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Lengede/Vechelde/Wendeburg Sensationsfund bei Lengede: Ältester Peiner Schlüssel
Kreis Peine Lengede/Vechelde/Wendeburg Sensationsfund bei Lengede: Ältester Peiner Schlüssel
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00:23 23.06.2019
Der fertig restaurierte Lengeder Ankerschlüssel aus dem 5. Jahrhundert
Der fertig restaurierte Lengeder Ankerschlüssel aus dem 5. Jahrhundert Quelle: Thomas Budde
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Lengede

Ein besonderer Fund gelang den Archäologen Thomas Budde aus Abbensen und Jörg Weber aus Cremlingen bei Ausgrabungen im Lengeder Baugebiet am Kreuzstein.

 Ein unförmiger Eisenfund erweckte während der Grabungen im Spätsommer 2016 besondere Aufmerksamkeit. Das knapp 20 Zentimeter lange Stück fand der Lengeder Konrad Büttcher im Aushub einer kleinen Grube oben am Hang, die der Lage nach zur germanischen Siedlung der Völkerwanderungszeit (5. Jahrhundert nach Christus) gehören musste.

Wegen der dicken, mit Lehm verbackenen Rostschicht, die den Gegenstand komplett umgab, und die ursprüngliche Form höchstens erahnen ließ, blieben aber Zweifel hinsichtlich seiner Bedeutung.

Germanen betrieben schon Recycling

Bei der Gesamtaufarbeitung der Grabungsfunde im Jahr 2018 geriet der Fund erneut in den Fokus. Weil aufgrund des schon damals von den Germanen auf ihren Siedlungen betriebenen Metallrecyclings durch Sammeln und Wiedereinschmelzen nur wenige kleinere Eisen- und Bronzegegenstände in der Siedlung gefunden worden waren, erschien der Fund wichtig zu sein. Schließlich entschied sich die Gemeinde das Stück restaurieren zu lassen.

Budde sagt: „Schon das erste Röntgenbild brachte die Bestätigung: Ein germanischer Schlüssel vom Typ der ,Hakenschlüssel’ zeichnete sich eindeutig in dem Rostklumpen ab. Die Restaurierung des Fundes dauerte mehrere Monate. Mittlerweile liegt der Schlüssel in nahezu ursprünglichem Zustand vor.“

Fund wird als „Ankerschlüssel“ bezeichnet

Es handelt sich um einen massiven, 19,6 Zentimeter langen Schlüssel mit zwei Hakenenden, die an einen Anker erinnern. In der Archäologie hat sich dafür der Begriff „Ankerschlüssel“ durchgesetzt. Am anderen Ende befindet sich eine Öse zum Aufhängen an einem Gürtel oder Gürtelring.

Erste Metallschlüssel mit einfachem Haken gab es vereinzelt schon in der vorrömischen Eisenzeit. Die „Ankerschlüssel“ aber kommen erst seit der germanischen Zeit vor und gehören zu den seltenen Funden. Im ehemals römischen Süddeutschland findet man sie auf germanischen Fundplätzen häufiger als in Norddeutschland, wo der einfache Hakenschlüssel bevorzugt wurde. Grabfunde aus jener Zeit zeigen, dass die Hakenschlüssel ausschließlich von Frauen am Gürtelgehänge getragen wurden.

Schlösser sind noch unerforscht

Der Lengeder Schlüssel könnte laut Budde „zu der Haustür eines in der Nähe gelegenen Wohngebäudes gehört haben“. Die zugehörigen Schlösser sind übrigens noch vollkommen unerforscht. Vermutlich bestanden sie hauptsächlich aus vergänglichem Holz. Mit dem Hakenschlüssel konnte ein Riegel auf der Innenseite der Tür von außen verschoben werden.

Dieser massive Schlüssel stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde bei Ausgrabungen der Wüstung Alrum zwischen Peine und Dungelbeck entdeckt. Quelle: Thomas Budde

Ältester Schlüssel im Peiner Land

Das Lengeder Fundstück kann nun als bei Weitem ältester Schlüssel im Peiner Land gelten, und zwar mit einem Abstand von acht bis neun Jahrhunderten. Denn bisher galt ein ebenso großer massiver Bartschlüssel von der Wüstung Alrum bei Dungelbeck, gefunden in einer Siedlungsgrube des frühen 14. Jahrhunderts, als mit Abstand ältestes Exemplar. Der Dungelbecker Schlüssel unterscheidet sich bereits kaum von unseren heutigen Schlüsseln. „Die technische Entwicklung des Schlüssels – und der zugehörigen Schlösser – ist an den beiden Peiner Funden beispielhaft abzulesen“, endet der Archäologe.

Von Antje Ehlers