Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe gibt seine Gastronomien auf
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Der Norden Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe gibt seine Gastronomien auf
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14:04 01.05.2020
Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe gibt sein Gastronomiegeschäft vollständig auf.
Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe gibt sein Gastronomiegeschäft vollständig auf. Quelle: geh
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Bückeburg

Es ist ein Paukenschlag: Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe gibt sein Gastronomiegeschäft vollständig auf. Die Alte Schlossküche, Lilly's Brasserie und das Ausflugslokal am Idaturm, die allesamt wegen der Corona-Krise derzeit geschlossen sind, sollen nicht wieder öffnen. Etwa 35 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

„Zu einem einmaligen Ort in Bückeburg“ wolle er das Lilly's machen, hatte Alexander zu Schaumburg-Lippe bei der Eröffnung im Mai 2016 noch voller Euphorie angekündigt. Doch die ist längst einer Katerstimmung gewichen.

Das den Namen seiner Ex-Frau tragende Restaurant-Café im Schlosspark sei ebenso defizitär wie die Alte Schlossküche und der erst vor wenigen Jahren mit großem Aufwand modernisierte Idaturm. Alle drei Lokale waren vor vier Jahren gemeinsam mit der Insel Wilhelmstein in die neu gegründete Schloss Bückeburg Veranstaltungen und Gastronomie GmbH & Co. KG eingegliedert worden.

Hofkammer verzeichnet Minus von 2,4 Millionen Euro

Trotz intensiver Bemühungen und Investitionen in Höhe von rund 700.000 Euro sei es nicht gelungen, die auch vorher schon hohe Verluste einfahrenden Betriebe in die Gewinnzone zu bringen. Die Hofkammer beziffert das Minus allein für diesen Zeitraum auf etwa 2,4 Millionen Euro. 

Grob ein Drittel der Verluste gingen bis vor zwei Jahren auf das Konto des Wilhelmstein, schätzt Alexander zu Schaumburg-Lippe (siehe Kasten). Hier verhandele man seit Jahren mit den Anrainerkommunen und dem Land Niedersachsen über eine Aufteilung der finanziellen Risiken. Die Bewirtschaftung in Eigenregie wurde dort bereits eingestellt.

Doch auch die Bückeburger Betriebe seien jeder für sich nicht überlebensfähig. „Wir haben in diesem Unternehmensbereich vier Jahre hart gekämpft“, betont Hofkammer-Direktor Christian Weber, „am Ende ohne den erhofften Erfolg.“

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Corona-Krise verschärft Situation weiter

In der Vergangenheit sei es noch möglich gewesen, die Verluste durch Quersubventionierungen aufzufangen  – etwa mit Einnahmen aus der Forstwirtschaft oder Events wie Landpartie und Weihnachtszauber. Mit der hereinbrechenden Corona-Krise sei das vorbei: Die Landpartie musste wegen des Verbots von Großveranstaltungen abgesagt werden, das Export-Geschäft mit Holz sei praktisch zum Erliegen gekommen. Und die Zwangspause für die Gastronomie habe die Situation nochmals dramatisch verschärft.

„Corona war damit der letzte Nagel im Sarg“, sagt zu Schaumburg-Lippe. Ursprünglich sei die Aufgabe des Geschäftsbereichs schon Ende vergangenen Jahres beschlossene Sache gewesen. Doch weil dieser für seine Familie immer eine Herzensangelegenheit gewesen sei und ihn viel mit den teilweise langjährigen Mitarbeitern verbinde, „haben wir damals beschlossen, es noch mal zu wagen“.

Doch dann habe die Pandemie die geplante Neuausrichtung endgültig zunichte gemacht. „Um nicht andere Unternehmensbereiche zu gefährden, müssen wir jetzt konsequent handeln“, ergänzt Weber.

35 von 45 Mitarbeitern sollen Kündigungen bekommen

An diesem Donnerstag wurde die Belegschaft über die bevorstehenden Umstrukturierungen informiert. Von den 45 Mitarbeitern in der Schloss Bückeburg Veranstaltungen und Gastronomie GmbH & Co. KG sollen 35 die Kündigung bekommen.

Gemeinsam mit dem Betriebsrat werde man nach sozialverträglichen Lösungen suchen, versichert Weber. „Es ist für mich schmerzlich, dass wir diesen Weg gehen müssen“, betont zu Schaumburg-Lippe. „Auch der Abschied von bewährten Mitarbeitern fällt sehr schwer. Ich hoffe, dass es uns gelingt, ihnen allen auch in Zukunft einen angemessenen Lebensunterhalt zu ermöglichen.“

Nicht betroffen ist der Museumsbetrieb im Schloss, der fortgeführt werden soll. Zudem arbeite man bereits an alternativen touristischen Konzepten, wie es weiter heißt.

Auslastung der Betriebe reicht "bei weitem" nicht für Kostendeckung

Bleibt die Frage, warum das gastronomische Konzept nicht aufgegangen ist. Schließlich strömen jährlich zehntausende Besucher in Schloss und Park. „Das habe ich bis heute nicht verstanden“, gesteht Alexander zu Schaumburg-Lippe sichtlich ratlos. Schließlich stünden sowohl die Alte Schlossküche als auch das Lilly's für gehobene Küche, guten Service und ein attraktives Ambiente.

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Übers Jahr gesehen habe die Auslastung jedoch bei weitem nicht gereicht, um kostendeckend zu arbeiten. Das gelte vor allem für das Lilly's, sagt Tim Henrik Göhring, Chef der unter dem Dach der Hofkammer angesiedelten „Bückeburg Erlebniswelt“. Zwar sei der Biergarten an sonnigen Sommerwochenenden immer rappelvoll gewesen.

Die nur 40 Innenplätze seien hingegen speziell im Winterhalbjahr ein großes Handicap. Das gelte besonders für das wichtige Veranstaltungsgeschäft. Göhring, der als Hotelmanager in Hamburg Karriere gemacht hatte, war 2017 nach Bückeburg geholt worden, um die ambitionierten Pläne für den Ausbau des Gastronomie- und Eventgeschäfts voranzutreiben.

Schließung der Lokale ein herber Schlag für die Stadt

In einer ersten Reaktion zeigte sich Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach gleichermaßen traurig und enttäuscht. Die Schließung der drei beliebten Lokale sei ein herber Schlag für die Stadt und komme vollkommen überraschend.

„Ich wünsche mir sehr, dass noch ein Weg gefunden wird, um eine Fortführung zu ermöglichen. Wir sind gern bereit, dabei zu helfen“, so Brombach weiter. Denn schließlich müsse eine sinnvolle Nachnutzung auch im Interesse des Fürstenhauses selbst liegen.

Auch Landrat Jörg Farr bringt seine Erwartung zum Ausdruck, dass „alle Fortführungsmöglichkeiten ausgelotet werden, in welcher Form auch immer“. Er könne sich das Schloss mit seinen vielen Besuchern kaum ohne gute Gastronomie vorstellen. Mit Blick auf die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter äußert Farr die Hoffnung, dass diese „Perspektiven erhalten“.

Von Marc Fügmann

Der Wilhelmstein - wirtschaftlich „ein Klotz am Bein“

Die Bewirtschaftung der historischen Insel Wilhelmstein am Steinhuder Meer – sie ist schon immer eine Herausforderung für die Fürstliche Hofkammer gewesen. Die Zahl der Besucher ist schwer zu kalkulieren und stark witterungsabhängig. In den vergangenen Jahren hat sie zudem erheblich abgenommen, weil sich auch die Zahl der Wassersportler auf dem Binnensee mehr als halbiert hat. Hinzu kommt: Material und Personal muss aufwändig per Boot auf das nur zehntausend Quadratmeter kleine Eiland gebracht werden. All das treibt die Kosten in die Höhe.

Die Hofkammer hat in den vergangenen Jahren im großen Stil in die Aufwertung des Angebots investiert, etwa stilvolle Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen und einen Souvenirshop eingerichtet. Weil der gewünschte Erfolg nicht eintrat, ist man in Bückeburg inzwischen auf die Kostenbremse getreten. Die Restauration wurde an einen neuen Pächter übergeben, der bislang auf der Insel ganzjährig wohnende Inselvogt abgezogen, ebenso alle weiteren Mitarbeiter. Der Betrieb läuft nun auf Sparflamme. Weil der Wilhelmstein „seit Jahren wirtschaftlich ein Klotz am Bein“ ist, wie Alexander zu Schaumburg-Lippe sagt, habe man beim Land und den Anrainerkommunen eine Diskussion um eine Aufteilung des unternehmerischen Risikos angestoßen. Im Klartext: Wenn ihnen der Erhalt des Wilhelmsteins als touristisches Ziel wichtig ist, sollen sie sich an der teuren Unterhaltung beteiligen. Dafür hat die Hofkammer nach eigener Darstellung verschiedene Konzepte auf den Tisch gelegt. mf