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Edemissen Der „Helle Paul“: So lief das mit dem Brandschutz damals in Eddesse
Kreis Peine Edemissen Der „Helle Paul“: So lief das mit dem Brandschutz damals in Eddesse
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20:50 13.08.2019
Das Grundstück Dollberger Straße Straße 2. Vor der Bebauung 1908 befand sich dort der „Helle Paul“. Quelle: Privat
Eddesse

In enger Zusammenarbeit mit den Ortsheimatpflegern veröffentlicht die PAZ in loser Folge Beiträge aus der Geschichte der Gemeinde Edemissen. Der heutige Beitrag stammt von Adelheid Schmidt aus Eddesse. Sie erinnert an den „Hellen Paul“, wie der einstige Feuerlöschteich in ihrem Heimatort genannt wurde. Er hatte lange Zeit eine enorme Bedeutung für den Brandschutz, wurde aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Anlegen eines Feuerbrunnens überflüssig und in der Folge zugeschüttet.

Straße war nach Teich benannt

„Früher gab es die Flurbezeichnung ,Paul’“, weiß Schmidt (siehe auch den Info-Kasten). „Jüngere Einwohner werden sich unter dieser Bezeichnung nichts vorstellen können: Dieser Gewässername charakterisierte früher einen kleinen Tümpel oder klaren Teich“, erklärt die Heimatpflegerin.

Ein solcher Teich namens „Heller Paul“ lag nach ihren Recherchen bis 1908 in Eddesse gegenüber der Homannschen Hofstelle und dem Pfarrgarten an der Dorfstraße nach Dollbergen. Die Straße sei damals nach diesem Gewässer „An der Helle“ genannt worden. „Heute kennen wir sie unter dem wegweisenden Namen ,Dollberger Straße’“, macht Schmidt deutlich.

Gelöscht wurde mit Eimerketten

In früheren Zeiten diente der Tümpel als Feuerlöschteich. Die Gewässer wurden in der Zeit, als es noch keine zentrale Wasserversorgung gab, als Löschwasser-Speicher vorgehalten. Sie befanden sich meist im Ortskern zwischen Höfen beziehungsweise in deren Nähe, damit man mit einer Eimerkette – später dann mit Pumpen – das Wasser relativ einfach an jeden Punkt im Ort bringen konnte.

Teich wurde zugeschüttet

Da nach dem Anlegen eines Feuerbrunnens „auf dem Brink“ (plattdeutsch: „Up’n Brinke“) beim alten „Spritzenhaus“ in der Runden Straße seine Notwendigkeit nicht mehr bestand, wurde er nach Schmidts Kenntnis von der Gemeinde an den Bauern H. Redecke verkauft. Der ließ ihn zuschütten und baute 1908 auf dieser Fläche einen Viehstall und eine Scheune.

Willkommener Spielplatz

„Nach den Erzählungen meines Großvaters herrschte zuvor im Sommer und Winter reges Leben an diesem Gewässer. Es war ein willkommener Spielplatz der Kinder des Dorfes, die beobachten konnten, wenn im Frühjahr die Schwalben über den Wasserspiegel schossen, der blaue Himmel mit den weißen Wolken sich darin spiegelte, die Frösche ihren vielstimmigen Chor anstimmten und das Rotkehlchen am Abend sein Abendlied sang“, berichtet die Heimatpflegerin. Während des Winters, wenn der Teich zugefroren war, habe sich auf der Eisfläche die Dorfjugend beim Schlittschuh-Laufen getummelt.

So wurde damals ein Brand gelöscht

Die Menschen mussten zu allen Zeiten der Geschichte gegen Brände ankämpfen, die durch Blitzschlag, Fahrlässigkeit und durch Brandstiftung oder Krieg und Unruhen entstanden sind. „Zunächst gab es keine allgemeine Organisation des örtlichen Brandschutzes. Jeder half jedem, auch über die Ortsgrenzen hinweg“, weiß Eddesses Ortsheimatpflegerin Adelheid Schmidt. Löschwasser musste mit Löscheimern aus dem Teich durch eine Menschenkette zur Brandstelle transportiert werden. Im Falle eines Brandes war jeder zur Hilfe verpflichtet.

In zwei Reihen Eimer weitergereicht

Bei einem Brand hatten alle arbeitsfähigen Einwohner mit gefülltem Löscheimer zur Brandstelle zu eilen und sich in doppelter Reihe zum Löschwasserteich aufzustellen: In einer Reihe standen die Kräftigen, die vollen Eimer vom Teich zum Brandherd weiterreichend. Die andere Reihe bildeten Kinder und Schwächere, sie beförderten die leeren Eimer wieder zurück zum Teich. Mit dieser primitiven Bekämpfungsweise konnte jedoch nicht viel gerettet werden. Es bedeutete schon einen Fortschritt, wenn jede Familie über einen Ledereimer zum Wasserschöpfen und einen Feuerhaken verfügte.

Immer wieder schwere Brände

Es kam immer wieder zu schweren Bränden. „Die Gründe lagen unter anderem in der früheren Bauweise der Häuser mit ihren anfangs schornsteinlosen Strohdächern, später in der fehlenden oder ungenügenden Wartung der Feuerungsanlagen und Schornsteine, den engen Straßen, ungenügenden Wasservorräten und dem fehlenden organisierten Feuerlöschwesen“, berichten Schmidt.

1811 brannte Eddesse

Die Bewohner konnten außer dem nackten Leben meist lediglich einige Habseligkeiten retten, mussten ansonsten aber ohnmächtig zusehen, wie ihre Häuser abbrannten. Auch Eddesse blieb davon nicht verschont. 1811 wurde das Dorf von einem verheerenden Brand heimgesucht. 16 Wohnhäuser, 14 Scheunen, Schafställe, Speicher, Backhäuser und die Schule fielen den Flammen zum Opfer. Das alte Eddesse gab es nach diesem Inferno nicht mehr. Zum 100. Jahrestag der Katastrophe wurde 2011 an der Kirche ein Gedenkstein aufgestellt.

Von Kerstin Wosnitza

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