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Aktuelles Ersetzt Künstliche Intelligenz bald den Jobvermittler?
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12:00 03.03.2020
Mithilfe von KI kann die Jobvermittlung automatisiert ablaufen. Fühlen sich Bewerber aber diskriminiert, müssen Unternehmen ihre Auswahl immer gut begründen können. Quelle: Ralf Hirschberger/ZB/dpa/Illustration
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Düsseldorf

Weil Unternehmen für ihre Personalauswahl zunehmend Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen, warnt ein Experte davor, der Technik zu große Entscheidungsmacht zu geben.

"Das ist ein großes Problem bei der Nutzung von KI: Wie trainiert man sie? Der Lernprozess ist sehr wichtig", betonte Wolfgang Brickwedde, der das Institute for Competitive Recruting in Heidelberg leitet und Unternehmen bei der Personalgewinnung berät.

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Automatisierte Datenauswertung

"Wir setzen auf die Macht der Daten", sagt Timm Lochmann, der bei der Jobplattform Stepstone für alles zuständig ist, was mit diesen Daten zu tun hat. Dass Jobsuchende Anzeigen durchforsten oder Arbeitgeber Headhunter engagieren, um Talente zu finden, hält man bei der Jobplattform für überholt. "Wir wollen die perfekten Matches finden", erklärt Stepstone-Chef Sebastian Dettmers. "Wir sind ja quasi eine Partnerbörse, oder eine Seitensprung-Börse, im beruflichen Bereich." Anhand automatisierter Auswertungen versucht man zu ermitteln, welche Bewerber am optimalsten auf einzelne Ausschreibungen passen - ohne dass diese das selbst entsprechend artikulieren oder aktiv suchen müssen.

Stellt ein Unternehmen auf Stepstone eine Stellenanzeige ein, kann ihm mittels KI-Lösungen direkt eine Handvoll passender Kandidaten angezeigt werden. Umgekehrt bekommen Bewerber Anzeigen angezeigt, von denen die KI ermittelt hat, dass sie sie interessieren können. Dabei wird alles an Daten ausgewertet, die der Nutzer hinterlässt: freiwillige Angaben zur Person, aber auch vergangene Suchanfragen, Aktivität oder auch Anzeigen oder Webseiten, die Nutzer anklicken.

"Die Jobsuche zu vereinfachen, halte ich für ein extrem wichtiges Thema - gerade in Zeiten des Fachkräftemangels", sagt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, der sich bei am Düsseldorfer Hauptsitz von Stepstone die Technik erklären lässt. Dass es viele Menschen gebe, die unglücklich in ihrem Job seien, zeige, dass es Nachholbedarf gebe. In KI-Lösungen sieht Pinkwart eine "mögliche Lösung für ein Problem, das immer virulenter wird".

Jobvermittlung durch KI birgt Risiken

Gerade Großkonzerne setzen beim Recruiting große Hoffnungen in Künstliche Intelligenz. Dass das auch nach hinten losgehen kann, zeigt ein Fall bei Amazon: Eine KI gab - auf Basis einer Auswertung vergangener erfolgreicher Einstellungen - nur männlichen Bewerbern von ausgewählten Hochschulen eine Chance. Frauen und andere Menschen, die diesem Schema nicht entsprachen, fielen durchs Raster.

"Dann kommt man in Teufelsküche als Arbeitgeber", meint der Experte Brickwedde. Wenn ein Bewerber sich diskriminiert fühle und ein Unternehmen die Absage nicht begründen könne, da eine Künstliche Intelligenz entschieden habe, sei das ein ernstes Problem. Daten-Experte Lochmann von Stepstone ist das Problem bewusst: Man versuche, solche Risiken zu antizipieren und bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenzen bewusst gegenzusteuern. Ob das klappt? Brickwedde mahnt dabei zur Gründlichkeit - denn: "Wenn die KI einmal losgelassen wird, kann man erstmal nichts mehr ändern."

dpa