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Hohenhameln „Stein- und Schottergärten bieten Insekten keinen Lebensraum“
Kreis Peine Hohenhameln „Stein- und Schottergärten bieten Insekten keinen Lebensraum“
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00:21 01.07.2019
In einer solchen Steinwüste gibt es für Bienen und andere Insekten nichts zu holen.
In einer solchen Steinwüste gibt es für Bienen und andere Insekten nichts zu holen. Quelle: Archiv
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Kreis Peine

Groß in Mode sind derzeit vermeintlich pflegeleichte Stein- und Schottergärten. Diese bieten jedoch keinen Lebensraum für Tiere, vor allem für Insekten. Deshalb appelliert die Peiner Biologische Arbeitsgemeinschaften (Bio AG) an alle Gartenbesitzer und auch die Kommunen, keine weiteren dieser „Steinwüsten“ anzulegen und die vorhandenen zurückzubauen.

Lebensräume gehen verloren

„Der Verlust von Lebensräumen für Tiere, vor allem für Insekten, und Pflanzen stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Die zunehmende Versiegelung von Naturflächen, die intensive Landwirtschaft mit hohem Pestizid-Einsatz sowie ein teilweise unbewusstes, die Natur schädigendes Verhalten von Teilen der Bevölkerung tragen wesentlich dazu bei“, sagt der Vorsitzende der Peiner Bio AG, Hans-Werner Kuklik.

Schottergärten bieten keinen Lebensraum

Ein Beispiel dafür sind die derzeit beliebten, sogenannten Stein- oder Schottergärten, die laut Kuklik zu einem Verlust von Lebensräumen unter anderem für Insekten führen. „Auch Städte und Kommunen haben ihre Grünflächen teilweise in Steinwüsten verwandelt“, hat er beobachtet. Das sei problematisch, denn Stein- und Schottergärten bieten Insekten keine adäquaten Lebensräume, weil Nahrungspflanzen und Fortpflanzungsmöglichkeiten fehlen.

„Diese sind jedoch unverzichtbar, um den Fortbestand von Insekten zu sichern, die eine wichtige Funktion im Naturkreislauf und auch als Bestäuber einnehmen. Stein- und Schottergärten, bei denen oft eine untergelegte Sperrfolie ein freies Pflanzenwachstum unmöglich macht, sind vor diesem Hintergrund ökologisch wertlos“, macht Dr. Michael Wallis deutlich, der bei der Bio AG als Projektleiter für Biotope tätig ist.

Appell an Gartenbesitzer

Die Peiner Bio AG sieht diese Entwicklung sehr kritisch und appelliert an Gartenbesitzer, die Stadt Peine und die Gemeinden, auf die Anlage weiterer Stein- und Schotterflächen zu verzichten sowie bereits vorhandene zurückzubauen. In den Gärten und auf den freien Flächen sollten stattdessen vermehrt heimische Pflanzen zum Einsatz kommen, die den Insekten – insbesondere Bienen und anderen Bestäubern – einen Lebensraum bieten. Nicht nur Nektar und Pollen, sondern auch die Pflanzstängel und Blätter sind wichtig für Insekten.

Verstoß gegen Bauordnung

„Das Anlegen von Stein- und Schotterflächen verstößt gegen die niedersächsische Bauordnung. Gemäß Paragraf 9, Absatz 2 sind unbebaute Grundstücksflächen zu begrünen, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind“, machen die Naturschützer deutlich und fordern die Einhaltung dieses Gesetzes. Um der genannten Vorschrift Nachdruck zu verleihen, sollten ihrer Meinung nach bei neuen Baugebietsausweisungen die Bauinteressierten im Landkreis Peine ausdrücklich auf die geltende Gesetzeslage hingewiesen werden, damit Stein- und Schottergärten von vornherein vermieden werden.

„Wir bieten gern Beratungshilfe für die Gestaltung von Gärten an“, erklären Kuklik und Wallis.

Antrag der Hohenhamelner Grünen

In dieselbe Richtung zielt ein Antrag der Fraktion der Grünen an den Hohenhamelner Gemeinderat, in dem angeregt wird, einen entsprechenden Passus bei der Neuausweisung von Flächen zur Wohnbebauung aufzunehmen.

Von Kerstin Wosnitza