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Lengede/Vechelde/Wendeburg Versuchter Totschlag in Woltwiesche
Kreis Peine Lengede/Vechelde/Wendeburg Versuchter Totschlag in Woltwiesche
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08:17 02.06.2018
Wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung müssen sich derzeit vier junge Männer vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Quelle: Janine Kluge
Woltwiesche/Hildesheim

„Ich habe die Kontrolle verloren“, gab einer der Angeklagten gleich zu Prozessbeginn zu. „An diesem Tag ist in meinem Kopf etwas passiert, das noch nie passiert ist.“ Immer wieder habe er mit voller Wucht auf den Kopf des einen Opfers eingetreten, versuchte schließlich, eine Wodka-Flasche auf dessen Kopf zu zertrümmern. Eine Brutalität, die er selbst von sich bis dahin noch nicht kannte, meinte er. Berauscht von zu viel Alkohol.

Doch zunächst ein Blick zurück: Im Dezember 2017 hatten sich die vier Angeklagten in einer Gartenlaube in Woltwiesche getroffen, um bei Wodka und Energydrinks Musik zu hören und zu feiern. Mit dabei waren auch ein weiterer Freund sowie zwei Mädchen. „Wir hatten sechs Flaschen Wodka und sechs Flaschen Energydrink – wir tranken alles komplett leer“, schilderte einer der Angeklagten.

Der Ursprung der Prügelattacke

Als er sich gegen 4 Uhr an einer Hecke erleichterte, sei er auf die beiden Männer aus Lengede getroffen. Ein beleidigender Spruch sei gefallen. „Ich fragte ihn, warum er so etwas zu mir sagt. Aber ich habe ihn nicht verstanden. Ich glaube, er war ziemlich betrunken“, schilderte der 18-jährige Angeklagte weiter. Schließlich habe er den Lengeder geschubst, worauf dieser ihn ins Gesicht geschlagen habe. Dann seien die weiteren Angeklagten dazu gekommen – die brutale Prügelattacke nahm seinen Lauf.

Während zwei der jungen Männer den einen Mann immer wieder schlugen und auf den Kopf traten, vergingen sich die anderen beiden Angeklagten an dem zweiten Opfer. Immer wieder traten sie auf die Köpfe ein, schließlich griff der 18-Jährige zur leeren Wodka-Flasche und schlug damit zu, zwei weitere Angeklagte taten es ihm gleich, bis sie zerschmetterte.

Die Mädchen und der weitere Freund hätten immer wieder geschrien, dass es reicht. So sagten es die beiden jüngeren Angeklagten aus und so bestätigte es auch der Polizeihauptkommissar, der beim Prozessauftakt angehört wurde. „Ihr prügelt sie tot“, hätten die Mädchen hysterisch geschrien.

Krankenwagen oder Polizei wurden nicht alarmiert

Ein Krankenwagen oder gar die Polizei wurde aber nicht alarmiert – von niemanden. Aus Angst vor einer möglichen Strafverfolgung? Oder wurden die passiven Partybesucher gar von den Schlägern bedroht? Diese Frage konnte das Gericht am Freitag noch nicht klären.

Das jüngste Gruppenmitglied war zum Tatzeitpunkt noch 17 Jahre alt. Er machte am Freitag über seinen Anwalt eine Aussage. „Mein Mandant hat das Geschehen zunächst beobachtet, schließlich trat auch er zu“, gab er an. Als sich sein Opfer erheben wollte, habe er wieder und wieder auf ihn eingetreten. „er sah so etwas in anderen Filmen, es kam ihm ritualisiert vor“, erklärte der Anwalt.

Irgendwann seien beide Opfer bewusstlos liegen geblieben. Seinem Mandanten sei sofort bewusst gewesen, dass das zu viel war. Trotzdem ging er mit seinen Freunden nach Hause – wohl wissend, dass die Männer lebensgefährlich verletzt sich selbst überlassen waren.

Einer der Angeklagten bot eine Entschädigung an

Alle vier Angeklagten entschuldigten sich bei den Opfern für die Tat, der Jüngste der Gruppe verfasste an einen der Männer einen Brief. Darin bat er um Verzeihung für sein „unerklärliches Verhalten“ und bot eine Entschädigung von 1000 Euro an. Der 30-Jährige lehnte diese ab.

Die Verhandlung wird am 25. Juni mit der Anhörung weiterer Zeugen und eines Gutachters fortgesetzt. Weitere Termine sind der 27. Juni sowie der 2., 6. und 9. Juli.

Aussagen der Opfer

Beim Prozessauftakt gegen vier junge Männer aus Salzgitter wegen versuchten Totschlags wurden auch die beiden Opfer der brutalen Prügel-Attacke angehört.

Die beiden 30 und 39 Jahre alten Männer erlitten Schnittwunden, Hämatome und ein Schädelhirntrauma. Doppelter Jochbeinbruch, Oberkieferbruch, eine zertrümmerte Nase und kaputte Zähne – die Liste der Verletzungen ist lang. Während der 30-Jährige noch am Tag nach der Tat auf eigenen Wunsch das Krankenhaus verließ, lag der 39-jährige Produktionsmitarbeiter auf der Intensivstation.

Beide Männer leiden seit der Attacke unter Schlafstörungen. Anhaltende Schmerzen und ein Druck im Kopf reihen sich ein neben der Angst. „Ich bin seither noch mehr überfordert als ich es ohnehin schon bin“, sagte der arbeitssuchende 30-Jährige, der nach eigenen Angaben psychisch labil ist. Leise nuschelte er in seine Hände, die Finger kratzten immer wieder über die Tischplatte, die Beine zappelten nervös.

„Ich fühle mich auch heute hier nicht wohl“, sagt er. „Das ist keine gute Situation.“ Der Lengeder gab an, von hinten mit einem Schlag mit der Flasche überrascht worden zu sein. Provoziert hätte er niemanden. „Als ich zu Boden ging traten sie auf meinen Kopf ein als wäre es ein Fußball. Irgendwann wurde es dunkel.“

Das 39-jährige Opfer konnte sich vor Gericht nicht sehr detailliert äußern – ihm fehlt nach eigenen Angaben jegliche Erinnerung an das Tatgeschehen.

Von Janine Kluge

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