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Ilsede Der angeleinte Indonesier
Kreis Peine Ilsede Der angeleinte Indonesier
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23:38 30.08.2009
Am Boden: Die Zuschauer haben Yoyo Yogasmana in der Hand – wie einen angeleinten Hund. Quelle: Nilz Böhme

Ilsede-Groß Ilsede. Noch lachen sie. Doch gleich wird er sie auffordern, um ihn herum zu tanzen, und dann werden sie merken, dass sie den 39-jährigen Indonesier in der Hand haben – wie einen angeleinten Hund. Dass sie an ihm zerren und reißen können, ihn sogar würgen und umwerfen. Das Lachen wird ihnen vergehen.

Yoyo Yogasmana ist der Star des zweitägigen Performance-Festes in der Ilseder Gebläsehalle. Sieben Künstler aus Indonesien treffen auf acht aus Deutschland. Yogasmana stammt aus Bandung auf Java, der „Stadt der Blumen“. Er wollte mal Kunstlehrer werden, er war verheiratet und hat zwei Söhne.

Heute lebt er in den Bergen, in einem Dorf mit anderen Aussteigern. Was sie zum Leben brauchen, bauen sie selbst an. Es ist vor allem Reis. Es gibt Strom und Internet. Die Leute auf dem Berg kennen das Leben unten; sie sind nicht weltfremd. „Aber wir fühlen uns dort nicht wohl“, erzählt Yogasmana, „wir fühlen uns wohl mit dem Kopf in den Wolken.“

Die Geschichte des Indonesiers erinnert an den Narren auf dem Hügel aus dem Beatles-Song „The Fool on the Hill“. Dabei handelt es sich um den indischen Guru Maharishi Mahesh Yogi, ein ständig kichernder Kauz. Als Freak bezeichnen ihn seine Kritiker, weil er anders lebt, weil er anders denkt, weil er sich anders benimmt als die meisten. Vielleicht ist es Neid, weil der meditierende Mann offenbar seinen Platz in der Welt gefunden hat. Weil sie ahnen, dass er mehr weiß als sie.

Und sie? Sie müssen weitersuchen – nach was auch immer. Yogasmana lächelt. Er wirkt zufrieden, wenn er über Reisanbau und Performance-Kunst spricht – die beiden für ihn lebenswichtigen Dinge. Er scheint gefunden zu haben, was ihn glücklich macht. Dafür reist er weltweit zu Auftritten.

Yogasmana beschreibt mit seiner Seil-Performance das Beziehungs-Netz, in dem ein Mensch lebt und von dem er abhängig ist. 24 Seile gleich 24 Beziehungen. Zu Beginn der Performance sind die 24 Zuschauer nicht mehr als Statisten. Je länger der Auftritt dauert, um so mehr werden sie zu Puppenspielern und Yogasmana zu ihrer Marionette. Sie zerren an ihm, die Seile würgen an seinen Gelenken, an seinem Hals, an seiner Existenz. Und obwohl die Puppenspieler nur tanzen, ist er schon bald dem Tempo und dem Druck nicht mehr gewachsen. Schließlich fällt er um, sein Körper schleift über den gekachelten Hallenboden. Das muss weh tun.

Wie lange werden sie an Yogasmana reißen, wenn er am Boden liegt? Werden sie ihm wieder auf die Beine helfen? Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn ein rücksichtsloser Puppenspieler die Fäden in der Hand hält: ein Mensch ohne Mitgefühl oder Skrupel, ein grenzenloser Egoist oder ein Diktator.

Mathias Begalke

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