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„Wir durften zuerst nicht helfen“

Zugunglück Peine „Wir durften zuerst nicht helfen“

Der Unmut über die späte Alarmierung der Rettungsdienste in Peine beim Zugunglück sitzt tief. Gestern klingelte das Telefon in der PAZ-Redaktion ständig, auch auf www.paz-online.de gibt es eine rege Debatte.

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Einsatz in der Nacht des 16. Juni: Ein Regionalzug ist nach dem Zusammenprall mit einem entgleisten Güterzug aus den Schienen gesprungen und in einem Vorgarten am Trakehner-Ring in Peine-Horst gelandet.

Quelle: Ralf Büchler

Kreis Peine. Laut Einsatzprotokoll des Zugunglücks mit 16 Verletzten ging der erste Notruf in der Nacht des 16. Juni um 23.25 Uhr ein. Die Retter aus Peine sind jedoch erst um 23.46 Uhr alarmiert worden. Doch auch der hauptamtliche Rettungsdienst musste 19 Minuten warten, bis er in den Einsatz durfte.

„Wir wussten von dem Zugunglück und durften nicht helfen“, sagen mehrere Retter übereinstimmend. Namentlich genannt werden will aber niemand. Zu dieser Zeit waren Rettungskräfte aus Braunschweig – ehrenamtlich und hauptamtlich – auf dem Weg.

Hintergrund ist ein Vertrag zwischen Landkreis Peine und Stadt Braunschweig, der bei Schäden mit vielen Verletzten in Kraft tritt. Dazu erläutert Michael Hanne, Leiter der Berufswehr Braunschweig, auf Anfrage: „Zunächst kamen Notrufe, aus denen sich kein einheitliches Lagebild ergeben hat. Die Leitstelle ist von einer Notbremsung des Zuges ausgegangen.“ Darauf sei die Peiner Feuerwehr alarmiert worden. Auch ein Rettungswagen aus Peine war unterwegs und als erster am Unfallort.

Die Besatzung gab die tatsächliche Situation durch: Mindestens zwei Waggons eines Personenzuges waren umgekippt. „Daraufhin trat der Vertrag zwischen Landkreis Peine und Stadt Braunschweig in Kraft“, erklärt Hanne.

Während die Einheiten aus Braunschweig schon unterwegs waren, kam eine Fehlmeldung, nur der Lokführer sei „leicht verletzt“. Aufgrund der geringen Zahl von Verletzten habe es dann die Meldung einer Führungskraft des Peiner Rettungsdienstes gegeben: „Aus Braunschweig wird nur ein Notarzt benötigt, alle anderen Kräfte aus Braunschweig können abdrehen.“

Hanne habe dann die Einheiten, die noch nicht losgefahren waren, gestoppt und die Einheiten, die unterwegs waren, durchfahren lassen.

pif

Hintergrund

Den „Ärger“ der Peiner Retter kann Michael Hanne, Leiter der Berufswehr Braunschweig, nicht nachvollziehen, da man sich in Braunschweig streng an den Vertrag gehalten hätte. Er bestätigt aber, dass die Alarm- und Ausrückordnung überarbeitet werden soll. Das sei seit Mai geplant. Allerdings verfüge Peine zurzeit nicht über einen 24-Stunden-Dienst leitender Notärzte. Der müsse aus Braunschweig gestellt werden.

Hanne verweist zudem auf ein Gespräch der Führung der Rettungsdienste Mitte September. Ziel sei es, in Verhandlungen eine Vereinbarung zu treffen, in der sich die Vertragspartner gegenseitig ergänzen.

pif

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