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Der Norden Braunlage plant neue Skisprungschanze
Nachrichten Der Norden Braunlage plant neue Skisprungschanze
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18:23 18.09.2018
So könnte die neue Skisprung-Anlage aussehen. Quelle: Schertel/Sternsdorff
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Braunlage

Von einem Gefühl der Ohnmacht sprechen die Mitglieder des Wintersportvereins Braunlage auch heute noch, vier Jahre, nachdem die Bagger anrückten und die Skisprungschanze auf dem Wurmberg abrissen. Die alte Schanze war marode geworden nach 92 Jahren und einsturzgefährdet, der Abriss nicht mehr zu vermeiden. Aber man stelle sich vor, einem Fußballverein würde das Stadion weggenommen.

Jetzt träumt der WSV von einer neuen Sportarena im Harz. Einer neuen Schanze am Wurmberg, die zu den acht größten in Deutschland zählen soll und auf der wieder internationale Wettkämpfe stattfinden können. Und die Pläne gehen noch weiter. „Wir kombinieren den sportlichen Hintergrund mit der touristischen Attraktion“, sagt der Vereinsvorsitzende Jens Koch. Eine Kletterwand, eine Drahtseilrutsche und ein Café im 45 Meter hohen Sprungturm sind geplant.

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Open-Air-Kino im Sommer

Aber wie das so ist, kosten große Pläne oft auch großes Geld, und nun sucht der WSV im Internet Förderer und Unterstützer, die bereit sind, in das Projekt Neue Wurmbergschanze zu investieren. Crowdfunding heißt das neudeutsch. 375 000 Euro will der WSV auf diese Weise von privaten Spendern, Vereinen und Unternehmen als Anschubfinanzierung für das Großprojekt einsammeln, das insgesamt etwa 8,5 Millionen Euro kostet. Später soll sich die Anlage finanziell selbst tragen, wie Koch erläutert – unter anderem durch Veranstaltungen und Eintrittspreise.

Ein Neubau der Schanze stand nie zur Debatte, als die alte Anlage, Baujahr 1922, abgerissen wurde. Nur ein neuer Aussichtsturm wird derzeit an der Stelle gebaut, an der einst die Schanze stand. „Der Berg ist windumtost“, sagt Braunlages Bürgermeister Stefan Grote (SPD). Die alte Wurmbergschanze thronte ungeschützt auf dem Gipfel. Die neue Anlage soll hingegen am Fuß des Berges gebaut werden, wo es nicht so windig ist. Dort stehen zurzeit vier kleinere Trainingsschanzen, die, so sieht es das Konzept vor, umgebaut und in die neue Sportanlage integriert werden. Am Ende sollen Besucher von insgesamt vier Sprungschanzen und einer kleinen Testschanze für Anfänger in die Tiefe springen können.

Grote erhofft sich von dem Neubau, dass noch mehr Touristen nach Braunlage kommen. Seit 2012 seien die Zahlen in jedem Jahr kontinuierlich gestiegen. 2017 wurden in Braunlage knapp 1,3 Millionen Übernachtungen gezählt. Für das laufende Jahr erwartet Grote einen weiteren Anstieg um 2 bis 3 Prozent. „Wir haben eine Saison gehabt wie noch nie“, sagt er.

Auch der WSV will den Tourismus weiter ankurbeln. „Der Harz boomt. Die Gäste müssen bespaßt werden“, sagt Clubchef Koch. Er denkt an ein Open-Air-Kino im Sommer, Reifenrutschen im Aufsprunghang, Konzerte oder andere Großveranstaltungen, bei denen bis zu 15 000 Zuschauer Platz finden könnten. Und sportlich würde Braunlage zurückkehren auf die große Bühne des Skispringens. Koch spricht von der deutschen Meisterschaft, die auf der neuen Schanze stattfinden könnte, dem Sommer-Grand-Prix und Wettbewerben im Continental-Cup, der zweiten Liga der Skispringer hinter dem Weltcup.

Sprünge bis zu 124 Meter soll die neue Schanze ermöglichen, deutlich weitere, als von der alten Wurmbergschanze möglich waren, wo der Rekord bei 101 Metern lang. Auf der größten deutschen Schanze in Willingen liegt der Rekord bei 152 Metern. Durch das geplante Sportzentrum hofft Koch auch, Talente nicht weiter an andere Vereine mit größeren Schanzen zu verlieren.

„Wichtiger Talentstützpunkt“

Der Deutsche Skiverband (DSV) freut sich über die Pläne. „Der Harz und Braunlage waren immer wichtige Talentstützpunkte“, sagt Horst Hüttel, der Sportliche Leiter für Skisprung und nordische Kombination beim DSV. „Es sind immer wieder tolle Talente aus Braunlage zu uns in die Kader gekommen.“ Die geplante Schanze sei zwar kleiner als die Anlagen, die beispielsweise bei der Vierschanzentournee genutzt würden. Sie sei aber eine ideale Trainingsschanze. Hüttel hat auch die Wettkämpfe an der alten Wurmbergschanze in guter Erinnerung. Er will Gespräche mit den Organisatoren vom WSV Braunlage führen und die Pläne unterstützen.

Bis zur Umsetzung ist es aber noch ein langer Weg. Noch 38 Tage läuft die Geldsammelaktion im Internet unter www.kam-on.de. Bis Dienstagabend waren der Homepage zufolge gut 22 000 Euro für die neue Schanze zusammengekommen. Förderer erhalten ein Dankeschön: Dazu zählen je nach Höhe des Geldbetrags T-Shirts, Gutscheine für die neuen Freizeitattraktionen, VIP-Sitzplätze und die Verewigung an einer Wand in der Arena. Ein besonders großzügiger Förderer kann der Arena für zwei Jahre seinen Namen geben.

Die Stadt als Träger der Anlage will laut Bürgermeister Grote erst einmal die Crowdfunding-Aktion im Internet abwarten und dann mit dem Land über weitere Unterstützung verhandeln. „Das Skispringen hat im Harz und insbesondere auf dem Wurmberg eine lange Tradition“, sagt Hans Gehrmann, Sprecher des niedersächsischen Sportministeriums, das das Engagement des WSV begrüßt. Ob eine Förderung sinnvoll sei, müsse der Landessportbund Niedersachsen entscheiden.

Von Rebecca Hürter