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Gesundheit Checkliste: So reisen Herzpatienten sicher
Mehr Gesundheit Checkliste: So reisen Herzpatienten sicher
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10:52 11.08.2019
Sicher in den Urlaub: Herzpatienten sollten sich drei Wochen vor einer Reise ärztlich untersuchen lassen (Symbolbild). Quelle: Monika Skolimowska/dpa
Hannover

Über 1,67 Millionen Menschen werden in Deutschland jährlich wegen einer Herzerkrankung in eine Klinik eingewiesen. Zwischen drei bis vier Millionen Menschen sind akute Herzpatienten. Die Dunkelziffer sei aber vermutlich wesentlich höher, vermutet Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Trotz ihrer Erkrankung wollen die Betroffenen in den Urlaub fahren – manche müssen es gar aus beruflichen Gründen.

Eine gute Planung ist das A und O

Für Meinertz ist das Reisen als Herzpatient grundsätzlich erst einmal kein Problem. „Wer herzkrank ist, kann in der Regel völlig normal reisen, sollte aber mit seinem behandelnden Arzt mindestens drei Wochen vor Reisebeginn einige wichtige Punkte klären.“ Dazu zähle zum Beispiel, welches Reiseziel bei welcher Herzkrankheit geeignet ist, wie der Impfstatus aussieht oder die Frage, welche kardiologische Versorgung bei Zwischenfällen am Urlaubsort möglich ist.

Wichtig sei vor allem, die Reise gründlich zu planen, um Überlastungen und Stress zu vermeiden. Häufig komme es durch Vorbereitungen und Anspannung im Vorfeld der Reise zu Herzrhythmusstörungen, die es dringend zu vermeiden gilt, so der Kardiologe.

Vorsicht bei Urlauben in den Bergen

Gerade bei Reisen in die Berge sollten einige wichtige Punkte beachtet werden, da sie aufgrund des geringeren Sauerstoffgehalts in der Luft zu Problemen führen können. Die Höhe sei eine Zusatzbelastung für den Herzmuskel und betreffe vor allem Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen, so die Deutsche Herzstiftung. In diesem Fall könnten einzelne Herzmuskelbereiche, die aufgrund der Erkrankung weniger durchblutet sind, nicht mehr genügend Wasserstoff erhalten. Im Extremfall kommt es zu einem Herzinfarkt. Trotzdem müssen Bergliebhaber mit Herzproblemen nicht auf einen Skiurlaub oder einen Wanderurlaub verzichten, schließlich sei Bewegung gut, um ein Voranschreiten der Erkrankung zu verhindern. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt einen Check beim Hausarzt, inklusive eines Belastungs-EKGs. Zur Kontrolle sollte eine Pulsuhr mitgenommen werden, die vor zu hoher Herzfrequenz warnt.

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Auch die Höhenlage des Urlaubsortes ist bei einer solchen Reise entscheidend: Gebirge mit bis zu 1500 Höhenmetern seien unproblematisch. Höhen ab 2500 Metern sollten dagegen nicht überschritten werden. Zudem sollte die Außentemperatur nicht unter minus fünf Grad Celsius betragen. Wichtig ist bei allen Reisen – aber vor allem bei Urlauben ins Gebirge – eine Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Tagen: Je höher die Lage ist, desto höher steigt auch der Bluthochdruck, so Meinertz. Der Patient ist medikamentös nicht auf diese Höhenmeter eingestellt, sodass vorher mit einem Arzt darüber gesprochen werden sollte. „Ganz wichtig ist das Mitführen eines Blutdruckmessgerätes, um den Blutdruck regelmäßig prüfen zu können“, betont der Experte.

Keine Fernreise für Patienten mit extremer Herzschwäche

Vorsicht ist auch bei Langstreckenflügen geboten. Diese sollten nur zurückgelegt werden, wenn der Patient belastbar genug dafür ist. Andernfalls kann es durch Druckabfall im Flugzeug sowie die fehlende Bewegung an Bord zu Problemen kommen. Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche wird dagegen von einer Fernreise abgeraten.

Bei langen Autofahrten gilt es, diese bewusst zu planen. „Am Besten ist es, alle drei bis vier Stunden eine Pause zu machen und spazieren zu gehen“, sagt Meinertz. Zudem sollte der Herzpatient nicht die komplette, sondern nur Teilstrecken am Steuer zurücklegen.

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In Ländern mit extrem hoher Luftfeuchte und hoher Hitze rät Meinertz von körperlichen Aktivitäten im Freien ab. „Herzpatienten können die Hitze nicht so gut abstrahlen“, macht er deutlich. Ähnliches gilt für Länder wie Namibia, in denen in den Sommermonaten Temperaturen von um die 40 Grad herrschen. Auch hier sollten übermäßige Aktivitäten vermieden werden.

Keine Reise kurz nach einem Infarkt oder einer Operation

Allgemein zusammengefasst sagt Meinertz, dass das veränderte Klima und der Wechsel von Zeitzonen sehr belastend für Herzpatienten sein können. Wenn der Betroffene jedoch „ohne große Beschwerden 100 Watt auf einem Fahrrad“ schaffe, sei er für eine solche Reise belastbar genug. Dagegen grundsätzlich von einer Reise Abstand nehmen sollten Personen, die beispielsweise kurz zuvor einen Herzinfarkt erlitten haben oder eine Bypass-OP hatten. In diesem Fall ist das genaue Vorgehen mit einem Arzt zu besprechen.

Checkliste für Herzpatienten, die eine Reise planen

Im Folgenden finden Sie eine Checkliste, die Herzpatienten vor einer Abreise durchgehen sollten.

– Ist ein Notfallausweis vorhanden?

– Fand drei Wochen vor der Reise eine ärztliche Untersuchung statt?

– Wurden der letzte Arztbrief und Unterlagen wie der Schrittmacherausweis eingepackt?

– Wurden gegebenenfalls Geräte wie der Schrittmacher kontrolliert?

– Wurden Medikamente inklusive Beipackzettel eingepackt?

– Wurde sich um Telefonnummern von einem Arzt, einer Klinik und einem Kardiologen am Urlaubsort gekümmert?

– Ist eine Auslandskrankenversicherung vorhanden?

– Wurde der aktuelle Impfstatus besprochen?

– Als Herzklappenpatient: Wurde der INR-Wert überprüft und ist der Gerinnungsausweis dabei?

– Als Patient mit Defibrillator: Ist eine Adresse von einem Ansprechpartner im Urlaubsland vorhanden?

– Haben Patienten mit Herzschwäche und Bluthochdruck die Anpassung der Medikamente mit dem Arzt besprochen?

– Betroffene können bei der Deutschen Herzstiftung ein kostenloses Reise-Set inklusive Notfallausweis, Reisetipps und einem Sprachführer für den Herznotfall im Ausland bestellen (Telefon: 069 – 955128400).

Von Cecelia Spohn/RND

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