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Der Norden Neuanfang mit 57 Jahren: Hamburger wird Altenpfleger
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57-Jähriger startet Berufsausbildung in der Altenpflege

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14:05 31.08.2020
Jörg Larisch, 57-jähriger Auszubildender zur Pflegefachkraft, unternimmt mit Brigitte Polz (77), Bewohnerin der Seniorenwohnanlage „Hartwig-Hesse-Quartier“, eine Ausflugsfahrt mit dem Lastenrad. Quelle: Georg Wendt/dpa
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Hamburg

Mit 57 Jahren etwas Neues wagen – dass das möglich ist, beweist Jörg Larisch. Der Hamburger war gut 30 Jahre Gastronom, dann begann er eine Ausbildung in der Altenpflege. „Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte“, sagt der in Buxtehude geborene Azubi der Hartwig Hesse Stiftung.

Die Dankbarkeit der alten Menschen zu spüren, gefalle Larisch an dem Beruf. Nun befindet er sich im zweiten Lehrjahr. Der Start in der Berufsschule fiel ihm nicht leicht – nicht zuletzt, weil der Altersunterschied zu seinen Mitschülern groß war. „Das sind Generationen“, sagt Larisch.

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Der 57-jährige Jörg Larisch drückt noch einmal die Schulbank – zusammen mit Jugendlichen. Quelle: dpa

Theorie und E-Learning

„Im Praktischen bin ich sicher besser als im Theoretischen“, gibt der Hamburger zu. Es sei ihm anfangs schwer gefallen, acht Stunden in einem Klassenraum zu sitzen. In der Corona-Krise kam ein weiteres Problem hinzu: „Mit E-Learning hatte ich Probleme“, sagt der älteste Lehrling der Hartwig Hesse Stiftung.

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Die Stiftung bietet Bedürftigen stationäre und ambulante Pflege. Larisch absolviert seine Ausbildung beim ambulanten Pflegedienst in Hamburg-Mitte und fährt von Haus zu Haus. Einige Aufgaben kann er schon alleine übernehmen: Körperpflege, Kompressionsstrümpfen anziehen, Blutdruck messen oder die Pflegebedürftigen anders positionieren, damit keine Druckstellen entstehen.

Außerdem macht er mit Senioren Ausflüge: Er strampelt auf einem Transportfahrrad, das von den Mitarbeitern liebevoll „Rikscha“ genannt wird. So auch an diesem sonnigen August-Tag. Er fährt eine Bewohnerin aus den Wohnanlagen der Stiftung an die Alster. „Das ist schön. Ich war schon lange nicht mehr an der Alster“, sagt die 77-jährige Brigitte Polz. Sie finde es toll, dass Larisch in seinem Alter noch eine Ausbildung begonnen hat. „Sehr mutig“, sagt sie anerkennend und genießt den Blick aufs Wasser.

Jörg Larisch bereitet Brigitte Polz (77) für eine Ausflugsfahrt mit dem Lastenrad „Hartwig-Hesse-Rikscha“ vor. Quelle: dpa

Übernahme steht fest

2019 arbeiteten in der Kranken- und Altenpflege nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 1,7 Millionen Menschen. Aktuell seien fast 40 000 Stellen aber unbesetzt. „Herr Larisch ist ein ganz wertvoller Mitarbeiter, seine Übernahme ist bereits besiegelt“, sagt Verena Meier, bei der Stiftung verantwortlich für Marketing.

Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie bekamen Pflegekräfte viel Aufmerksamkeit und Applaus. „Damals hatte ich Gänsehaut“, berichtet Larisch. „Ich fand es schön, dass jetzt begriffen wird, was wir leisten. Ich bin mir nur nicht sicher, wie viele ernst gemeinte Klatscher dabei waren.“ Doch es gebe auch viele andere Berufe, die zu wenig Anerkennung erhielten. „Unsere Gesellschaft nimmt heute vieles zu selbstverständlich“, sagt der Auszubildende.

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Suche nach einem neuen Beruf

Mit 57 Jahren sehnen viele schon die Rente herbei. Larisch setzt auf einen Neuanfang? „Die Gastronomie war mein Leben. Ich war in Berlin, auf Amrum – ich bin viel rumgekommen.“ Larisch arbeitete als Koch und Kellner. „Als ich 1978 in die Gastronomie ging, gab es noch eine Wertschätzung beiderseits.“ Doch der Umgang der Gäste mit dem Personal habe sich gewandelt. „Irgendwann war es nicht mehr das, was ich wollte“, berichtet Larisch. Bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz landete er zuerst in einem Call-Center. „Das war mit Abstand die schlimmste Erfahrung, die ich gemacht habe.“

Ein Bekannter riet ihm, einen Betreuungsschein zu machen. „Er sagte, Du kannst doch gut mit Menschen umgehen“, erinnert sich Larisch. Nach einer dreimonatigen Weiterbildung fing er bei der Hartwig Hesse Stiftung an. An seinem Einsatzort in der Tagespflege Hamburg-Hohenfelde machte er Spaziergänge oder Gymnastik mit Senioren – durfte aber keine Pflegeaufgaben übernehmen. Dort sei er neugierig auf den Beruf geworden, so Larisch. Schließlich entschied er sich für eine Ausbildung.

In ihrer Wohnung bekommt Brigitte Polz den Blutdruck gemessen. Quelle: dpa

Mehr Umschulungen als Ausbildungen

„Startet jemand mit über 50 Jahren mit einer klassischen Berufsausbildung, dann ist das eher die Ausnahme“, sagt der Sprecher der Agentur für Arbeit Hamburg, Knut Böhrnsen. „Wir gehen von etwa 20 Männern und Frauen aus, die sich derzeit in dieser Altersgruppe auf die Berufsschulbank setzen.“ Die Arbeitsagentur qualifiziere aber nicht selten Arbeitslose über 50 Jahre. „Wir nennen solche Weiterbildungen Umschulung, die maximal zwei Jahre dauern.“

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Krankheit und Tod – in seinem Job wird Larisch mit schwierigen Themen konfrontiert. Es habe aber nie einen Moment gegeben, in dem er an seiner Entscheidung gezweifelt habe, betont er: „Ich habe kein Problem mit dem Sterben.“ Er überlege, nach der Ausbildung einen Zusatzlehrgang zur Palliativpflege zu machen. Sollte Larisch fit bleiben, will er auch nach Erreichen des Rentenalters noch weiterarbeiten. „Ich möchte noch eine Beschäftigung haben. Es ist ein tolles Gefühl, jemandem helfen zu können“, bekräftigt er.

Von RND/dpa/Stephanie Lettgen