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Lengede/Vechelde/Wendeburg „Stolperstein“ für Opfer der Euthanasie-Morde im Nationalsozialismus
Kreis Peine Lengede/Vechelde/Wendeburg „Stolperstein“ für Opfer der Euthanasie-Morde im Nationalsozialismus
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00:20 05.05.2019
Hermine und Otto Flügel bei ihrer Verlobung im Jahr 1922. Quelle: Kreisheimatbund Peine
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Klein Lafferde

Im Jahr 1941 wurde Otto Flügel aus Klein Lafferde durch das NS-Regime umgebracht, da er als „psychisch krank“ galt. Flügel steht stellvertretend für die noch unbekannten Opfer der Euthanasie-Morde während des Dritten Reichs im Landkreis Peine. Am Dienstag, 7. Mai, verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig den „Stolperstein“ für Otto Flügel an der Schmiedestraße in Klein Lafferde.

Demnig verlegte im Landkreis Peine bereits über 30 „Stolpersteine“ – nun kommt zum ersten Mal einer für die Opfer der Euthanasie-Morde hinzu. Otto Flügel wurde am 12. Mai 1941 in die Landesanstalt Pirna-Sonnenstein eingeliefert und dort in einer Gaskammer getötet. Dabei hatte Flügler dem NS-Regime keinen Widerstand geleistet, er war auch kein Jude oder Sinto, gehörte also nicht zu den typischen Opfergruppen während der Zeit des Nationalsozialismus.

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Flügel landete auf Todesliste

Der Klein Lafferder erlebte die Schrecken des Ersten Weltkriegs, wurde arbeitslos und verlor seinen Sohn kurz nach der Geburt. Im April 1933 ließ Hermine Flügel ihren Mann aus Sorge in der Pflegeanstalt Hildesheim unterbringen, wo er mit starken Medikamenten behandelt und schließlich einfach ruhiggestellt wurde. 1939 wurde das Programm der Nationalsozialisten zur Ermordung psychisch Kranker und Behinderter umgesetzt – und auch Flügel landete auf einer der Todeslisten.

In Gedenken an Otto Flügel wird der „Stolperstein“ am Dienstag, 7. Mai, ab 9.30 Uhr in Klein Lafferde an der Schmiedestraße 9 verlegt. Bei der Zeremonie anwesend sind auch Angehörige Flügels. Es sprechen ein Enkel Burkhard Behme, die Bürgermeisterin der Gemeinde Lengede Maren Wegener, die Ortsbürgermeisterin von Klein Lafferde Gerlinde Perschall und für die Kirchengemeinde Berend Kleingeist. Schüler der IGS Lengede, die sich mit dem Schicksal von Otto Flügel beschäftigt haben, werden an sein Leben und seine Ermordung erinnern. Organisiert wurde die Verlegung des Stolpersteins von Peter Baumeister vom VVN-Bund der Antifaschisten.

Vortrag im Kreismuseum am 6. Mai

Einen Tag zuvor. am Montag, 6. Mai, gibt es zu dem Thema ab 19.30 einen Vortrag im Kreismuseum Peine. Der Historiker Dr. Jens Binner spricht in der Reihe des Kreisheimatbundes über das Leben von Otto Flügel und ordnet die Ereignisse in den allgemeinen Zusammenhang ein. Er informiert über Vorgeschichte und Ablauf der Mordaktionen, wobei Flügel jedoch im Mittelpunkt steht. Der Eintritt ins Kreismuseum ist frei.

Von Dennis Nobbe