Schema mit aufgenommen werden.

Ministerium: Liste der Berufe nicht abschließend

Sebastian Schumacher, Sprecher des Kultusministeriums, weist darauf hin, dass die Liste der Berufe nicht abschließend sei – und dass damit auch kein Rechtsanspruch begründet werden könne. Die Liste diene als Orientierungshilfe. Es komme immer auf den Einzelfall an. So mache es einen Unterschied, ob ein Pädagoge noch im Homeoffice sei oder ob er ab der nächsten Woche Schüler für deren Abschlussprüfungen vorbereiten müsse. Alleinerziehende würden auf alle Fälle unterstützt. Das gelte auch, wenn die Mutter Lehrerin sei und der Vater beispielsweise in der Pflege arbeite.

Betreut werden die Kinder auf alle Fälle in den Einrichtungen, die sie besuchen, nicht dort, wo die Eltern arbeiten. Die Entscheidung, ob eine Familie Anspruch auf Notfallbetreuung habe, liege bei den Kita-Trägern und den Schulleitungen.

„Gesundheitsschutz in Kitas muss erarbeitet werden“

Die Gewerkschaft Verdi spricht sich dafür aus, dass endlich auch Erzieher als systemrelevant gelten. „Wenn neben den anderen Branchen noch eine Gruppe diesen Begriff verdient hat, ist es diese Gruppe“, sagte Matthias Büschking, Pressesprecher von Verdi Niedersachsen. Die Auslastung der Notbetreuung werde in den kommenden Wochen steigen. Auch der Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter in den Kitas müsse dann erarbeitet werden, meint Büschking. „Kleine Kinder halten sich eben nicht an das Abstandsgebot.“

„Normalbetrieb statt Notfallbetreuung“

Hans-Joachim Lenke, Oberlandeskirchenrat und Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, kritisiert, dass die Notfallbetreuung zu kurzfristig ausgeweitet worde sei: „Zusätzliche Berufsgruppen, weitere Kriterien für besondere Härtefälle in der Notbetreuung lassen sich nicht von Freitagnachmittag bis Montagmorgen mit Trägern, Mitarbeitenden und Eltern kommunizieren.“ Es sei unerlässlich, dass die Familien Nachweise erbrächten, dass ein Elternteil für den Betrieb unerlässlich ist. „Sonst haben wir keinen Betrieb mit Notgruppen mehr, sondern Normalbetrieb.“ Wichtig sei eine einheitliche landesweite Praxis, sonst werde der Druck bei den Kita-Leitungen abgeladen.

Kinder und Mitarbeiter könnten in einer Kita nicht vollständig geschützt werden, warnt Lenke, denn in der Arbeit mit kleinen Kindern seien Nahkontakte unvermeidbar. Es habe bereits Verdachtsfälle auf Infektionsfälle sowohl bei Kindern und Mitarbeitern gegeben, sodass Einrichtungen übergangsweise geschlossen werden mussten. Durch die Lockerungen steige das Ansteckungsrisiko.

 

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