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Wenn ein „Egal“ 100 Euro kostet

Arbeitsgericht Wenn ein „Egal“ 100 Euro kostet

Dumm gelaufen für einen Peiner Gebäudeservice-Unternehmer: Weil er sich am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht Braunschweig nicht auf einen Kompromiss mit einem Ex-Mitarbeiter einlassen wollte, muss er dem Mann jetzt 100 Euro mehr zahlen.

Braunschweig. „Es geht hier ja wohl um einen eher überschaubaren Betrag“, beschrieb Richter Lutz Bertram zu Beginn der Verhandlung treffend die Sachlage. Der Kläger hatte vorübergehend als Aushilfe und ohne Vertrag bei der kleinen Firma gearbeitet. Aus dieser Zeit, so meinte er, standen ihm noch 353 Euro als Arbeitslohn zu.

Sein ehemaliger Chef sah das allerdings anders. Als Mitarbeiter sei der junge Mann äußerst unzuverlässig gewesen. Und einen Nachweis darüber, dass er die geltend gemachten Stunden tatsächlich gearbeitet hätte, gebe es auch nicht. Die Frage des Richters, ob er das präzise für einzelne Stunden an bestimmten Tagen nachweisen könne, verneinte der Mann allerdings.

Darüber hinaus müsse er noch nachsehen, ob der Kläger überhaupt den richtigen Stundenlohn für den entsprechenden Zeitraum angegeben habe. Das veranlasste Bertram zu der Bemerkung: „Sie werden doch wohl immer den gleichen Lohn zahlen und das nicht von Monat zu Monat neu festsetzen.“ Daraufhin meinte der Unternehmer, er sei wohl falsch verstanden worden.

Dass beide Parteien angesichts derart verhärteter Fronten vor Gericht aufeinandertreffen mussten, lag auf der Hand. Schon einmal hatten sie sich dort gegenübergesessen. Damals hatte der Chef 150 Euro angeboten. Dem Kläger war das jedoch zu wenig gewesen.

Gestern nun blockierte eher die Arbeitgeberseite. Der Kläger meinte, mit 250 Euro sei er zufrieden. Das war dem Dienstleister aber zu viel. „Na gut, dann 200 Euro, aber nur, wenn das Geld sofort fließt“, schlug der frühere Angestellte vor. Sofort gehe nicht, weil er die Summe nicht dabei habe, sagte sein Ex-Chef. Man könne die Angelegenheit jedoch „heute noch regeln“.

Davon wollte wiederum der Kläger nichts wissen. „Das habe ich schon häufig gehört, und dann ist nichts passiert“, wies er das Angebot zurück. Auch Richter Bertram versuchte, den Unternehmer umzustimmen. „Wenn Sie nicht in die 250 Euro einwilligen und wir der Klage stattgeben, zahlen sie gut 100 mehr“, gab er zu bedenken und erntete vom Beklagten dafür nur ein knappes „Egal“ und eine ablehnende Handbewegung.

Ob der Firmeninhaber auch jetzt noch so denkt, darf bezweifelt werden. Wie zuvor angedeutet, gab das Gericht dem Kläger Recht. Dessen früherer Arbeitgeber muss jetzt also tiefer in die Tasche greifen, auch wenn es ihm nicht gefällt. Eine Chance, das Urteil noch einmal zu seinen Gunsten ändern zu lassen, hat er nicht. Die Berufung zum Landesarbeitsgericht in Hannover als nächst höherer Instanz ist in diesem Fall nicht zulässig.

jkr

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