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Hohenhameln Kohleausstieg: Kraftwerk Mehrum ist vom Netz, bleibt aber vorerst als Notreserve
Kreis Peine Hohenhameln

Kraftwerk Mehrum: Betrieb wird heute heruntergefahren

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19:18 07.12.2021
Ein Mitarbeiter steht vor dem Kühlturm des still stehenden Kohlekraftwerks in Mehrum.
Ein Mitarbeiter steht vor dem Kühlturm des still stehenden Kohlekraftwerks in Mehrum. Quelle: Julian Stratenschulte
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Mehrum

Das Kraftwerk Mehrum ist vorerst vom Netz: Der Kohlemeiler ist am Dienstag nach mehreren Jahrzehnten Betrieb heruntergefahren worden. Zu Mittwoch, 8. Dezember, greift eine im Frühjahr vereinbarte Stilllegungsprämie für den Standort. Solche Zahlungen erhalten die Betreiber, wenn sie die entsprechende Stromproduktion im Rahmen des Kohleausstiegs vorzeitig beenden.

Für das Mehrumer Steinkohlekraftwerk war dies nach einer Entscheidung der Bundesnetzagentur Anfang April so entschieden worden. „Wir werden die Anlage hier nun aus dem kommerziellen Betrieb nehmen“, sagte Geschäftsführer Armin Fieber.

Geschäftsführer Armin Fieber. Quelle: Ralf Büchler

Ganz vorbei ist die Verfeuerung der über den Mittellandkanal angelieferten Kohle in Mehrum jedoch noch nicht. Laut Fieber soll das Kraftwerk zur Netzreserve für rund vier weitere Wochen im Sommer 2022 vorgehalten werden. Der Netzbetreiber Tennet wolle dann eine neue Schaltanlage in der Nähe des Werks ans Netz anbinden.Während dieser Arbeiten soll das Kraftwerk das Netz stützen und in dem Rahmen noch etwas Elektrizität einspeisen. Nach dieser „speziellen Maßnahme“ sei aber wohl endgültig Schluss.

Das Kraftwerk mit einer Leistung von 690 Megawatt gehört zur Holding EPH des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky. Rund ein Viertel der gut 120 Beschäftigten in Mehrum soll nach der Stilllegung zum Ex-Eigentümer Enercity zurückwechseln, den früheren Stadtwerken Hannover. Ein Sozialplan, der dies vorsehe, sei bei der Übernahme des Werks durch EPH schon verabschiedet worden. „Wir kümmern uns darum, dass wir unseren Mitarbeitern einen Weg in die Zukunft ebnen“, betonte Fieber.

Gleichwohl müssten etwa 50 bis 60 Beschäftigte „mit einer Abfindung auf den Arbeitsmarkt entlassen werden“, für einige Mitarbeiter würden Ruhestandsregelungen greifen – allerdings erst Ende nächsten Jahres. Bis dahin soll der Betrieb komplett heruntergefahren und das Kraftwerk endgültig vom Netz getrennt werden.

Der Bürgermeister der Gemeinde Hohenhameln, Uwe Semper (SPD), betont, dass man das Thema Arbeitsplätze auf dem Schirm habe und dazu in engem Kontakt zur Kraftwerksleitung stehe. „Wir kümmern uns, auch was die Zukunft des Kraftwerks selbst anbelangt“, sagte Semper.

Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf bereits geführte, „viel versprechende Gespräche mit dem Peiner Bundestagsabgeordneten Hubertus Heil (SPD), der zugesagt habe, sich für eine Perspektive einzusetzen. Auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hatte sich im September positiv zu Mehrum geäußert: „Meiner Ansicht nach bietet das Kraftwerk Mehrum mit seiner Anbindung an das Strom- und Gasnetz und der Lage am Kanal zwischen Hannover, Salzgitter und Braunschweig ideale Voraussetzungen für den Aufbau einer Wasserstoffproduktion“, erklärt er in einem Interview mit der PAZ.

Fest steht, das es auf dem Mehrumer Gelände eine Nachnutzung geben soll, neben der dortige Produktion von grünem Wasserstoff ist eine Gasturbinenanlage geplant. Der Gesellschafter EPH prüft derzeit die Wirtschaftlichkeit der Vorhaben.

Von Thomas Kröger und Michael Lieb