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Ilsede Junge findet toten Wolf im „Gräwig“
Kreis Peine Ilsede Junge findet toten Wolf im „Gräwig“
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00:23 25.05.2019
Bei dem Kadaver handelt es sich nach Aussage des Wolfsbeauftragten Lüder Richter eindeutig um einen Wolf. Quelle: privat
Klein Ilsede

Ein Wolfskadaver wurde am Dienstag von einem Jungen im Waldgebiet „Gräwig“ im Bereich Grüne Aue zwischen Klein Ilsede und Peiner Krankenhaus gefunden. Ob es sich bei dem toten Tier um den Wolf handelt, der vor rund drei Wochen zwischen Oberg, Groß Ilsede und Gadenstedt gesichtet wurde, kann aufgrund fehlender Übereinstimmungsmerkmale nicht geklärt werden.

Wolfsbeauftragter eingeschaltet

Der Junge hatte seinen Vater über den Fund informiert, dieser hatte die Polizei eingeschaltet. Die Ordnungshüter haben den Wolfsberater des Landkreises Peine, Lüder Richter, und die Revierpächter Frank Ebeling, Heiner Bernotat und Lars Seiler hinzugezogen, die sich am Fundort im Schilf ein Bild von dem Kadaver gemacht haben. „Es ist sicher, dass es sich bei dem toten Tier um einen Wolf handelt. Woran er verendet ist, war nicht erkennbar“, sagte Richter. Mitarbeiter des Wolfsbüros haben den geborgenen Wolfskadaver für weitere Untersuchungen im Senckenberg-Forschungsinstituts hätten den geborgenen und eingelagerten Wolfskadaver gestern für weitere Untersuchungen im Senckenberg Forschungsinstitut abgeholt.

Der Wolfskadaver. Quelle: privat

Eindeutige Merkmale

Eindeutige Merkmale am gefundenen Tierkadaver sprechen für einen Wolf: „Am Haupt sind noch die innen behaarten Ohren gut erkennbar, die kurz und oben abgerundet und nicht spitz wie bei Hunden sind. Ebenso ist die weiße Markierung vom Unterkiefer bis an die Wangen sichtbar, und auch die schräg gestellten Augen sind typische Kennzeichen“, erklärte Richter. Ob es sich bei dem toten Tier um denselben Wolf handele, der vor drei Wochen in der Südkreisgemeinde unterwegs war, lasse sich aufgrund fehlenden eindeutigen DNA-Materials nicht klären und nachträglich nicht mehr bestimmen.

Fortgeschrittene Verwesung

Denn: Pfotenabdrücke des gesichteten Tieres auf dem Acker und aus der Umgebung des Wolfskadavers, die sogenannten Trittsiegel, reichten als Übereinstimmungsmerkmal nicht aus. Speichel, Blut, Urin oder Losung – also Kot – wären zum Vergleich nötig gewesen. Richter schätzt aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung, dass der Wolf bereits seit zwei bis drei Wochen im Schilf gelegen habe. „Der Schädel, das Skelett und Hautfetzen sind noch vorhanden. Am Fundort, im Schilf, leben viele Insekten und Käfer, die typischerweise den Verwesungsprozess eines hauptsächlich fleischfressenden Wildtieres erheblich beschleunigen“, so Richter.

Kreisjägermeister gibt Verhaltenstipps

Aufregung herrschte im Peiner Land: Nachdem ein Wolf zwischen Groß Ilsede, Gadenstedt und Oberg gesichtet wurde, war die Besorgnis unter der Bevölkerung groß. Ein Grund zur Beunruhigung bestehe jedoch nicht, sagt Kreisjägermeister Hans Werner Hauer. Von gesunden Wölfen gehe in der Regel keine Gefahr für den Menschen aus. Nahbegegnungen seien zwar möglich, aber eher selten.

Hauer weist darauf hin: „Wölfe sind Wildtiere – diesen sollte man immer mit Respekt begegnen. Bei Wolfsbegegnungen ist es wichtig, sich ruhig zu verhalten.“ Er empfiehlt, auf gar keinen Fall wegzulaufen, sondern sich langsam mit dem Gesicht zum Tier zurückzuziehen. „Durch hektische Bewegungen kann der Jagdinstinkt des Tieres ausgelöst werden. Der Wolf könnte einen verfolgen, so wie man es von Hunden kennt. Es ist ratsam, das Tier niemals aus den Augen zu verlieren und sein Verhalten zu beobachten. Man soll dem Wolf – auch das gilt für andere Wildtiere gleichermaßen – die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen“, so der Experte.

Tipps für Hundehalter

Auch für Hundehalter spricht der Kreisjägermeister Empfehlungen aus: „Wenn man mit dem Hund im Wolfsgebiet unterwegs ist, sollte dieser immer an der kurzen Leine geführt werden, so dass eine enge Verbindung zwischen Mensch und Hund entsteht. Freilaufende Hunde können vom Wolf als feindliche Artgenossen wahrgenommen und angegriffen werden. Sollte es trotzdem vorkommen, dass sich ein Wolf mit dem angeleinten Hund verbeißt, so ist es zu empfehlen, den Hund abzuleinen.“

Für Menschen, die Fotos von einem freilaufenden Wolf machen wollen, hat Hauer ebenfalls Tipps: Man sollte sich dem Tier keinesfalls nähern und es vor allem nicht füttern. „Durch Anfüttern können Wölfe den Menschen mit leicht verfügbarer Nahrung verbinden und folglich aktiv aufsuchen.“

Wölfe unterstehen nicht dem Jagdrecht

Da der Wolf nicht dem Jagdrecht unterliege, sondern höchstmöglichen Schutzstatus genieße, stelle sich den Peiner Jägern nicht die viel diskutierte Frage, ob sie für oder gegen den Abschuss von Wölfen seien. Wenn die Politik sich für eine Regulierung der Wolfsbestände ausspricht, „sollte der Wolf ins Jagdrecht überstellt werden – staatliche Eingreiftrupps, wie immer geartet, sind aus unserer Sicht keine Option“, sagt Hauer.

In den sozialen Medien wurde das Auftauchen des Wolfes ebenfalls heiß diskutiert. So empfand Hilal Ö. das Tier noch nicht als direkte Bedrohung: „Solange er mir und meiner Familie nicht zu nahe kommt, soll er mal ruhig machen, was er will, in Freiheit, so wie wir alle auch.“ Ani R. gab zu bedenken: „Man sollte sich mal fragen, warum der Wolf da ist, und nicht nur feststellen, dass er da ist.“ Und Jenny W. freute sich: „Hoffentlich habe ich das unfassbare Glück, den Wolf zu sehen.“ Thiemo M. schrieb, der Wolf sei ein unberechenbares Raubtier, und Daniel K. meinte dazu: „Ein Raubtier tötet zum Überleben und der Mensch nur zum Spaß.“

Von Birthe Kußroll-Ihle

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