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Freiwillige vor! Olympia-Muffel adé!

Motivationsprogramm Freiwillige vor! Olympia-Muffel adé!

Die teils leeren Olympia-Tribünen füllen die Organisatoren mit Freiwilligen. Motivationsprogramm nennt sich das in Sotschi. Aber wie erleben die Menschen in übrigen Teilen des größten Landes der Erde das Weltereignis?

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Flaute auf den Tribünen: Im Schnitt würden die Russen keine vier Euro pro Person ausgeben, um die olympischen Spiele in ihrem Land zu verfolgen. 

Quelle: dpa

Sotschi. Die Olympioniken am Schwarzen Meer ringen in der frühlingshaften Sonne bei Tauwetter um Medaillen - während der Rest des Riesenreiches Russland mit General Winter kämpft. Schneesturm in Moskau, eisige Kälte in Sibirien mit - wie immer zu dieser Jahreszeit - reichlich Havarien an maroden und eingefrorenen Leitungen. Feierstimmung, dass Russland zum ersten Mal die Olympischen Winterspiele ausrichtet, ist in anderen Teilen des größten Landes der Erde mit den neun Zeitzonen kaum zu spüren.

Besonders populär sind zwar beim russischen Fernsehpublikum - wie auch auf den Anlagen selbst - zum Beispiel Eiskunstlauf, Eishockey und Biathlon. Aber ein Land im Olympia-Rausch sieht anders aus. Schule machen könnte nun eine Initiative von Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Er hat in den Kasernen das Regime etwas gelockert, damit Soldaten den Wettkämpfen am Schwarzen Meer folgen können - und zwar jubelnd am Fernsehbildschirm.

60 Armee-Sportler sind nach Ministeriumsangaben in Sotschi dabei, darunter auch der Oberleutnant Albert Demtschenko, der hier als Schlittenfahrer Silber holte. „Der Armee-Sport war immer breit vertreten in den Reihen der sowjetischen und danach auch russischen Olympischen Mannschaften“, teilte das Ministerium mit.

Dem Beispiel von Schoigu, die Spiele im Fernsehraum zu bejubeln, könnten doch nun die Lehrer folgen, meinte am Mittwoch Parlamentspräsident Sergej Naryschkin. Schon zu kommunistischen Zeiten war klassenkollektives Fernsehschauen bei wichtigen Ereignissen keine Seltenheit. Die Kremlpartei Geeintes Russland bat außerdem darum, Kindern weniger Hausaufgaben aufzugeben.

Zudem berichten Medien, dass etwa der Ölkonzern Rosneft als Sponsor für 64 Millionen Rubel (rund 1,4 Millionen Euro) Tickets gekauft habe, um die Eintrittskarten Mitarbeitern - auch von Tochterfirmen - als Prämien zu überreichen. Nicht zuletzt bekämen Veteranen die Gratis-Tickets. Freiwillige vor! - lautet die Devise.

Um die bisweilen leeren Zuschauertribünen zu füllen, gibt es in Sotschi selbst ein offizielles Motivierungsprogramm, wie Alexandra Kosterina vom Organisationskomitee SOCOC sagt. Dabei können vor allem die zu Tausenden auf den Olympiaanlagen eingesetzten Volunteers nicht ausgebuchte Wettkämpfe in ihrer Freizeit besuchen. Zwar hatten die russischen Organisatoren die Zahl der Plätze schon vorab reduziert im Vergleich zu vorherigen Spielen. Trotzdem gibt es immer wieder Bilder mit leeren Plätzen

950.000 Tickets seien bisher verkauft, betont Kosterina. Die Stimmung im Olympiapark sei super. Allein am Dienstag seien es mehr als 70.000 Besucher gewesen - gut die Hälfte des maximalen Fassungsvermögens. Während hier die Fan-Meile unter extremen Sicherheitsvorkehrungen organisiert ist, gibt es in den meisten Großstädten keine öffentlichen Plätze für Public Viewing.

Gerade einmal acht sogenannte Live Sites für Sotschi 2014 nennt der russische Sponsor Rostelekom. Die Hauptstadt Moskau und die Touristenmetropole St. Petersburg sind nicht darunter. Live Sites gibt es in Sotschi und Krasnodar, Jekaterinburg, Tjumen, Omsk, Chanty-Mansijsk, Krasnojarsk und Chabarowsk. Verbreitet sind darüber hinaus in Moskau und anderswo Fernsehübertragungen in Gaststätten - teils mit Gratis-Bier, wenn Russland Gold gewinnt.

Etwa zwei Drittel der Russen wollen sich den einen oder anderen Wettkampf im Fernsehen anschauen, haben Meinungsforschungsinstitute in Umfragen ermittelt. Die Antworten auf die Fragen des Lewada-Zentrums in Moskau dazu, wer bereit wäre, Geld auszugeben für Olympia in Russland, fielen aber ernüchternd aus: Im Schnitt keine vier Euro pro Person umgerechnet. Damit, stellten Soziologen fest, wäre Olympia in Sotschi nicht zu organisieren gewesen.

dpa

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