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Peine Von bleibendem Wert

Es gibt zuweilen Konzertereignisse, an die man sich erstens gerne und zweitens auch lange erinnert. Am Freitag war es im Forum soweit, als die Kammerphilharmonie Amadé aus Köln das Publikum im knapp ausverkauften Forum mit musikalischen Meisterstücken zu langem Beifall hinriss.

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Sensible Klangmalerin: Violinistin Tamaki Kawakubo.

Quelle: cb

Peine. Nun ist Joseph Haydns Sinfonie Nr. 44 e-Moll eben eines jener Werke, die eher selten aufgeführt werden. Man kann deswegen von Glück reden, dass sie im Forum erklang und dem Orchester unter seinem Chef Frieder Obstfeld wirklich fabelhaft gelang.

Und das umso mehr, als die Musiker ein für alle mal mit dem unsinnigen Beinamen „Trauersinfonie“ für dieses Musikstück aufräumten. Zwar interpretierten sie den dritten Satz, das Adagio, vom Komponisten als musikalische Gestaltung seiner Beerdigung gewünscht, mit diesem Gänsehautempfinden, das besonders die zum Singen gebrachten Geigen auslösten.

Obstfeld gestaltete dieses musikalische Licht- und Schattenspiel, diese Schnell-Langsam-Effekte geradezu genussvoll zu einem alles umfassenden Bogen, der sich klanglich entfaltete, wie Joseph von Eichendorff in einer Gedichtzeile beschreibt: Meine Seele spannte weit ihre Flügel aus“.

Dabei hatte das Ensemble den ersten Satz Allegro con brio“ noch ausgesprochen brav begonnen, sich dann aber sehr effektvoll auf Haydns sehr belebte Tonsprache mit den vielen Details eingelassen, die sie hübsch herausspielten – im furiosen Finale geradezu überschäumend. Dabei musizierten Obstfelds Schützlinge Ihren Haydn so nachhaltig, dass selbst jene im Publikum, denen diese Sinfonie bisher noch völlig unbekannt war, sie beinahe schon wie einen Ohrwurm empfanden.

Apropos Ohrwurm: Auch Obstfeld weiß, dass das Publikum auch gerne Bekanntes hört. Daher hatte er nach der Pause Vivaldis Vier Jahreszeiten“ mit Geigen-Solistin Tamaki Kawakubo eingeplant.

Vom technischen Anspruch her seien diese Vivaldi-Schlager von talentierten Musikschülern und guten Musikstudenten ebenfalls schnell, sauber und perfekt zu bewältigen, merkte Violinen-Fee Anne-Sophie Mutter jüngst achselzuckend in einem Fernseh-Interview an.
Und natürlich haben auch im Forum Solistin und Orchester diese Nummern reflexartig parat. Das Schöne dabei: Sie ließen es das Publikum nicht merken – vielmehr hauchten sie der Partitur statt der oft üblichen Routine klangvolles Leben ein und entwickelten so das, was man einen Vivaldischen Farbenrausch“ nennen könnte.

Kawakubo zaubert durch ihre sensible Klangmalerei tonale Regenbögen, dass das Zuhören zur Lust wird. Im Winter scheint sie den Bogen mit einem Eiszapfen zu tauschen und versöhnt die Zuhörer anschließend in diesem zum Niederknien schönen folgenden Satz in der Geborgenheit eines warmen Zimmers.

Im Sommer fahren bei Orkan scheinbar Gewitterblitze in ihr Instrument und sie spielt mit einer Wucht und Heftigkeit auf, als würde sie ihre Geige nicht mehr brauchen.

Ensemble und Solistin reißen das Publikum derart mit, dass es zum Lohn für minutenlangen begeisterten Applaus das Sommer- und Winterthema als Zugaben gleich noch einmal genießen darf. Ein Konzertereignis von bleibendem Wert.

Ulrich Jaschek

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