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Apotheken: Daran erkennt man einen gefälschten Impfpass

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09:50 16.12.2021
Keine Garantie für Echtheit: Betrüger nutzen Chargennummern, Stempel und Arzt-Unterschriften, um gefälschte Impfpässe herzustellen, die dann auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden.
Keine Garantie für Echtheit: Betrüger nutzen Chargennummern, Stempel und Arzt-Unterschriften, um gefälschte Impfpässe herzustellen, die dann auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa (Archiv)
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Hannover

Seit Einführung der 2G-plus-Regelung für viele Bereiche hat sich Zahl der gefälschten Impfausweise von deutschlandweit 3000 auf schätzungsweise mehr als 6000 in kurzer Zeit mehr als verdoppelt – Tendenz steigend. Die manipulierten Dokumente werden oftmals in Apotheken vorgelegt, um dort ein digitales Impfzertifikat zu erhalten. Nicht immer ist es leicht für die Pharmaziebranche, diese Fälschungen vor allem im Alltagsgeschäft auch zu identifizieren.

Genaue Dokumentenprüfung

„Apothekerinnen und Apotheker sind gemäß des Infektionsschutzgesetzes gesetzlich verpflichtet, die von Kunden vorgelegten Impfdokumente sorgfältig auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen“, sagt Panagiota Fyssa, Sprecherin der Apothekerkammer Niedersachsen. Grundlage seien die Eintragung im gelben Impfpass, die separate Impfbescheinigung, die beispielsweise von einem Impfzentrum ausgestellt worden ist, oder digitale Impfzertifikate über bereits verabreichte Impfungen.

Zur Sicherheit muss das Apothekenteam vorab die Identität der geimpften Person mit den Angaben eines ausweisenden amtlichen Dokuments mit dem Portraitfoto des Dokumentes abgleichen. Dasselbe gilt für die Prüfung des Genesenennachweises. In der Impfdokumentation müssen folgende Angaben vorhanden sein: Datum der Schutzimpfung, Bezeichnung und Chargenbezeichnung des Impfstoffes, Name der Krankheit, gegen die geimpft wurde, Name und Geburtsdatum der geimpften Person sowie Name und Anschrift der für die Durchführung der Schutzimpfung verantwortlichen Person.

Keine speziellen Prüfrichtlinien

Die Impfdokumentation muss von der Ärztin oder dem Arzt persönlich unterschrieben oder in Form einer qualifizierten elektronischen Signatur bestätigt werden. Statt des Namens und der Anschrift der Ärzte können auch entsprechende Angaben zu Impfzentren, mobilen Impfteams, Arztpraxen oder Betriebsärzten gemacht werden, erklärt Fyssa. Sollten diese Angaben unvollständig sein, kann die Apotheke Rücksprache mit dem Arzt oder dem Impfzentrum halten.

Die Apothekerkammer Niedersachsen erstellt keine Richtlinie zur Prüfung von Dokumenten. „Apothekerinnen und Apotheker unterliegen auch in anderen Bereichen einer Prüfpflicht und entdecken daher erfahrungsgemäß viele Fälschungen. So sehen sich Apotheker bisweilen immer mal wieder mit gefälschten Rezepten konfrontiert und müssen beispielsweise eine Medikamentenverordnung auf ihre Richtigkeit prüfen“, betont die Sprecherin.

Leerer Impfpass ist verdächtig

Es gibt allerdings einige klassische Anhaltspunkte für einen gefälschten Impfpass, die Apothekerkammern einiger Länder sowie Polizei identifiziert haben. Auffällig ist etwa, wenn viele Seiten im Impfpass frei und keine anderen Impfnachweise hinterlegt sind. Skeptisch werden Polizisten und Apotheker bei großen Entfernungen zwischen dem Ort der Impfung des angeblich Geimpften und seinem Wohnort. Und es gibt oft ein Sicherheitsmerkmal: Zumindest die neueren Impfaufkleber des Unternehmens Biontech haben ein Wasserzeichen.

Auch der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung kann Aufschluss über die Korrektheit des Impfpasses geben, sind die Unterschriften der Ärzte etwa identisch, lässt dies darauf schließen, dass beide an einem Tag unterschrieben worden sind. Auch die Chargennummer kann genauer unter die Lupe genommen werden. Apotheker können anhand den Informationen nachvollziehen, wenn eine Charge Vakzin bereits im Frühjahr geliefert, aber erst im Herbst verimpft worden sein soll.

Von Susanna Bauch/HAZ/RND