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Zwischen Schwanken und Schwelgen

Zwischen Schwanken und Schwelgen

Wilde Wortschöpfungen und glitzernde Metaphern: Der Autor des Bestsellers „Maria, ihm schmeckt´s nicht!“, Jan Weiler, beigeistert 150 Besucher seiner Lesung in der Peiner Buchhandlung Gillmeister.

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Den Zuschauer hat’s geschmeckt: Kult-Autor Jan Weiler bei seinem Auftritt in der Peiner Buchhandlung Gillmeister.

Quelle: Ralf Büchler

Peine. „Und nach der Lesung, das ist in 40 Minuten, kommt gar nichts mehr!“ Für so einen Spruch vor Publikum muss ein Autor lange arbeiten – denkt man. Jan Weiler, Star-Kolumnist, Fließbandschreiber von Romanen, Drehbüchern und Hörspielen und gefeierte Kapazität im „Leben als Mensch“ kann sich das leisten und die 150 Fans in Gillmeisters gläserner Bücherburg glucksen beglückt vor sich hin.

Denn jeder weiß: Das meint der Weiler nicht ernst, jedenfalls nicht ganz. Gerne würde der allerdings nach der Lesestunde noch signieren. „Ich signiere sehr, sehr gerne“, setzt er hinzu und: „ich signiere, was Sie wollen, auch fremde Bücher, ganz egal.“
Völlig egal war dem Publikum, worüber Weiler plauderte oder vorlas – Hauptsache es war lustig. Und weil das der Alltag meist nicht ist, verzaubert ihn der Meister mit ein bisschen wilder Wortschöpfung, glitzernden Metaphern und einem wie aus einem Füllhorn sprudelndem Wortwitz.

Das liest sich schon in Buch („Mein Leben als Mensch“) Zeitung und Internet wirklich hübsch. Wenn der Autor allerdings seine formulierten Lieblingsbabys mit der trockenen Süffisanz eines nach Unterrichtsschluss lechzenden Latein-Leistungskurs-Lehrers vorträgt, beginnen die Geschichten gleichsam zu leben.

Dem Peiner Publikum attestiert er übrigens hohe geistige Qualitäten: „Sie sind das intelligenteste Publikum, dem ich auf dieser Lesereise begegnet bin. Ich fahre nämlich nicht nach Salzgitter“. Vielleicht wäre er ja dort auf die Eltern jener hochbegabten Zöglinge getroffen, deren Klavierspiel er beschreibt, „wie das von Karlheinz Stockhausen, wenn er zwei Tage nicht geschlafen und dann einen Liter Espresso getrunken hat“.

Das Publikum schwankt zwischen Lachen und Kichern, der Autor schwelgt währenddessen in seinem literarischen Element. Er serviert charmant-leichte Wortschokolade, bei der man immer wieder zugreift – bis man Bauchweh kriegt. „Aber in 40 Minuten ist Schluss, da kommt gar nichts mehr!“ Er kann es sich leisten. Respekt

Ulrich Jaschek

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