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Edemissen Heimatpflegerin spürt der Geschichte von Plockhorster Kriegsgefangenen nach
Kreis Peine Edemissen Heimatpflegerin spürt der Geschichte von Plockhorster Kriegsgefangenen nach
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09:00 17.11.2019
Der Friedhof in Plockhorst: Hier sollen sich einst die Gräber der beiden russischen Soldaten befunden haben. Quelle: Dennis Nobbe
Plockhorst

Zum Volkstrauertag wird insbesondere an die Opfer der beiden Weltkriege gedacht. Viele von ihnen sind namenlos. Zu zwei Schicksalen aus Plockhorst hat sich die Ortsheimatpflegerin Silke Freund auf Spurensuche begeben.

„Ich möchte an zwei russische Männer erinnern, die hier in Deutschland in Gefangenschaft ums Leben gekommen sind“, sagt sie. Freund hat herausgefunden, dass die Gräber im vorderen Bereich des Plockhorster Friedhofs rechts des Weges gelegen haben, nicht eingerahmt und ohne Grabsteine waren. Nach Recherchen der Heimatpflegerin wurden die Grabstätten eingeebnet, obwohl sie laut Gräbergesetz von 1965 dauerhaft hätten erhalten werden müssen. Unterlagen zu dem Vorgang hat Freund nicht ausfindig machen können.

Unterschiedliche Gerüchte

Über das Schicksal der beiden Russen kursieren unterschiedliche Gerüchte. Einmal hieß es, sie seien in einem nahegelegenen Wald erschossen worden. Jemand anderes meinte zu wissen, dass die Männer im Lager auf dem Schaperberg in Plockhorst untergebracht waren. Es sei damals behauptet worden, dass die beiden sich wegen der Zustände im Lager das Leben genommen hätten. „Das alles ist aber nur durch Hörensagen überliefert“, betont Freund.

Entrag im Sterberegister

Sie hat intensiv nachgeforscht und Dokumente ausfindig gemacht, die genauere Hinweise geben. Im Kreisarchiv in Peine befindet sich im Sterberegister des Standesamts Eickenrode für das Jahr 1944 die Sterbeurkunde eines der beiden Gefangenen mit folgendem Text: „Eickenrode, den 14. Mai 1944. Der Ostarbeiter Stefan Wassiletz, wohnhaft in Plockhorst im Lager des Maurermeisters Höper, wurde am 11. Mai 1944 gegen 6 Uhr in Plockhorst tot aufgefunden. Der Verstorbene war geboren am 28. November 1913 in Mirrohontcha, Kreis Dubno (Gem. Gonv.). Der Verstorbene war nicht verheiratet. Eingetragen auf schriftliche Anzeige des Landrats in Peine. Der Standesbeamte Bordfeld. Todesursache: vom Zuge überfahren.“

Entnazifizierungsurkunde gibt Aufschluss

„Aus dem Nachlass des Johannes Höper sen. liegt die Entnazifizierungsurkunde vor, die die Vorgänge um den Gefangenen Wassiletz erklären“, sagt Freund. Er sei nach einem Einsatz auf dem Bau mit einem späteren Zug als vorgesehen zurückgekommen, sodass dem Bauherrn Schwierigkeiten mit der Reichsbahn drohten. Daraufhin sei der Gefangene mehrfach schwerer körperlicher Gewalt ausgesetzt und mit Latrinenputzen bestraft worden. In den frühen Morgenstunden habe er sich vor einen Zug geworfen und wurde getötet. „Höper wurde vom Entnazifizierungsausschuss in die Kategorie IV (Mitläufer) eingestuft, die Wählbarkeit wurde ihm aberkannt“, sagt Freund.

Nazi-Zeit sachlich aufarbeiten

Vom zweiten getöteten Kriegs- oder Zivilgefangenen fehlt laut Freund jeder Nachweis. „Es ist schwierig, die Geschichte der Kriegs- und Zivilgefangenen nachzuzeichnen, weil noch immer geschwiegen wird. Diejenigen, die den Krieg noch miterlebt haben, möchten nicht darüber sprechen und den nachfolgenden Generationen fällt es noch immer schwer, die Gräueltaten unserer Vorfahren als Tatsache anzuerkennen“, hat Freund beobachtet. Dabei gelte es nicht, Täter zu entlarven und anzuzeigen. „Die Zeit des Nationalsozialismus muss sachlich aufgearbeitet werden – mit dem Ziel, die Hintergründe aufzuklären und ähnliche Taten zu verhindern“, so Freund abschließend.

Zwangsarbeiter in Plockhorst

Im Landkreis Peine entstanden wie in ganz Deutschland ab Anfang 1942 Barackenlager für die Zwangsarbeiter. Auch Hermann Drewes und Johannes Höper bauten Unterkünfte für russische Zwangsarbeiter am Bahnhof und am Schaperberg, haben die Recherchen der Plockhorster Ortsheimatpflegerin Silke Freund ergeben. „Von der Baracke am Schaperberg ist nur eine Bauzeichnung geblieben, von der ich nicht weiß, ob der Bau so ausgeführt wurde. Die Baracke von Drewes wurde 1943 auf seinem Grundstück neben dem ersten Kiesabbaugebiet erstellt und existiert heute noch“, sagt sie. Die Zwangsarbeiter an der Kiesgrube wurden zum Betrieb des Saugbaggers und Verladen des gewonnenen Sandes eingesetzt, Drewes belieferte Großbaustellen in Hildesheim und Salzgitter, die als kriegswichtig eingestuft waren. Gleichzeitig wurde Bombenschutt aus den umliegenden Städten per Zug nach Plockhorst geliefert, um die bereits ausgebeuteten Teile des mit Grundwasser gefüllten Teiches wieder zu verfüllen. Dabei wurde nach Eisenschrott und anderen im Kriege zur Mangelware gewordenen Stoffen gesucht. Für diese Sortier-, Be- und Entladearbeiten mit der Schaufel oder dem Bagger waren nun die Zwangsarbeiter zuständig.

Von Kerstin Wosnitza

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