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Rechtstipp Rückwärts aus der Einfahrt: Bei Kollision droht Alleinschuld
Mehr Auto & Verkehr Rechtstipp Rückwärts aus der Einfahrt: Bei Kollision droht Alleinschuld
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17:57 02.01.2020
Auch wer vorsichtig aus der Einfahrt rückwärts fährt, haftet im Zweifel allein. Das entschied das Landgerichts Itzehoe. Quelle: Markus Scholz/dpa
Itzehoe

Auch wer sein Auto sehr vorsichtig aus einer Einfahrt rückwärts auf die Straße fährt, haftet bei einer Kollision im Zweifel allein. Das zeigt eine Entscheidung des Landgerichts Itzehoe (Az.: 6 O 336/17), auf die der ADAC hinweist. Fahrer sollten einen Einweiser um Hilfe bitten.

Der Fall: Eine Autofahrerin wollte rückwärts aus der Ausfahrt ihres Grundstücks herausfahren. Die Sicht war durch Bewuchs eingeschränkt. Langsam tastete sie sich aus der Einfahrt, als sich ein anderes Auto näherte, dessen Fahrerin nicht mehr bremsen konnte. Auf der Straße kam es zur Kollision - und beide Beteiligten forderten Schadenersatz.

Die Fahrerin des auf der Straße fahrenden Autos meinte, sie sei im Rahmen der Verkehrsregeln unterwegs gewesen. Das sah die Frau, die aus ihrer Einfahrt herausrangiert war, anders. Sie argumentierte, ihr Auto habe bereits gestanden, als es krachte. Auch wenn die andere Dame Vorfahrt hatte, hätte sie nicht einfach in ihr Auto hineinfahren dürfen. Wegen der schlechten Sichtverhältnisse an der Unfallstelle seien auch die - erlaubten - 50 Stundenkilometer zu schnell gewesen.

Letztlich klagte die Frau, die aus der Ausfahrt herausgefahren war, weil die Versicherung ihrer Unfallgegnerin nicht zahlen wollte. Doch das Landgericht wies ihre Klage ab.

Besondere Sorgfalt beim Rückwärtsfahren

Das Gericht begründete die Ablehnung so: Das Eigenverschulden der Klägerin sei derartig groß, dass sie keinen Schadenersatz fordern könne. Wer rückwärts fährt, müsse so sorgfältig sein, dass andere nicht gefährdet oder geschädigt werden. Bei schlechter Sicht müssen sich Autofahrer schlimmstenfalls einweisen lassen - gerade weil die Frau aus einer Einfahrt in den Fließverkehr einfädeln wollte, hätte sie umso sorgfältiger sein müssen.

Anhaltspunkte dafür, dass die andere Fahrerin das Fahrzeugheck aus einiger Entfernung bereits hätte wahrnehmen können und somit "sehenden Auges" in das Auto gefahren sei, gab es nicht. Auch das Argument, Tempo 50 sei unangepasst gewesen, wurde vom Gericht zurückgewiesen: So viel war dort eben erlaubt.

Nach Einschätzung des Gerichts sei die Frau, die rückwärts aus der Einfahrt kam, somit allein verantwortlich für den Unfall.

dpa

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