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Lesermeinung Lesermeinung: „Bronleewe war Stütze der NS-Diktatur“
Mehr Meinung Lesermeinung Lesermeinung: „Bronleewe war Stütze der NS-Diktatur“
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21:43 21.05.2020
Die Übergabe der Stadt Peine an die Amerikaner vor 75 Jahren (von links): Captain Daniel A. Grundmann, Dolmetscher Hans-Michael Finger, der kommissarische Landrat Max Heinemann, Bürgermeister Dr. Wiard Bronleewe und Krankenhausdirektor Dr. Heinrich Meyeringh. Quelle: Archiv Karl-Heinz Heineke
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Kreis Peine

Ob der Peiner Bürgermeister Dr. Bronleewe „Charakter“ gezeigt hat, als er beim Herannahen der alliierten Truppen nicht Richtung Harz geflohen ist, oder vielmehr höchst eigennützige Motive verfolgte, können wir allein aus seinen Nachkriegsaussagen heraus nicht mehr beurteilen.

Aus der Forschung ist bekannt, dass hochrangige NSDAP-Funktionäre vielerorts diesen Abwägungsprozess getroffen haben, und nicht wenige entschieden sich dafür, zu bleiben, sich Zivilkleidung anzuziehen und den Alliierten als unbelastete Verwaltungskräfte zu präsentieren. Das Risiko konnte Wiard Bronleewe als führender Nationalsozialist der Stadt gut einschätzen.

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Eine andere Frage ist, was die jüdischen Familien aus Peine denken würden, wenn sie die einseitige und kritiklose Würdigung so entscheidender Stützen der NS-Diktatur wie Bronleewe oder Hans Michael Finger lesen würden. Vor allem bei der Verteilung des jüdischen Besitzes nach der Deportation spielten beide eine ausschlaggebende Rolle. Aber wir können nicht mehr erfahren, was die Angehörigen der jüdischen Familien darüber denken. Die meisten von ihnen wurden ermordet und sie haben anscheinend in ihrer Heimatstadt keine Stimme mehr, sind vergessen.

Lesen Sie mehr: Vor 75 Jahren: Peine wurde kampflos an US-Truppen übergeben

Von Dr. Jens Binner

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