Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Ilsede Linda braucht einen Assistenzhund – die Ausbildung kostet 26.000 Euro
Kreis Peine Ilsede Linda braucht einen Assistenzhund – die Ausbildung kostet 26.000 Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:24 22.10.2019
Die Eltern Carsten und Anne Pommernell sowie die Trainerin für Assistenzhunde, Kirstin Wilken (rechts), freuen sich, dass Linda (vorne) bald ihren Pluto bekommt. Quelle: Antje Ehlers
Gross Bülten

Eigentlich ist Linda (9) ein fröhliches, hilfsbereites und aufgewecktes Kind, hat Freunde und ist gern an der frischen Luft – allerdings unterscheidet sie etwas von Gleichaltrigen. Seit ihrer Geburt leidet sie an Fetalen Alkoholspektrumsstörungen (FASD), bedingt dadurch, dass die leibliche Mutter während der Schwangerschaft alkohol- und drogenabhängig war. Dies hat erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Schülerin, denn sie hat mit vielen gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Körper war auf Entzug

Linda ist eins von zwei Pflegekindern von Anne und Carsten Pommernell aus Groß Bülten, im Alter von fünf Wochen lernten die Eltern sie kennen. „Wir haben sie in einem Hildesheimer Krankenhaus das erste Mal gesehen und wussten sofort, dass sie zu uns gehört“, berichtet Anne Pommernell. Etwa drei Monate blieb Linda in der Klinik, damit dem kleinen Körper die schädlichen Gifte entzogen werden konnten. Täglich fuhren Pommernells nach Hildesheim, um ihren Schützling zu besuchen – manchmal sogar zweimal am Tag.

„Als sie dann bei uns zu Hause war, hat Linda sehr wenig gegessen und war sehr unruhig. Der Entzug war noch nicht endgültig abgeschlossen, aber wir hatten täglichen Kontakt zu dem Kinderarzt, der sie in der Klinik betreut hat.“ Das sei eine große Hilfe gewesen, sagen Pommernells.

Verhaltensstörungen haben sich entwickelt

Im weiteren Verlauf von Lindas Entwicklung hätten sich dann ausgeprägte Verhaltensstörungen entwickelt, hinzugekommen seien aggressives Verhalten, auch gegen sich selbst, und Probleme mit der Konzentration sowie der Merkfähigkeit. Besonders beunruhigend sei auch die Tendenz von Linda, ohne zu überlegen das Grundstück zu verlassen und wegzulaufen, ohne Bescheid zu sagen. „Das hat schon so manche Suchaktion ausgelöst“, erzählen die Eltern.

Schwierig im Alltag seien vor allem Verhaltensstörungen wie unkontrollierte Wutausbrüche, Zerstörungen und Tränen durch tiefe Traurigkeit. „Dann haben wir oft keinen Zugang zu ihr und wissen nicht, wie wir ihr helfen können“, bedauern sie und erklären, dass sie durch das Verhalten auch an ihre eigenen Grenzen stoßen.

Ein Assistenzhund soll helfen

Unterstützung soll es bald durch den Assistenzhund Pluto geben. Im Frühjahr hatten sich Familie und Hund kennengelernt. Sowohl für Linda als auch für Pluto war es Liebe auf den ersten Blick. Der Labrador wird zurzeit von Trainerin Kirstin Wilken von einem Hundezentrum bei Rostock speziell für die Bedürfnisse von Linda ausgebildet. Alle paar Wochen kommt die Trainerin nach Groß Bülten, um gemeinsam zu üben und eine Beziehung aufzubauen. In dieser Zeit fällt es der tierlieben Linda schwer, die Aufmerksamkeit von „ihrem“ Hund abzuwenden.

Unter anderem lernt Pluto gerade, eine Funkklingel zu bedienen, wenn Linda das Grundstück verlässt. So werden die Eltern unmittelbar informiert und können eingreifen. Außerdem soll er sie in seelischen Notlagen als Tröster unterstützen, aber ihr auch helfen, Verantwortung zu übernehmen. Gern würden Pommernells es sehen, wenn Pluto schließlich Linda auch in die Schule begleiten könnte – doch da seien noch einige Hürden zu überwinden.

Ausbildung kostet 26 000 Euro

Die Ausbildung des Assistenzhundes dauert drei Jahre und kostet 26 000 Euro. Hierfür erhoffen sich die Groß Bültener finanzielle Hilfen durch Spenden. „Großartigen Beistand bekommen wir schon vom Kutschenclub, in dem Carsten Mitglied ist. Sie haben sich schon einige Aktionen einfallen lassen, um uns bei der Finanzierung zu helfen“, sagt Anne. Doch leider reicht das nicht, daher erhofft sich die Familie ein wenig Unterstützung aus der Bevölkerung. Aufgrund der Krankheiten der Kinder (auch der Sohn ist gesundheitlich beeinträchtigt) und dem entsprechenden Betreuungsbedarf ist auch nur Teilzeitarbeit für sie möglich.

Spendenkonto

Wer der Familie eine Spende zukommen lassen möchte, kann dies tun an das Servicehundezentrum, Ostsee Sparkasse Rostock, IBAN DE 69 1305 0000 0201 0584 80, BIC NOLADE21ROS, Verwendungszweck: Assistenzhund für Linda. Spendenquittungen können ausgestellt werden.

Fetale Alkoholspektrumsstörungen (FASD)

In Deutschland werden jährlich etwa 400 Kinder mit Fetalen Alkoholspektrumsstörungen (FASD) geboren – die Dunkelziffer wird mindestens auf die doppelte Anzahl geschätzt. Der Alkohol und auch andere Drogen wirken in der Schwangerschaft von Beginn an als Gift für das ungeborene Leben. Viele Abwehrmechanismen und Stoffwechselfunktionen sind noch nicht entwickelt, sodass sich der Körper nicht schützen kann. Die häufigsten festgestellten Beeinträchtigungen für Betroffene sind unter anderem Untergewicht, kleine Köpfe und Körper, Veränderungen im Gesicht, organische Schäden, Augenfehlbildungen, Verhaltensstörungen, geistige und motorische Entwicklungsverzögerungen. Nicht alle Anzeichen müssen bei jedem Betroffenen vorhanden sein. FASD ist zwar nicht heilbar, Therapien helfen aber beim Umgang mit den Symptomen.

Von Antje Ehlers

In Groß Bülten kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Kind. Der Unfall ereignete sich an einem Zebrastreifen.

22.10.2019

Der Groß Bültener Heimatkalender für 2020 beinhaltet einen Mix aus historischen und neuen Aufnahmen. Erhältlich ist er ab sofort.

22.10.2019
Ilsede Landvolk Braunschweiger Land Protest: Landwirte zünden Mahnfeuer an

Mit einem Feuer in der Adenstedter Feldmark wollen die Landwirte auf die Auswirkungen der Agrarpolitik aufmerksam machen. Organisiert wird die Veranstaltung Braunschweiger Land.

21.10.2019